MySpace Bashing

Geschrieben von Matthias Gutjahr • Freitag, 20. Januar 2006
MySpace Logo

Wie schon öfter erwähnt, kann ich den Erfolg von MySpace nicht wirklich nachvollziehen. Oder vielmehr, ich kann für mich persönlich in MySpace keine attraktive Plattform erkennen, aber die Gründe, warum MySpace mittlerweile über 40 Millionen Anmeldungen bekommen hat, sind mir schon relativ klar. Auch Harald Staun spricht in der FAZ jetzt von einem Paradigmenwechsel durch MySpace (via Machtdose). Dieser zeige sich daran, dass die Künstler sich jetzt selbst vermarkten würden und Labels daher zunehmend obsolet würden; dass Bands wie My Chemical Romance mit ihrem Mainstream-Alternative-Sound angeblich allein durch MySpace ihre Karriere hätten beginnen können; dass sich durch diese Möglichkeiten die Lücke zwischen erfolglosen Künstlern und millionenschweren Stars schließen lasse; undsoweiter.


Immerhin weist Staun darauf hin, dass auf Social Networking basierende Radio-Services wie Last.fm ebenfalls zum Boom der neuen, angeblich basisdemokratischen Musikordnung beitragen, genauso wie die Unzahl von MP3-Blogs, die in einer rechtlichen Grauzone und zumindest toleriert von den Plattenfirmen zeitlich beschränkt Songs zum Download anbieten.

Aber mal ehrlich: Wenn als Beispiel angeführt wird, dass eine relativ unbekannte Band über vierzig Mal so viel "Freunde" bei MySpace hat wie Mariah Carey, dann sagt das doch noch gar nicht aus, außer dass die Nutzer von MySpace entweder nicht der Zielgruppe der Carey-Fans/-Käufer angehören (und umgekehrt) oder? Ich glaube ja, dass eine professionell gemachte - und ich meine damit nicht flash-überladene, megabytegroße Marktschrei-Seiten - Künstler-Homepage mit den entsprechenden Möglichkeiten des Feedbacks und des Social Networking (ich prophezeie jetzt einfach mal ganz dreist, dass noch dieses Jahr XML-basierte Formate diesen Austausch dezentral ermöglichen werden) viel erfolgreicher sein muss, als diese zusammengestoppelten, unansehnlichen, benutzerunfreundlichen MySpace-Pages. Denn ganz offensichtlich kommt es hier doch nur darauf an, möglichst viele "Freunde" zu sammeln (Stichwort "Schwanzvergleich") und die eigene Page mit nichtssagenden, Layout-sprengenden Kommentaren vollgerotzt zu bekommen. Ob sich daraus irgendein Mehrwert für den jeweiligen Künstler ergibt (außer vielleicht, die so erhaltenen Kontakte direkt anspammen zu können), wage ich ja zu bezweifeln. Oder spielt sich da etwa hinter den Kulissen ein ernsthafter, reger Austausch zwischen Künstlern und Fans oder gar unter den Musikern selbst ab? Da ich nicht angemeldet bin, kann ich das weder beurteilen noch überprüfen, aber ich wage das zu bezweifeln. Vielmehr wird sich Rupert Murdoch ins Fäustchen lachen ob so vieler Userdaten; denn er hat im Juli letzten Jahres MySpace gekauft.

Rant Ende erstmal. Das war schnell runtergeschrieben. Und jetzt sagt ihr mir mal, ob ich damit richtig oder falsch liege.

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