Crimson Chilly

Geschrieben von Matthias GutjahrDienstag, 29. Juli 2008

Bin ich käuflich, weil ich jetzt über eine CD blogge, die neulich einfach so im Briefkasten steckte? Bestechlich? Biased? Und wenn schon, ich verpflichte mich hier ja nicht zu objektivem Journalismus, auch wenn ich diesen anderswo sehr schätze. Konkret handelt sich um die Scheibe Crimson Chilly von Marc Ebert auf marcelonemusic. Über die stand vor fast einem Jahr bereits ein Beitrag im KonFerenz-Weblog. Dass mittlerweile so viel Zeit ins Land gegangen ist, muss aber kein schlechtes Zeichen sein. Im Gegenteil, der chillige Sound der vier abwechslungsreichen Tracks überzeugt gerade an lauen Sommerabenden wie heute. Das ist zumindest mal hochwertige Hintergrundmusik, aber genaueres Hinhören lohnt sich. Natürlich ist der Tonträger auch käuflich zu erwerben oder in einschlägigen Downloadshops in digitaler Form erhältlich (ja, ok, 'ne CD ist auch digital). In einen der Tracks könnt ihr dann auch in meiner nächsten Radioshow reinhören, die am 17. August auf dem Soulsender ausgestrahlt werden wird. Chill on!

Das fünfzigste Album auf 12rec.

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 28. Juli 2008

Über das Dortmunder Netlabel 12rec. habe ich schon einige Male gebloggt, weil das engagierte Label von Sven Swift und Sim Sullen immer wieder mit äußerster Stilsicherheit coole Netaudio-Bomben in die ungeduldige Welt raushaut. Etwa von meinen heimlichen Lieblingen Sichtbeton, die mit zwei wunderbaren Releasen vertreten sind. Lunte und V.räter sind auch auf der jüngsten 12rec.-Publikation mit von der Partie.

Album-CoverDenn mit dem mittlerweile fünfzigsten Release unter dem programmatischen Titel So much achieved. So much left to do. feiert sich 12rec. selbst. Hinter 50 Releases in vier Jahren stecken jede Menge ernsthafte Arbeit und noch mehr Spezialkleber, mehr Details verrät dieses Interview im Phlow-Magazine. Auch diesmal gibt es eine mit viel Liebe verpackte Compact Disc käuflich zu erwerben, wer möchte, kann sich die Compilation selbstverfreilich auch downloaden Es lohnt sich in jedem Fall, soviel steht fest. Neben Sichtbeton solltet ihr zumindest mal in die Tracks von Plaistow und adcBicyle reinhören, um einen Eindruck zu bekommen.

Wenn ich gerade etwas mehr Zeit hätte, würde ich einige Tracks in einen Player stecken und hier einbinden; wenn es die Platte schon bei archive.org gäbe, würde ich deren Player nehmen; so müsst ihr eben auf die offizielle Seite surfen oder könnt bei last.fm reinhören, was es bei 12rec. noch so alles zu entdecken gibt. Enjoy!

Tónlist

Geschrieben von Matthias GutjahrFreitag, 25. Juli 2008

Zehn Tage Island haben gerockt. Sowohl Reykjavík als (einziges) urbanes Zentrum der Insel mit viel Hipster Life - Boutiquen, Cafés mit freiem WLAN, Clubs usw. - als auch vor allem die atemberaubende Natur mit ihren Gletschern, Geysiren, Wasserfällen und endlosen Weiten:

Gletscherblick am Skaftafell

Natürlich habe ich mich auch ein wenig nach neuer isländischer Musik umgesehen und umgehört, was erstmal nicht so einfach ist, weil die Isländer sehr darauf bedacht sind, alles in ihrer eigenen Sprache auszudrücken. Musik heißt dementsprechend tónlist. Die scheint aber fast jeder der 316.000 Einwohner zu machen, wenn man bedenkt, wie viele isländische Bands man doch kennt. Neben den international bekannten Acts wie Björk, Sígur Rós, GusGus, den Sugarcubes und vielleicht noch meinen heimlichen Favoriten Múm gibt es auch in Island die übliche Chartsmusik, außerdem viele ganz gute, aber doch auch relativ ähnliche klingende Gitarrenbands, die möglicherweise auch hierzulande bald bekannter werden. Die Isländer vermarkten ihre Musik halt ziemlich gut.

Dennoch fand ich es, vielleicht auch wegen der Sprachbarriere, recht schwierig, Musiker ausfindig zu machen, die hier ins Blog passen würden. Da ich die Beschreibungen eben oft nicht verstehen konnte, musste ich häufig auf die MySpace-Seiten der Künstler zurückgreifen, was prinzipiell auch ok war. Aber eben auch zeitaufwändig, ich wollte ja auch noch was vom Urlaub haben. Dennoch, letztendlich, nach langer Rede hier zwei Tipps ;O)

"Tónlist" vollständig lesen

Weißes Rauschen

Geschrieben von Matthias GutjahrFreitag, 4. Juli 2008

Vor ein paar Tagen habe ich den Feed von wire to the ear von Oliver Chesler abonniert, auf das ich kurz zuvor aufmerksam geworden bin. Schöne Mischung aus Beiträgen rund ums Produzieren von Musik am Computer. Gestern nun hat Oliver kurz über Simply Noise gebloggt, einen Generator von Weißem Rauschen. Aha. Das ist doch sinnlos, oder? Weißes Rauschen (White Noise) empfand ich bisher einfach als störend, wenn es z.B. vom Fernseher abgesondert wird. Ansonsten war das für mich auch nur ein Roman von Don DeLillo.

Dann aber habe ich auf der Seite von Simply Noise gelesen, wozu Weißes Rauschen genutzt werden kann: Zur Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit, als Einschlafhilfe, zur Sicherung der Privatsphäre, um Tinnitus zu überdecken, zur Kalibrierung von Audio-Equipment usw. Daraufhin habe ich in der deutsch- und englischsprachigen Wikipedia etwas weitergeforscht und ein paar zusätzliche Details erfahren. Und jetzt bin ich brennend daran interessiert, noch mehr darüber zu erfahren. Das ging mir vor einem halben Jahr schon so beim Thema "binaurale Beats", über das Mitch Altman beim 24C3 referiert hatte. Sehr abgefahrene Geschichte, diese Psychoakustik.

Kutumba

Geschrieben von Matthias GutjahrMittwoch, 2. Juli 2008

Goldener Tempel in Patan, NepalRuhig geworden war es in letzter Zeit um Nepal, das sich Ende Mai offiziell von der Monarchie verabschiedete und die Republik ausrief. Die Ruhe ist durchaus als positives Zeichen zu sehen, erschütterte doch ein zwölf Jahre währender Bürgerkrieg zwischen aufständischen Maoisten und hinduistischen Monarchisten das Land und forderte viele Tausend Todesopfer. Nun sitzen sieben Parteien im Parlament, der ohnehin unbeliebte König musste abtreten, und die Hoffnung auf friedliches Zusammenleben keimt stärker denn je. Dieser Frieden, so brüchig er auch sein mag, bildet auch eine wichtige Grundlage für kulturelle Aktivitäten im Land.

Ich erzähle das alles, weil ich vor Jahren einige sehr schöne Wochen in Nepal verbrachte und heute bei SoundCloud auf Kutumba gestoßen bin. Wo sich größtenteils elektronische Musikacts tummeln, taucht plötzlich eine nepalesische Band auf, die in den Regalen der Musikläden unter Worldmusic einsortiert würde. Aber warum auch nicht, das Internet ist schließlich für alle da und kann im Sinne der Glokalisierung durchaus zum Erhalt lokaler Identitäten beitragen. Genau diese Bewahrung ist ein Ziel des Folk-Ensembles aus Kathmandu.

Kutumba is a folk instrumental ensemble committed to the celebration, research and preservation of the diversity that exists in indigenous Nepali music. Kutumba firmly believes that the richness in Nepali music is directly significant of the rich diversity that exists in the Nepali people.

Die Bewahrung musikalischer Traditionen in Entwicklungsländer kann eigentlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, oder? Aber genug der großen Worte, ihr könnt ja einfach mal reinhören, vielleicht gefällt es ja. Ich für meinen Teil bekomme gerade riesigen Appetit auf Momos *lechz*

Ach so, wer noch mehr Fotos von Nepal und Kutumba sehen möchte, kann sich im Flickr-Stream der Band umsehen. Mal sehen, ob man irgendwie an eine ihrer CDs rankommen kann, ohne die horrenden Versandkosten aus Nepal zahlen zu müssen - mal abgesehen von der Frage, ob das Päckchen dann überhaupt ankommt.

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Latin-tinted, gleeful Breakbeats

Geschrieben von Matthias GutjahrDienstag, 1. Juli 2008

Es gilt, ein junges Label aus einem kleinen pfälzischen Dorf ins Scheinwerferlicht zu zerren: Galopp-Records aus Kaiserslautern nämlich haben ihre zweite Single herausgebracht. Unter dem Titel Circus bringen uns die beiden Frohlocker, die mir schon häufiger durch ihre exzellenten Mixe den Tag versüßt haben, eine funky Breakbeat-Nummer mit hörbar lateinamerikanischem Einschlag, überraschenden Samples und einer hartnäckigen Hookline.

Die Originalversion ist für sich allein ein schon ein fetter Sommerhit, und auch die beiden Remixe vom Münchner Dusty und vor allem von den Stuttgartern Dublex Inc. (war bei euch nicht mal von einer neuen Platte die Rede?) haben den Groove mit Silberlöffeln gefressen.

Mehr über die Frohlocker und das (Schweins-)Galopp-Label könnt ihr in deren Blog erfahren. Circus gibt es als 12″ im gut sortierten Scheibenhandel oder in digitaler Form bei den einschlägigen Online-Dealern. Ich selbst bin auch erst über den Newsletter von juno.co.uk darauf aufmerksam geworden, dabei liegt das Gute hier mal wieder so nah. Damn!