Ronny vs. die Abmahnmaschine

Geschrieben von Matthias Gutjahr • Donnerstag, 24. Januar 2013

Mein erster Gedanke war: Ronny! Selbst Schuld! Du bist lange genug dabei, um zu wissen, dass früher oder später der Abmahnanwalt vor der Tür stehen wirdkann, wenn Du so viele Bilder und Videos anderer Leute verbloggst. Und Ronny gesteht das ja auch direkt selbst ein. Aber er merkt ebenfalls an, dass es darum eigentlich gar nicht geht. Es geht vielmehr darum, dass so etwas jedem von uns droht; nicht nur uns Bloggern, die wir ständig Bilder publizieren, bei denen wir implizit von einem Einverständnis der Urheber oder zumindest deren Auftraggeber ausgehen.

Das Problem ist nämlich das grassierende Abmahnwesen. Wenn nämlich jeder abgemahnt werden kann, der einfach ein YouTube einbindet, dann haben wir auf einen Schlag mehrere Millionen Internet-Nutzer mit einem Opfer-Abo (Unwortspielkasse? Na gut.). Dann werden sich noch mehr Agenturen, Anwälte und Konzerne auf das perverse Geschäftsmodell der Abmahnung stürzen. Dann wird bald gar nichts mehr geteilt. Dann befinden wir uns plötzlich wieder im Jahr 1993.

Damit es soweit nicht kommt, müssen wir uns wehren. Wir müssen den Lobbyisten und Politikern, die auf dem Status Quo beharren oder noch mehr Einschränkungen einführen wollen, die Stirn und vor allem Alternativen bieten. Die bisherigen, zaghaften Appelle und kleinen Schritte sind ein Anfang, aber nicht mehr. Jetzt haben wir Ronny "gezwungen", seinen Fall vor Gericht durchzustehen. Sorry dafür, aber mit vielen Lesern kommt offenbar viel Verantwortung, und wir stehen das gemeinsam durch. Ein weiterer kleiner Schritt mit hoffentlich gutem Ausgang.

Ich mag eigentlich keine kriegerische Rhetorik, aber in diesem Fall lasse ich mich dazu hinreißen, von einem Kampf an vielen Fronten zu sprechen. Das fängt beim Teilen von Bildern an, geht über Leistungsschutzrecht und GEMA-Vermutung bis hin zu Netzneutralität. Sucht euch ein Feld aus und engagiert euch. Die Problemfelder sind seit Jahren bekannt, aber es bewegt sich einfach zu wenig, und schon gar nicht von selbst. Wenn ihr nicht wisst, was ihr tun sollt, unterstützt Initiativen wie die Digitale Gesellschaft, den AK Zensur oder eine der vielen anderen. Informiert euch. Wehrt euch.

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