Die ersten analogen Synthesizer wurden noch mit Lochkarten gesteuert, bald kam eine Klaviatur als Eingabeinstrument hinzu, in den 1970ern wurde die digitale Klangsynthese erschwinglich. Obwohl schwarze und weiße Tasten immer noch die gebräuchlichste Methode zur Ansteuerung von Synthies sein dürfte, experimentierten Hersteller und Musiker immer wieder Alternativen zum klassischen Keyboard. Exemplarisch seien nur die Kaoss Pads von Korg mit ihren Touchpads genannt. Mittlerweile erfreut sich auch Apples iPad zunehmender Beliebtheit als Musikcontroller.
Manchen reichen diese Möglichkeiten allerdings noch nicht aus. Auch wenn sich Synthesizer in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen und stilprägenden Musikinstrument entwickelt haben, wollen viele Künstler mehr und tüfteln bereits an revolutionären Konzepten für die Zukunft. Die musikalische Avantgarde, die vor über fünf Jahrzehnten den Synthesizerfür experimentelle Musik entdeckt hat, nutzt heute die Technologien des 21. Jahrhunderts. Wer sich dafür interessiert, dem sei als erste Anlaufstelle Peter Kirns Blog Create Digital Music empfohlen. Peter hat gerade zum wiederholten Mal über Onyx Ashanti berichtet.
Der Berliner Onyx Ashanti macht nicht nur seine Musik selbst, sondern auch (with a little help from his friends) seine Instrumente. Und er macht alles richtig. Hartnäckig bastelt er seit Jahren sein persönlich angepasstes Musikinstrumentarium, seinen musikalischen Maßanzug. Bewaffnet mit Lötkolben, Carbon-faserverstärktem Kunststoff, Smartphones, Minicomputern und viel Heißkleber erschafft er sich eine Art tragbares, musikalisches Exoskelett. Damit will er letzten Endes seine musikalische Vision des "Beatjazz" realisieren.
In jeder Hand hält er einen Controller, der deutlich mehr Funktionen bietet als etwa eine Wiimote. Über ein Mundstück kann er weitere Signale triggern, weitere Technik hat er an seine Arme oder an den Körper geschnallt. Kaum bewegt Onyx Ashanti Hände und Körper, drückt ein paar Knöpfe auf den Controllern und bedient das Mundstück, ertönt Musik. Die Steuerung der tragbaren Sensoren übernehmen Arduinos, kleine und preiswerte Mikrocontroller, deren Bauplan als Open Source veröffentlicht wurde. Als Entwicklungsumgebung für die Signalverarbeitung der Musik und graphischer Module kommt Pure Data zum Einsatz, ebenfalls eine Open Source-Software. Bereits für die Grundlagen verwendet Onyx Ashanti also weitverbreitete Open Source-Komponenten.
Nun möchte er auch seine Weiterentwicklungen, sprich seine speziell angepasste Musik-Hardware und die eigens geschriebene Linux-Software perfektionieren und als Open Source öffentlich machen. Doch diese "Grundlagenforschung" kostet Geld. Deswegen hat Onyx Ashanti eine Crowdfunding-Kampagne bei IndieGogo gestartet. Bis Donnerstag sammelt er von interessierten Kleininvestoren Beiträge ein, um seine Arbeit zu finanzieren. Bereits mit 5 US-Dollar (ca. 3 Euro zum heutigen Kurs) kann man dabei sein und das Projekt unterstützen. Wie immer beim Crowdfunding bekommen die Investoren aber auch etwas zurück. Das reicht von einer EP über die Software und die Baupläne der Hardware bis hin zu den Instrumenten selbst. Und wer die gesamten 25.000 US-Dollar aufbringt, erhält eine Komplettausstattung und geht mit Onyx Ashanti gemeinsam auf Tour.
Da aber auch viel Kleinvieh Mist macht, summieren sich auch viele kleine Beiträge auf. Auch ich habe schon einen "Perk geclaimt", verrate aber nicht, welchen
Jetzt seid ihr dran, die Kampgane läuft nur noch bis zum 1. Dezember!
Den Auftritt von Onyx Ashanti bei der renommierten TED, wo er seine Musik einem großen Publikum vorstellt, ist hier zu sehen:
Im Juni 2011 trat Onyx Ashanti außerdem im Zuge der Fête de la Musique in Berlin auf der Blogrebellen-Stage auf. Auch davon gibt es ein kurzes Video und sein komplettes Set auf Mixcloud.




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