Cajus und Sepalot im Sudan

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 27. April 2009
Cajus, Abbass Anoor und der Rest der Crew
© Koviljka Pajcin

Vor knapp vier Monaten verbrachte ich einige wunderbare Tage im Sudan und genoss mitten im Dezember die 35°C, während hierzulande vermutlich alle gefroren haben. Ich hielt mich hauptsächlich in der Hauptstadt Khartoum, die als die heißeste Haupstadt der Welt gilt, feierte aber auch mitten in der sudanesischen Wüste ins neue Jahre hinein, was sehr beeindruckend war. In meiner Radioshow im Februar habe ich dann jede Menge sudanesische Musik gespielt, obwohl es recht schwierig war, an aktuelle Sachen ranzukommen. Und Abbass Anoor kannte ich damals noch gar nicht. Jetzt bin ich auf ihn gestoßen, weil im Rahmen eines vom Goethe-Institut veranstalteten Symposiums die beiden Blumentöpfe Cajus und Sepalot auf hiphop-kultureller Mission ebenfalls die sudanesische Haupstadt besucht und mit Abbass und einigen weiteren sudanesischen und französischen Rappern einen Workshop veranstaltet und auch vor Publikum etwas gejammt haben. Darüber haben die beiden im Blumentopf-Blog "Topfhits" berichtet (Teil 1, 2) und auch ein Video von Abbass eingebunden.

Ich war natürlich gleich begeistert, weil ich bisher nur Emmanuel Jal als sudanesischen Rapper kannte - und der lebt schon seit längerem im Ausland. Und ich habe keine Mühen gescheut und meine Kontakte spielen lassen, um ein exklusives Foto vom Konzert zu organisieren (Thanks for the pic, Koviljka!). War bestimmt eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten. Sudan unterliegt ja einem Teilembargo durch den Westen und ist ein ständiger politischer Unruheherd - ich will euch jetzt nicht mit Details langweilen. Das Goethe-Institut, dessen Aufgabe ja unter anderem ist, internationalen kulturellen Austausch zu pflegen, lädt dankenswerterweise immer wieder deutsche Künstler in Länder ein, in denen Kultur nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich ist. Hans Nieswandt hat dies in seinem Buch Disko Ramallah am Beispiel des Nahen Ostes sehr anschaulich beschrieben. Und mir als jemandem, der ebenfalls gern solche Länder besucht, gefällt sowas naturgemäß. Wenn es mir jetzt noch gelingt, die Platte von Abbass aufzutreiben …

Ligx - Baltic Soul Weekender live

Geschrieben von Matthias GutjahrFreitag, 24. April 2009

Nach dem traurigen Ende von Fabchannel stand ja zu befürchten, dass es live gestreamte Konzerte so bald nicht mehr geben wird, weil das Geschäftsmodell einfach nicht genug abwirft. Wie andere Pessimisten vielleicht auch musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Spätestens seit letzter Woche, als das grandiose Konzert von Raphael Saadiq von livedome live aus dem Kölner Gloria übertragen wurde, weiß ich, das es auch noch andere Anbieter gibt. Ein weiterer Dienst ist Ligx (komischer Name übrigens; soll der ausgesprochen werden wie Licks?). Das Konzert bei livedome wurde sehr professionell aus abwechslungsreichen Kameraperspektiven übertragen, der Sound war gut, die Stimmung wurde hervorragend wiedergegeben - all das machte meinen Ärger, nicht wirklich live dabei gewesen zu sein, so ziemlich vergessen.

Die zielsichere Auswahl der Konzerte sowohl bei livedome als auch bei Ligx zeugt by the way von erlesenem Geschmack. Unter den nächsten Livestreams bei Ligx finden sich Perlen wie AYWKUBTTOD, Tiger Lou, Andrew Bird, und der dritte Baltic Soul Weekender. Letzterer findet dieses Wochenende statt. Die Chancen, dass gerade jetzt gestreamt wird, sind also relativ hoch ;-) Wenn ihr über kommende Gigs auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert ihr am besten den RSS-Event-Feed von Ligx. Natürlich gibt es auch ein Ligx-Blog, es wird getwittert undsoweiter. Aber im Endeffekt ist am Wichtigsten der Videostream. Falls der bei euch nicht laufen sollte (so wie bei mir letzte Woche), müsst ihr etwas auf der Seite suchen; ich habe irgendwo, wo weiß ich leider nicht mehr genau, einen alternativen MMS-Link gefunden, der bei mir funktioniert hat - und das unter Linux! Update: Sorry, ich glaube, das mit dem alternativen Link war bei livedome.

Update 2: Ich habe mittlerweile herausgefunden, wie ich den Player von Ligx bei mir einbetten kann. Voilà, hier der Stream zum Baltic Soul Weekender:

NUM Radioshow #006

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 20. April 2009

New Urban Music Radioshow #006 : 19. April 2009, 22:00 Uhr

  1. Kutiman - The Mother Of All Funk Chords [Thru You]
  2. Mulatu Astatke & The Heliocentrics - Live From Tigre Lounge [Strut Records]
  3. Jimi Tenor & Kabu Kabu - Mogadishu Ave [Sähkö Recordings]
  4. Anthony Joseph & The Spasm Band - Véro (feat. Keziah Jones) [Naïve]
  5. The Fantastics! - Stay Hip (or Die Trying) [Freestyle]
  6. Lefties Soul Connection - Here Come The Girls (feat. Flomega) [Melting Pot Music]
  7. Nicole Willis And The Soul Investigators - If This Ain't Love (Don't Know What Is) [Timmion]
  8. De-Phazz & The Radio Bigband Frankfurt - Preachin' To The Choir [Phazz-A-Delic]
  9. Blessed House - Debt Collector [Budabeats]
  10. N.A.S.A. - Gifted (feat. Kanye West, Santogold & Lykke Li) [Anti-]
  11. The Whitest Boy Alive - Courage [Bubbles]
  12. Sebastien Tellier - Kilometer (A-Trak Dub) [Record Makers]
  13. Professor Kliq - Plastic and Flashing Lights [Cologne Commons]
  14. Wipe The Needle - I Made It (Vocal Version feat. Aaron Phiri) [Raw Fusion]
  15. The Detroit Experiment - Think Twice (Henrik Schwarz Remix) [Juno Records]
  16. IG Culture - B Free [Freedom School]
  17. Phlash & Friends - Look At What We've Don (feat. Fyza) [Archive]
  18. Martyn - right?star! [3024]
  19. Kode9 - 2 Far Gone [Hyperdub]
  20. N.A.S.A. - Way Down (feat. RZA, Barbie Hatch & John Frusciante) [Anti-]
  21. Dorian Concept - Mesh Beam Splitter [Kindred Spirits]
  22. Tom Schlüter - Urban Guardians [Off Town Music]
  23. KonFerenz - InTakt [Jubilee]
  24. Hotel Bossa Nova - a-Oud [HOMEfamily]
  25. Homelife - April Sunshine [Ninja Tune]
  26. Esperanza Spalding - Espera [Heads Up]
  27. Mulatu Astatke - Yègellé Tezeta [Buda Musique]

Spotify

Geschrieben von Matthias GutjahrSamstag, 18. April 2009

Spotify wurde, als es im Oktober letzten Jahres der nach neuen Konzepten der Musikbeschaffung dürstenden Internetgemeinde vorgestellt wurde, in höchsten Tönen gelobt. Spotify sei nämlich Musikhören der somit begonnen habenden Zukunft. In diese Zukunft gelangt man relativ einfach: Nach der Anmeldung auf der Webseite von Spotify lädt man sich die kostenlose Software herunter, loggt sich ein - und fängt an, Musik zu hören. Und zwar einfach so per Mausklick und so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Die Auswahl ist schon relativ groß und wächst beständig, und die Geschichte ist auch vollkommen legal, weil die Musiklabels selbst ihre Songs und Alben zur Verfügung stellen. Finanziert wird der Spaß entweder über Werbeeinblendungen oder, bisher einzig mögliches Angebot in Deutschland, über ein Abomodell (9,99 € im Monat oder 99 € im Jahr). Für dieses Musik-Abo habe ich mich vor kurzem entschieden und bereue bislang nichts.

Die Programmoberfläche von Spotify (Windows-Version unter WINE)

Ich empfand es gleich zu Anfang als sehr angenehm, das ich nur eine Band eintippen musste und dann mit wenigen Klicks sofort loshören konnte. Ein paar ausgefallenere, speziell neuere Titel und Alben habe ich nicht finden können; nunja, niemand kann wirklich alles haben. Aber Auswahl ist eben auch nicht alles, Qualität und Bedienungsfreundlichkeit müssen schließlich auch stimmen. Und diesbezüglich gibt es wenig zu meckern. Die Software selbst ist aufgeräumt, funktional gestaltet und auch ganz nett anzusehen. Einige Features sollte Spotify aber dennoch nachschieben: So ist es beispielsweise noch nicht möglich, nach bestimmten Labels zu suchen, und auch das Managen der Wiedergabeliste ist nicht wirklich intuitiv. Die Webseite selbst bietet kaum Funktionen, aber es prangt ja auch noch ein fettes "Beta" darauf. Die Soundqualität empfinde ich nach den ersten Eindrücken als ausreichend gut. Laut Spotify FAQ handelt es sich bei den Dateien um Ogg Vorbis auf Qualitätsstufe 5, was für gestreamte Musik meiner Meinung nach mehr als akzeptabel ist. Apropos Streaming: Spotify nutzt ein P2P-Modell, was bedeutet, dass jeder Spotify-Benutzer gleichzeitig auch als Server für andere Nutzer fungiert.

Spotify stellt eine Anleitung zur Installation des Windows-Clients unter WINE zur Verfügung, und das Programm ließ sich bei mir auch problemlos installieren. Die Wiedergabe läuft nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile schnell, reibungslos und ohne Aussetzer. Wie ich über Twitter bzw. Jabber erfahren habe, gibt es immerhin schon einen inoffiziellen Kommandozeilen-Client für Linux namens despotify; und es bastelt auch schon jemand an einem Spotify-Client für Googles Android-Betriebssystem. Außerdem hat Spotifiy vor kurzem eine Entwickler-Bibliothek nebst API veröffentlicht. Ist also alles nur noch eine Frage der Zeit (erwähnte ich schon, dass ich Open Source liebe?) :-)

Neben den offiziellen Angeboten hat sich schnell ein Mikrokosmos aus Blogs, Communities und Drittanbietern gebildet. Da wäre etwa dieses Mashup aus Spotify und last.fm, das mir anhand meines last.fm-verbrieften Musikgeschmacks neue Alben auf Spotify empfiehlt. In der Kundensupport-Community Get Satisfaction wird von und mit Nutzern über Probleme diskutiert und über neue Features abgestimmt. Ein Erfolg davon war, dass Spotify mittlerweile die gespielten Titel an last.fm scrobblet. Und The Pansentient League ist ein sehr ausführliches Blog über alles, was Spotify betrifft.

So zeigt last.fm die über Spotify gehörten Titel an.

Ich werde mich in der Spotify-Welt nun schön gemütlich einrichten, weiter die Möglichkeiten der Software ausloten und ansonsten der Dinge harren, die da in nächster Zeit kommen. Und selbstverständlich Musik über Spotify hören. Denn das ist ja wohl das Wichtigste.

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Pharoahe Monch & Black Milk

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 13. April 2009

Spät am Samstag Abend, nach dem Geburtstagskegeln, noch durch Köln gezogen und spontan im Luxor hängengeblieben. Dort live: Pharoahe Monch und Black Milk, wobei zur vorgerückten Stunde hauptsächlich Monch am Start war, Black Milk war wohl schon zuvor dran. Trotzdem war das eins der mitreißendsten Konzerte in letzter Zeit, der Mann ist einfach nur brillant. Und auch das DJ-Set von Boogieblind im Anschluss war top, jede Menge Klassiker der alten Schule, dazu freestylte immer wieder jemand auf der Bühne. Interessant auch, dass nicht nur im Publikum die Handys filmten und fotografierten, sondern dass auch auf der Bühne ständig eine Cam lief und offenbar einige der Beteiligten absolute Twitter-Addicts sind (und ihren Spaß hatten!) ;-)

Tonematrix

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 6. April 2009

Screenshot der Tonematrix in ActionAndré Michelle (einer der Köpfe hinter dem Hobnox Audiotool) hat ein weiteres Musikinstrument aus seinem Labor entlassen: die Tonematrix. Damit lassen sich wunderbar spielerisch federleichte, sphärische Melodien erzeugen, die einen stundenlang an den Computer fesseln können. Sozusagen und vermutlich, da ich noch nie eins in der Hand hielt, die Online-Version des Tenori-on. Mehr Worte will ich dazu gar nicht verlieren, probiert es einfach aus. (via KonFerenz)

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