Philharmonixx live auf dem Barcamp Ruhr 2

Geschrieben von Matthias GutjahrDienstag, 31. März 2009

Am vergangenen Wochenende war ich einmal mehr auf einem Barcamp, diesmal im schönen Unperfekthaus in Essen. Beim ersten Barcamp Ruhr mit dem Themenschwerpunkt Musik und Netlabels im letzten Jahr konnt ich leider nicht anwesend sein, aber diesmal hat es geklappt. Und ganz ohne Musik ist auch dieses Barcamp nicht ausgekommen.

Gruppenfoto der Barcamp-Teilnehmer
(cc) aber nicht aufgenommen von stn1978

Das lag vor allem an den Duisburger Philharmonikern, die seit einiger Zeit eine offensive Web 2.0-Strategie fahren, soll heißen, eine Handvoll Leute kümmert sich mit viel Enthusiasmus darum, dass eine (ganz neue, jüngere) Öffentlichkeit im Internet erreicht wird, die vielleicht bisher mit klassischer Musik wenig am Hut hatte. Dazu werden viele Kanäle bespielt: In eigenen Blogs, über einen YouTube-Channel und HD-Videos bei Vimeo, via Twitter und durch Flickr-Fotos können geneigte User sich ein Bild von der täglichen Arbeit eines der Top-Symphonieorchester Deutschlands und seinen MusikerInnen machen. Und selbstverständlich die Kanäle auch in die andere Richtung nutzen und Feedback geben. Es geht also schlicht und einfach um Kommunikation mit Fans, Freunden und Interessierten.

Die PhilharmonixxWie so häufig haben Musiker eines großen Orchesters nebenher noch kleinere "Liebhaber"-Projekte. In diesem Fall sind es der Schlagzeuger Christoph "Fuchs" Lamberty, der Fagottist Laszlo Kerekes und der Oboist Martin Schie, die ihr ungewöhnlich besetztes Trio Philharmonixx quer durch die Musikgeschichte reiten. Neben Klassik, Jazz und Blues ist auch eine gesunde Prise Humor dabei. Eine willkommene Abwechslung nach all den intensiven Sessons auf dem Barcamp, vorgetragen von tollen Musikern. Und auch eine gute Werbung für die Duisburger Philharmoniker.

Einen Videomitschnitt des Kurzauftritts kann man sich auf YouTube ansehen. Einen kurzen Audio-Ausschnitt des Gigs habe ich selbst mit meinem Zoom H2 mitgeschnitten:

Direktdownload

Loudness Wars Revisited

Geschrieben von Matthias GutjahrDienstag, 24. März 2009

Über den Mangel an Dynamik in aktuellen Musikproduktionen hatte ich vor knapp zwei Jahren schon geschrieben. Toningenieure nutzen die digitalen Möglichkeiten der Kompression bei Aufnahme und Abmischen, um die Musik immer noch lauter klingen zu lassen, was letztlich auf Kosten der Nuancen und damit auch eines Teils der Ausdrucksmöglichkeiten geht. In den vergangenen Jahren hat sich erst zaghaft, dann immer entschiedener Widerstand gegen diese Entwicklung geregt. Nun treten gleich mehrere (Friedens-)Bewegungen an, den Loudness War zu beenden.

Logo zu Turn Me Up!Turn Me Up! will sich dafür einsetzen, dass Musiker zumindest die Wahl haben, ob ihre Platte dynamisch klingt oder einfach nur laut. Fleißig werden Artikel und Pressestimmen zusammengetragen, außerdem kann man sich gemäß den Richtlinien der Organisation zertifizieren lassen und darf dann das Turn Me Up!-Logo auf die Platte usw. kleben.

Die Pleasurize Music Foundation verfolgt ähnliche Ziele. Ein besseres Klangerlebnis für den Kunden soll auch gleichzeitig dessen Bereitschaft erhöhen, für die Musik Geld auszugeben statt sie sich über Tauschbörsen herunterzuladen. Neben diesem Zusammenhang geht diese Kampagne auch darauf ein, dass [n]eun von zehn mit Surround ausgezeichnete Veröffentlichungen … schlechter als der originale Stereomix klängen und somit die Verwendung von Blu-Ray-Discs nicht rechtfertigten. Eine digitale Unterschriftenliste wird ebenso angeboten wie das obligatorische Logo und sogar eine Windows-Applikation zum Messen des Dynamikumfangs.

Das ist alles sehr zu befürworten, denn mir tut es in den Ohren weh, wenn Musik einfach nur undifferenziert laut ist. Aber ich wollte es genauer wissen und hab bei ein paar Stücken aus meiner Sammlung nachgeprüft.

"Loudness Wars Revisited" vollständig lesen

Die Ohrwurm-Maschine

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 19. März 2009
(cc) by CaptPiper

Gestern haben meine lieben Kolleginnen aus Block C den ganzen Tag lang einen Ohrwurm gehabt, aber keine wusste, um welches Lied es sich handelte. Mittlerweile konnte das Rätsel gelöst werden: Es war der Popcorn-Song, eine cheesy Synthie-Nummer aus dem Jahre 1972 von Gershon Kingsley, das mittlerweile aber hundertfach gecovert und anderweitig verwurstet wurde. Ich muss gestehen, dass dieses Meisterwerk in all den Jahren völlig an mir vorbeigegangen ist; ich kenne den Song einfach nicht.

Wer "Popcorn" aber kannte, und das ist das Interessante an dieser Story, war nicht etwa ein findiger Kollege, sondern Midomi. Midomi ist ein soziales Netzwerk, das um eine Kernfunktion herum gebaut wurde, nämlich die Musikerkennung anhand der Stimme des Benutzers, sei es durch Singen oder auch nur Summen. Man benötigt also lediglich ein Mikrofon, singt mindestens 10 Sekunden lang hinein, und erhält dann eine Reihe von mehr oder weniger passenden Vorschlägen.

Ich kann überhaupt nicht singen, starte aber trotzdem einen Selbstversuch und erziele, nun ja, eher durchwachsene Ergebnisse. Erster Song: "Pastime Paradise" von Stevie Wonder, mit dem Hintergedanken, dass im Zweifel auch Coolios "Gangsta's Paradise" erkannt werden könnte. Midomi findet weder das eine noch das andere, sondern etwas anderes: "Amish Paradise" von Weird Al Yankovic" :-) Also eine Parodie auf die beiden vorigen Titel - nicht schlecht. Zweiter Titel: "Cantaloupe Island" von Herbie Hancock sollte ja eine bekannte Melodie sein, aber hier versagt Midomi (oder meine Stimme?) völlig, ich erhalte nur jede Menge asiatische (japanische?) Schriftzeichen und "Californication" von den Chili Peppers. Gut, Midomi kam wohl aus Asien zu uns, daher scheint die Datenbank entsprechen gefüllt zu sein.

Den dritten Versuch lasse ich weg und teste meine beiden Songs auch noch bei der Musipedia, wo die Treffer aber vollkommen daneben liegen. Fast alle Vorschläge kommen aus dem Bereich der Klassik, aber sowohl mein "Gesang" als auch die anderen Melodien sind auch ganz hübsch visuell dargestellt. Die Ergebnisse hängen ganz offensichtlich zu einem Großteil davon ab, welche Muster hinterlegt worden sind. Dennoch: Beim Popcorn-Song hat es gut geklappt, und auch von Stevie Wonder wurde ein Cover gefunden. Mit der Zeit dürften diese intelligenten Musiksuchmaschinen sicher noch besser werden, aber als Partygag taugen sie durchaus schon heute.

Alles InTakt!

Geschrieben von Matthias GutjahrSonntag, 15. März 2009

Ein gleichwertiges zweites Album aufzunehmen, ist oft schwieriger als ein gutes Debut hinzulegen. Einerseits soll das Niveau gehalten, wenn nicht sogar nach oben geschraubt werden, andererseits möchte man bei aller Kontinuität auch Neues ausprobieren und in die Musik einfließen lassen. Die drei Jungs von der KonFerenz meistern dies alles mit bewundernswerter Leichtigkeit und haben vor gut zwei Wochen mit InTakt einen würdigen Nachfolger ihres Erstlings KonTakt veröffentlicht. Der spannende Weg dorthin konnte begleitend im regelmäßig aktualisierten KonFerenz-Blog nachvollzogen werden, wo vor allem Bassist Marc ebenso charmant wie Neugikeiten aus dem Bandalltag präsentiert - sei es vom musikalischen Probeausflug ins dänische Strandhaus, aus dem Studio, oder über musikalische Inspirationsquellen (die legendäre GuteNachtMusik!).

Wer nun eine detaillierte Rezension von InTakt erwartet, den muss ich enttäuschen; eine nachdrückliche Kaufempfehlung muss reichen. Ich bin befangen, weil seit meiner Besprechung des Erstlings KonTakt immer in selbigem mit der Band, sei es auf den vielen Wegen des Internet, sei es im real life. Gerade gestern musste ich auf die offizielle Release-Party verzichten, weil ich es zeitlich einfach nicht geschafft habe - dabei hätte ich alle so gerne wiedergesehen. Ich gehe davon aus, dass ihr richtig schön gefeiert habt?!

So viel sei immerhin gesagt: Der loungige, smoothe, jazzig-groovende Sound hebt sich musikalisch, kompositorisch und klanglich klar vom Einheitsbrei herkömmlicher Chillout-Compilations ab, nicht zuletzt auch wegen der eindrucksvollen Stimme der Sängerin Chinaza. Wer auch mal die Stimmen der anderen Bandmitglieder hören möchte, kann dies etwa im Normcast 132 tun oder in der 515ten Ausgabe von Annik Rubens' Schlaflos in München. Über das Video zur ersten Single habe ich bereits früher gebloggt, es kann hier angesehen werden. Und dann nicht vergessen, das Album zu kaufen: Hier, hier, hier, hier oder überall, wo es gute Musik zu erwerben gibt.

Tags für diesen Artikel: ,
0 Kommentare

Fabchannel hört auf

Geschrieben von Matthias GutjahrFreitag, 6. März 2009

Es ist eine traurige Nachricht für alle Musikfans, die von Fabchannel in schöner Regelmäßigkeit mit wunderbar aufgenommenen Live-Konzerten per Intenet-Stream versorgt wurden: Fabchannel zieht die Reißleine und stellt den Betrieb ein. Bereits für heute Abend war das letzte Live-Konzert angesetzt, danach ist Schluss.

Laut SpOn gelten die Rechte für die Aufnahmen nur für das Label Fabchannel, so dass die rund 1.000 Konzertmitschnitte "posthum" auch nicht anderweitig verwendet werden dürfen. Als Schuldige hat das Online-Magazin insbesondere die Konzenzentralen der großen Musikunternehmen (mit Ausnahme von Universal) ausgemacht, die eine Zusammenarbeit mit Fabchannel kategorisch ablehnten. Der erhoffte Besucherzuwachs durch zugkräftige internationale Stars konnte daher nicht erreicht werden. Dazu kam laut der offiziellen Mitteilung im Fabchannel-Blog die Krise der Werbebranche, die Werbe- und Sponsoringeinnahmen deutlich zurückgehen ließ.

So schade das auch alles ist, poste ich jetzt doch das Video zum Konzert von Alice Russell am 30. November 2008 im Amsterdamer Paradiso. Da sich alle meine Festival-Pläne für diesen Sommer gerade wieder in nichts auflösen, bleibt das vermutlich auch in diesem Jahr die einzige Möglichkeit, Alice live zu sehen :-( Bin gespannt, wann der Live-Mitschnitt nicht mehr verfügbar ist.

Tags für diesen Artikel: ,
4 Kommentare

Kutiman mixes YouTube

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 5. März 2009

Erst heute habe ich mir die Zeit genommen, alle acht Tracks durchzuhören und -zusehen, die der kreative israelische Funkster Kutiman aus unzähligen YouTube-Videos zusammengesamplet hat. Dass Musik Kutimans Welt regiert, sollte allerspätestens jetzt jedem klar sein. Der Mann muss Wochen vor YouTube verbracht haben, und mindestens genauso lang, um die vielen Schnipsel zum großen Ganzen zusammenzufügen. Und was dabei herausgekommen ist, hat so wahnsinnig viel Funk und Wucht und Groove und Power: aber seht selbst (wenn die Seite mal gerade nicht überlastet ist). [via djmq, blog.rebellen und vielen anderen bei Twitter]

Hier nochmal der Link, um den es geht - für alle, die ihn oben übersehen haben ;-)

Update: Wegen ständiger Überlastung der Seite hat Kutiman hier eine Alternative angeboten.

Tags für diesen Artikel: ,
0 Kommentare