Jeder Song eine App

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 30. Juni 2011

Screenshot eines Songpier-Demos

Die "App" ist ein Phänomen des Smartphone-Zeitalters. Zu Hunderttausenden können "Apps" aus den Shops von Apple, Google, Nokia, Amazon und anderen heruntergeladen werden. Die meisten dieser Miniprogramme für Mobiltelefone erledigen dabei nur eine einzige, sehr spezielle Mini-Aufgabe. Es gibt Apps für fast jeden erdenklichen Zweck. Dass es diese Spezialisierung und Fragmentierung von Software natürlich schon vor den mobilen Anwendungen gab - sei's drum.

Gerade entdecken auch Musiker und die Musikindustrie die App für sich. Waren bislang gekaufte Klingeltöne der Renner auf vielen Handies, sollen sie langsam von Apps abgelöst werden. Von vielen kleinen Musikapps, eine App pro Song. Das ist die Vision hinter Songpier, einem deutschen Startup aus der Nähe von München, das sich momentan noch in der Betaphase befindet. Auf dem Future Music Camp in Mannheim wurde Songpier vorgestellt, in drei Schritten können Musiker ihre App (eine so genannte Webapp, die auf den meisten Phones laufen soll) erstellen. Zusätzlich zur Musik lassen sich Songlyrics oder Visualisierungen anzeigen und Freunde in Sozialen Netzwerken benachrichtigen.

Und auch Björk, die Großmutter aller isländischen Musikelfen, wird ihr nächstes Album "Biophilia" als Sammlung von Apps veröffentlichen. In einer virtuellen 3D-Galaxie sollen die einzelnen Musikstück-Apps um das Album-Gestirn kreisen und mit Zusatzfeatures wie Lyrics, Visualisierungen, Remix-Tools und Game-Elementen aufwarten. Hört sich ziemlich aufwändig an und dürfte auch entsprechende Produktionskosten haben, ist also nur etwas für Megastars.

Aber diese Apps scheinen Trends zu bestätigen: Zum einen wird am Download einzelner Songs mehr verdient als über komplette Alben, gerade auf mobilen Endgeräten; Speicherplatz und Bandbreite spielen dabei sicher auch eine Rolle. Zum anderen verlagert sich Musik momentan in Richtung Cloud, und Apps weisen ja ebenfalls das Merkmal auf, dass sie - einmal gekauft - immer wieder nachinstalliert werden können. Die weitere Entwicklung sollte bereits in den kommenden Monaten mehr Aufschluss darüber geben, wie die Single-Song-Apps angenommen werden.

"Songcover" zu Björks Crystalline

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Fat Freddy's Drop in Offenbach

Geschrieben von Matthias GutjahrMittwoch, 29. Juni 2011
Schnappschuss vom Konzert
Fat Freddy's Drop in Offenbach - kurz vor der Zugabe "Wandering Eye"

Am Montag Abend lieferten Fat Freddy's Drop im Capitol in Offenbach einen über zweieinhalbstündigen Powergig ab, und das bei hochsommerlichen Temperaturen draußen und vor allem in der brodelnden Zuschauermenge. Die Neuseeländer erwiesen sich - wie schon vor sechs Jahren - als brillante Musiker und Entertainer. Und das Publikum war so euphorisch, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Konzerte der Kiwis sind hierzulande ja rar, daher dürften viele Fans auch eine weitere Anreise auf sich genommen haben. Die Textsicherheit, mit der fast jedes Stück mitgesungen wurde, lässt mich auf viele Hardcore-Anhänger schließen. Leider begann das Konzert dermaßen pünktlich, dass ich die erste Viertelstunde verpasste; der Rest entschädigte aber voll und ganz. Eingerahmt vom FFD-typischen Dub-Reggae-Sound spielte sich auf der Bühne zeitweilig purer Funk ab, abgerundet von der genialen Stimme Joe Dukies.

Ich hatte so einige Gänsehautmomente, vor allem bei einigen Stücken von "Based On A True Story", die aber sowas von fett rüberkamen. Und mein Blog-Untertitel ist ja nicht von ungefähr dem Song "Roady" entnommen:

Even if you don't like us you'll just do it for the love of music!

Für alle, die nicht dabei waren: Fat Freddy's Drop haben ihr komplettes letztjähriges Konzert in der Kölner Live Music Hall auf Soundcloud hochgeladen. Auch hier über zwei Stunden Musik wie ein warmer Schokoladenkuchen:

Laidback Compilation finanziert

Geschrieben von Matthias GutjahrSonntag, 26. Juni 2011

Foto vom T-Shirt und der CD

Erinnert sich noch jemand an die Laidback Compilation, über deren Finanzierung per Crowdfunding ich im Mai geschrieben habe? Das Projekt konnte mittlerweile realisiert werden, auch wenn die angepeilte Marke nicht ganz erreicht wurde. Gestern erreichte mich ein Päckchen aus Belgien, dessen Inhalt ihr oben auf dem Foto bewundern könnt ;-)

Neben dem Sampler gab es für mich noch ein schickes T-Shirt und ein paar Stickers und Buttons. Das Shirt kann ich bald stolz auf dem Worldwide Festival herumtragen, die Compilation läuft schon in Dauerrotation, zwei Tracks daraus habe ich am Freitag in meiner Radioshow gespielt. Die gibt's demnächst zum Nachhören.

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NUM Radioshow #018 am Freitag Abend

Geschrieben von Matthias GutjahrMittwoch, 22. Juni 2011

Heiliger Rasen mit Text New Urban Music Radioshow #18

Es ist schon wieder so weit: Ihr könnt mich und ein bisschen Musik, die ich rausgesucht habe, im Radio aka Audiostream hören. Wie immer auf Soulsender.de, wie immer am Freitag Abend (24.06.2011) von 19-21 Uhr. Wahrscheinlich wird es auch wieder einen Chat zur Sendung geben, wenn ich es bis dahin schaffe, einen zu organisieren .. Link wird dann nachgereicht ;-) Am besten, ihr folgt den Infos auf Facebook. Und das erwartet euch:

Die New Urban Music Radioshow ist eine Welt-Musik-Sendung im besten Sinne. Künstler aus Neuseeland, Griechenland, Belgien, Frankreich, Israel, Kenia, Nigeria, den USA, Norwegen, Dänemark, England und Deutschland sind diesmal in der Sendung dabei und interpretieren auf ihre jeweils ganz eigenen Weise die globale Sprache Musik. Soul, Funk, Jazz und Hip Hop sind die Roots, erlaubt ist alles von elektronischen Synthie-Beats bis zu gesampleten Video-Ausschnitten, von Akustikgitarre bis MPC 2000. Bossa Nova meets Afrobeat meets Dubstep meets Hip Hop meets Nujazz meets Soul. Zumeist aus der ersten Hälfte von 2011, also frisch auf den Tisch.

Update: Während der Sendung läuft hier der Chat.

A Wha' Him Deh Pon?

Geschrieben von Matthias GutjahrMontag, 20. Juni 2011

Plattencover in voller Pracht

Wie bereits angekündigt, hat Dego seit heute sein Debut-Album am Start: "A Wha' Him Deh Pon?" heißt es, und die de:bug erklärt uns freundlicherweise, was das bedeutet. Erschienen ist die Platte natürlich auf dem eigenen Label 2000black. Zu kaufen ist die Downloadversion in verschiedenen Qualitäten (MP3 mit 320 kbit/s und besser!) für schlappe 6,30 Euro - nach dem aktuellen Umrechnungskurs.

Dafür gibt es glatte zwanzig Tracks mit jeder Menge hochkarätiger Features. Taylor McFerrin, Georgia Ann Muldrow, Sharlen Hector oder Kaidi Tatham sind neben einigen anderen mit dabei. Es fehlt fast zwangsläufig Marc Mac, mit dem Dego als 4hero epochale Werke wie Two Pages und Play With The Changes produziert hat.

"A Wha' Him Deh Pon?" bedient sich ausgiebig bei alten Keyboardsounds und Synthies, die von Michael Jackson geprägten Achtziger Jahre klingen deutlich durch (z.B. "Love And Hate" feat. Obenewa), ansonsten werden Electro-Funk und Future-Soul zelebriert. Ab und zu klingt der Drum'n'Bass des frühen Dego an, wird dann aber von jazzigen Sounds beiseite geschoben - eine Entwicklung, die Degos Musik der letzten 15 Jahre aufgreift.

Hochkomplexe, vertrackte Strukturen wie bei einigen jüngeren Künstlern sind nicht Degos Ding, er treibt den Groove meistens straightforward voran - Musik für Herz und Beine, weniger für den Kopf, aber trotzdem vielschichtig. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und bei aller Liebe für Vintage kommt die Soulfulness nicht zu kurz. "A Wha' Him Deh Pon?" dürfte sich mit jedem Hören mehr ins Herz spielen. Eine der Platten des Sommers, auch wenn von dem weit und breit nichts zu sehen ist.

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Wheels Of Steel - Zwei 1210er im Browser

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 16. Juni 2011

Screenshot der Wheels of Steel

Die Reihe der neuen, coolen und vor allem browserbasierten Musiktools reißt nicht ab. Neuester Vertreter: Wheels of Steel. Zwei 1210er Turntables, ein DJ-Mixer mit Crossfader - also ein klassisches DJ-Setup. Allerdings befindet sich dieses DJ-Pult in eurem Browser (sofern er modern genug ist, vermute ich; also FF4, Chrome, Safari). Nachdem Technics die Produktion der legendären Plattenspieler leider eingestellt hat, war ein digitaler, virtueller Nachbau eigentlich überfällig.

Was soll ich sagen: Die Sache funktioniert. Unten auf der Seite könnt ihr aus einer Liste von Tracks die Turntables befüllen - linke Maustaste für den linken, rechte Maustaste bzw. Shift-Klick für den rechten. Über ein Eingabefeld unterhalb der Plattenspieler könnt ihr sogar eigene URLs zu MP3-Stücken eingeben, die dann als virtuelles Vinyl auf dem Plattenteller landen. Wer sich für die Technik hinter der Seite interessiert, sollte sich den ausführlichen Blogbeitrag von Scott Schiller in Ruhe durchlesen. Dort beschreibt er seine Motivation und zeigt detailliert, wie er die Seite mit HTML5, CSS3 und Javascript umgesetzt hat.

Das Projekt ist Work in Progress und vielleicht mehr eine Spielerei, die beweisen soll, was mit aktuellen Mitteln im Browser alles geht. Aber die Liebe zum Detail, die Scott da hineingesteckt hat, ist beeindruckend! Die Start/Stop-Taste funktioniert ebenso wie die Umschaltung zwischen 33 und 45 RPM, das Ein- und Ausschalten, Scratchen und das Bewegen des Tonarms. Das Gleiche gilt für Crossfader und Gain-Regler, und wenn die Nadel in der Auslaufrille angekommen ist, knistert es! OMG!! [Danke, Gerrit]