Ein Lied geht um die Welt

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 19. November 2009
Ein Lied geht um die Welt: Wir wollen helfen, helfen Sie mit

Die charmanten Chansonniers Viktor Vaudeville & Les 3roberts rufen ab heute, dem 19.11.2009, zu einer Spendenaktion zugunsten des Kinder-Hospiz Sternenbrücke in Hamburg auf. Sie bitten dabei nicht nur um Spenden, sondern geben dafür auch etwas: ein Chanson von Viktor - in der Originalfassung sowie neu arrangiert und remixed von fantastischen Musikern.

Aber damit noch nicht genug: Der Song steht unter einer Creative Commons-Lizenz, darf also kostenlos heruntergeladen

Direktdownload

und gern auch weiterbearbeitet, neu arrangiert und geremixed werden. Sogar die einzelnen Tonspuren des Lieds, das um die Welt geht, stehen frei zur Verfügung.

Dafür, dass die Spenden auch vollständig beim Kinder-Hospiz ankommen, sorgt übrigens die Spendenplattform betterplace.org. Eure Spende ab 1 Euro könnt ihr hier abgeben oder ihr klickt auf das Widget hier links, weitere Infos findet ihr auch auf der Webseite zur Spendenaktion und in der zugehörigen Facebook-Gruppe. Das Lied geht noch bis zum 24.12. um die Welt und trägt hoffentlich zum Erfolg der Spendensammlung bei. Wer möchte, darf auch gern drüber bloggen, twittern oder sonstwie auf die Aktion hinweisen, so wie es auch die geschätzten Kollegen getan haben. Und spenden bitte nicht vergessen!

Goodbye Domu!

Geschrieben von Matthias GutjahrSonntag, 15. November 2009

Domu. Nur einer von vielen Namen, unter denen Dominic Stanton großartige Musik machte. Domu war ein Urgestein der Broken Beat-/Urban Dance-Szene, eine wichtige treibende Kraft weit über das Genre hinaus. Und nun hat Domu keine Lust mehr, keine Energie mehr für den täglichen, harten Kampf im Musikbusiness. Das Business, das seine Liebe zur Musik vielleicht nicht zerstört, es ihm aber offenbar unmöglich gemacht hat, weiter Musik zu produzieren, zu remixen, Platten aufzulegen. Sein Einfluss ist unbestritten, man muss sich bloß einmal seine Diskographie ansehen, um zu erkennen, was der Musik verloren geht.

So tragisch dieser Moment auch sein mag, so unterschiedlich die Reaktionen im Blog seines Labels TrebleO, auf Twitter und in zahlreichen Blogs ausfallen mögen, eins finde ich bemerkenswert: Domu hat den Mut bewiesen, sich zurückzuziehen, auf einen Neuanfang zu setzen und seine Gründe dafür öffentlich darzulegen. Es ist seine freie Entscheidung, und ich bin der festen Überzeugung, die richtige Entscheidung. Wer von uns hat denn den Mumm, nach zehn Jahren harter Arbeit den immergleichen Trott zu durchbrechen und etwas völlig Neues zu wagen? Ich möchte hier keine Parallelen zum unendlich viel tragischeren Fall Enke ziehen, denn Mr. Stanton sucht sich einfach nur einen neuen Job. Aber der Vergleich drängt sich mir in den Hinterkopf. Deswegen sollte man Domus Entscheidung respektieren und im alles Gute für die Zukunft wünschen; aber man sollte nicht versuchen, ihn mit aller Macht dazu zu überreden zu wollen, um jeden Preis weiterzumachen. Die Liebe zur Musik stirbt nicht so leicht, und wenn es an der Zeit ist, wird Domu sie auch wieder spüren - auf diesen Moment freue ich mich schon jetzt! Darum schleicht sich in die graue Tristesse auch langsam ein bisschen Optimismus ein, und in dieser eigenartigen Stimmung möchte ich noch einen wunderbaren Domu-Mix von 2006 mit dem passenden Titel "When I'm feeling down" verlinken:

Direktdownload

. Thanks for it all, Domu!

Tags für diesen Artikel: ,
1 Kommentare

The Stalker

Geschrieben von Matthias GutjahrFreitag, 13. November 2009

Ich komme mir verfolgt vor. Dieser Typ, dieser Stalker vom Hip Hop Culture-Blog aus Wiesbaden, dieser Boris Mayer eben, der taucht überall dort im Internet auf, wo ich kurz vorher auch war. Bei jedem Service, sei es Twitter, laut.fm, Soundcloud, meldet er sich auch an. Nicht, dass ich das an sich schlecht finden würde, das sind ja alles tolle Dienste. Aber er scheint sich immer genau die rauszusuchen, wo ich schon bin. Ich finde, er sollte sich lieber auf das konzentrieren, was er kann. Nämlich freshe Hip Hop-Tunes zu präsentieren, am besten im Radio. Seine Sendung Hip Hop Culture läuft schon seit über 11 - in Worten: elf! - Jahren auf Radio Rheinwelle in Wiesbaden und Mainz. Sogar im Internet kann man den Stream anhören. Und es gibt noch die Station bei laut.fm:

Ach, noch was: Ich könnte wetten, demnächst ist Boris auch noch auf Facebook unterwegs. Ich sage, dann nur: "War ja klar …" ;-)

JazzNotJazz Festival 2009

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 9. November 2009
Boozoo Bajou

Was vor zwei Jahren zum ersten Mal im Frankfurter Mousonturm über die Bühne ging, wurde am vergangenen Samstag mit Erfolg wiederholt: Das JazzNotJazz-Festival, initiiert von INFRACom!s Jan Hagenkötter und DJ-Hansdampf Michael Rütten. Während sich das Programm bei der Premiere über zwei Tage streckte, standen diesmal an nur einem Abend drei Acts auf der großen Bühne der ehemaligen Seifenfabrik. Aufgelockert wurde das Festival zudem durch die phänomenalen JazzCoTech Dancers aus London und den Ausklang mit DJ-Sets der Veranstalter.

JazzCoTech

Eröffnet wurde der Abend von Boozoo Bajou, dem Nürnberger Downbeat-Produzenten-Duo, das seine Musik nun aber in großer Besetzung als vielköpfige Liveband präsentierte. Das ist gerade Trend (vgl. Jazzanova, Sonar Kollektiv Orchester usw.) und funktionierte nicht nur bei den neuen Songs vom aktuellen Album Grains ganz prächtig, weil die Arrangements auch toll auf den entspannten Sound abgestimmt waren. Der Versuch der Stuttgarter Dublex Inc., ebenfalls mit Band aufzutreten, war hingegen nur zeitweise erfolgreich. Zu rockig, mit weniger Funk als sie verdient gehabt hätten kamen die Songs teilweise rüber; möglicherweise war das genauso gewollt. Mich haben aber besonders die JazzCoTech Dancers fasziniert, vier britische Urban Street Fusion Jazz Dancer, die sich ihre Moves als Autodidakten beigebracht haben. Im Vereinigten Königreich finden regelmäßig sogar Contests statt, aber die Geschichte ist auch eine rein britische. Umso schöner, die Jungs auch mal in Deutschland zu sehen.

Alice Russell

Endlich kam ich am Samstag zudem in den Genuss, einem Konzert von Alice Russell beiwohnen zu dürfen, was mir vor zwei Jahren leider wegen Zeitmangels verwehrt geblieben war. Live ist Alice einfach sensationell gut, daher ließ das Publikum sie auch erst nach zwei Zugaben gehen. Neben vielen Songs ihres neuen Albums Pot Of Gold spielte sie auch viele ihrer älteren Hits wie "Fly In The Hand", "Hurry On Now" sowie ihre Covers von "Seven Nation Army" und "Crazy". Absolut fantastisch. Morgen Abend tritt sie übrigens in Münster auf, am Mittwoch in Berlin, nicht verpassen!

Das JazzNotJazz Festival 2009 war eine rundum gelungene Sache, auch wenn das kurzfristig anberaumte Twitterer- bzw. Last.fm-User-Treffen an der Bar nicht so recht funktioniert hat (beim nächsten Mal klappt es!). Immerhin habe ich mich nett mit dem Kollegen Jazzmadass unterhalten - ein Real Life-Treffen war schon lange überfällig ;-) Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Festival. Bis dahin werde ich sicher noch das ein oder andere Konzert im Sinkkasten besuchen, bloß Tony Allen am Donnerstag schaffe ich leider nicht ....

Truffaz, Singh, Murcof bei Enjoy Jazz 2009

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 5. November 2009

Nun habe ich es also doch noch hinbekommen und war bei einem Konzert des diesjährigen Enjoy Jazz-Festivals im Heidelberger Karlstorbahnhof. Der französische Trompeter Erik Truffaz war wieder einmal zu Gast und hatte mit Talvin Singh an den Tablas und Murcof am Laptop zwei kongeniale Mitmusiker dabei. Was nach einer etwas gewagten Besetzung aussieht, funktionierte auf der Bühne allerdings sehr gut. Hintergrund dieses französisch-indisch-mexikanischen Trios sind die drei EPs, die Truffaz im letzten Jahr auf Blue Note Records (das übrigens gerade auf dem Jazzfest Berlin gebührend gefeiert wird) veröffentlicht hat: Benares, entstanden unter dem Eindruck von Kalkuttas Geräuschkulisse, Mexico, damals schon zusammen mit Murcof aufgenommen, und schließlich Paris. Das indische und das mexikanische Projekt hat Truffaz nun verschmolzen und damit einen musikalischen Bogen um die halbe Weltkugel gespannt.

Ein wenig skeptisch war ich schon, sind mir die Soundflächen von Truffaz' Trompetenspiel mitunter zu sphärisch und daher schnell langweilig. Meine Zweifel waren aber spätestens zerstreut, als Talvin Singh seinen Platz einnahm und die dringend benötigten perkussiven Elemente beisteuerte. Ein Fan seiner vielfältigen Experimente bin ich schon seit langem, und er ließ auch gestern nichts an Spielfreude vermissen. Die Fusion der unterschiedlichen musikalischen Einflüsse funktionierte prächtig, Musiker und Publikum hatten sichtlich Spaß und groovten spätestens beim Eintauchen in dubbig blubbernde Rhythmen gut mit. Ein schöner Abend, die Fahrt in die Kurpfalz hatte sich mal wieder gelohnt. Vor der Heimfahrt stärkte ich mich übrigens noch - in guter Tradition - mit einem Heidelburger ;-)

PS: Den Jazzblogger hab ich leider nicht getroffen, aber ich weiß, dass er sich ausgiebig mit Erik Truffaz unterhalten hat und demnächst auch drüber bloggen wird. Da gibt's dann bestimmt auch das eine oder andere leckere Foto. Augen offen halten!