Oder auch: Für ein freies Birma. Oder Myanmar. Ich neige zu letzerem Namen, auch wenn dieser vom jetzigen Militärregime eingeführt wurde. Das Argument der Tagesschau, mit Myanmar wisse doch keiner etwas anzufangen, finde ich lächerlich. Und Burma ist die von der ehemaligen britischen Besatzermacht genutzte Bezeichnung, also auch nicht wirklich besser. In der Wikipedia wird der Namenskonflikt eigentlich recht gut zusammengefasst.
Eigentlich soll diese Blogaktion aber ein Zeichen setzen gegen die Ungerechtigkeit, die der myanmarischen Bevölkerung seit über 40 Jahren widerfährt. Die Abschottung gegen Einflüsse von außen wurde mit dem Kappen der Internetverbindungen usw. ja nur verstärkt. Freunde von mir, die das Land vor ein paar Jahren als Individualtouristen bereisten, hatten sich damals schon die Frage gestellt, die sich immer stellt, wenn man in unfreie Länder reisen möchte: Ist das verantwortbar? Der Ethikrat der taz hält die meiner Meinung nach richtige Antwort darauf parat. Meine Freunde haben die Reise übrigens nicht bereut, auch wenn das Militär sie die meiste Zeit wie ein Schatten begleitet hat. Land und Leute sind eine Reise wert.
Nach dieser doch eher langen Vorrede möchte ich nun aber einen besonderen Blick auf die Situation in Myanmar werfen, nämlich einen auf die dortige (Pop)Musiklandschaft. Schließlich ist das hier ein Musikblog. In der Kürze der Zeit bis zum Start der Aktion konnte ich nicht wirklich tief recherchieren, aber im Internet findet man schon einige Quellen. Also los. Zunächst einmal scheint es einen funktionierenden Musikmarkt nicht zu geben, dafür läuft der Schwarzmarkt äußerst schwungvoll. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass CDs und Kassetten dort 5- bis 10-mal billiger zu haben sind als vorgesehen. Das Durchschnittseinkommen in Myanmar liegt übrigens bei unter 1.500 €. Im Jahr. Musik ist daher Luxus, und folglich wird auch die meiste Popmusik möglichst billig produziert. Viele Titel sind Hits aus dem Ausland, die neu eingespielt und mit birmanischen Texten versehen werden. Dazu kommt das Problem der staatlichen Zensur. Jede Veröffentlichung muss von der Obrigkeit genehmigt werden, damit ja keine regimekritischen Töne verbreitet werden. Damit dürfte es allerdings nicht getan sein, denn Myanmar liegt auf dem allerletzten Platz der Korruptionsrangliste von Transparency International. So kommt zu den Kosten für Studio, Musiker, Producing, Werbung und Vertrieb auch noch das Schmiergeld für die zuständigen Stellen hinzu. Den meisten vergeht da ganz schnell die Lust, überhaupt Musik zu machen.1
Erfolgreiche Ausnahmen gibt es aber doch, allen voran offenbar die Rocklegende Iron Cross. Beinahe wöchentlich werden von diesem christlich motivierten "Musikerkollektiv" Releases unters Volk gebracht. Das ist nur möglich aufgrund der massiven finanziellen Unterstützung der indonesischen Zigarettenmarke Golden Eagle, die Iron Cross als perfekten Werbeträger entdeckt hat.2 Iron Cross versucht aber auch, zwischen den Zeilen Kritik an der Junta unter die Menschen zu bringen.3 Weitere bekannte Bands heißen Emperor oder BigBag, und sogar einen Rapper konnte ich ausfindig machen: Sai Sai.
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auch noch auf den Wikipedia-Artikel über (traditionelle) Musik aus Myanmar. Ansonsten dürfen Ergänzungen natürlich gerne in die Kommentare, vielleicht findet sich ja sogar jemand, der mehr über Popmusik aus Myanmar weiß?
- Pirates wreak havoc with Burma's music industry. Bericht des regimekritischen Radiosenders Democratic Voice of Burma
- Im Auftrag des Herrn unterwegs. Legenden um die burmesische Hardrock-Band IRON CROSS: Bericht über einen Besuch bei der Band aus dem Jahr 2001.
- Rock the Junta. In Burma, a band of heavy metal Christians speaks of liberty between the lines. Bericht des freien Journalisten Scott Carrier aus dem Jahr 2006.



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