jazznotjazz Festival in Frankfurt

Geschrieben von Matthias Gutjahr • Samstag, 1. Dezember 2007
jazznotjazz: Bühne im Künstlerhaus Mousonturm

Seit fünfzehn Jahren steht das Label INFRACom! als Markenzeichen für genreübergreifenden, weltoffenen NuJazz aus Frankfurt am Main. Aus diesem Anlass feiert sich das Label rund um Chef Jan Hagenkötter an diesem Wochenende selbst mit einem rauschenden Festival im Mousonturm: jazznotjazz. Neben zahlreichen Konzerten konnte man in der Cocktailbar "Altmeister" Michael Rütten beim Plattenauflegen lauschen oder Filme zum Thema ansehen, darunter die Premiere der Doku "Broken Vibes - Sound Of West London".


Inga Lühning

Gestern Abend standen zwei Konzerte auf dem Programm. Eröffnet wurde das Festival von [re:jazz], dem Projekt rund um Matthias Vogt, das elektronische Club-Hits zu akustischen Jazz-Perlen veredelt. Das gelang nicht nur auf den bisher drei Alben (inkl. eines Remix-Albums) hervorragend, sondern ganz besonders vor Publikum auf der Bühne gestern Abend. Versionen von Coldcuts People Hold On oder Promised Land von Joe Smooth wurden von exzellenten Musikern mit großer Intensität und Spielfreude dargeboten, abgerundet vom Charme und der Stimme Inga Lühnings. Als Zugabe gab es schließlich sogar meine absolute Lieblingsversion von Roy Davis Jr.s Gabrielle - eine echte Gänsehautnummer!

Lorenzo Tucci und Nicola Conte

Der zweite Act des Abends war die Nicola Conte Jazz Combo, das Live-Ensembles des Grandseigneurs der italienischen Clubjazz-Szene. Mit dichterem Sound als die erste Band und mit technischer Brillianz überzeugten die Italiener und Sängerin Kimberly Sanders voll, wobei vor allem Fabrizio Bosso an der Trompete und Pianist Pietro Lussu herausragten. Eigenkompositionen wie das großartige A Time For Spring wechselten sich mit Stücken von u.a. Sergio Mendes ab, waren aber wohl für einen Teil des Publikums zu anspruchsvoll, was sich zunächst an einem hohen Geräuschpegel auch während leiser Passagen ausdrückte. Erst als sich der Saal bei den Zugaben etwas geleert hatte, konnte die Musik wieder genossen werden. Nicola Conte bot nicht nur leicht-flockigen, clubtauglichen NuJazz, sondern traute sich und seinen Mitspielern immer wieder Uptempo-Passagen zu, die einerseits begeisterten, aber auch von den Zuhörern volle Konzentration verlangten. Mich persönlich haben beide Konzerte begeistert, gerade weil sie so unterschiedlich waren.

Das jazznotjazz-Festival geht heute Abend weiter u.a. mit Alice Russell und Jazzanova. Ich kann leider nicht hin (wie eigentlich immer, wenn Alice Russell irgendwo auftritt); aber wer heute Abend noch nichts vorhat und sich für Jazz und NuJazz im weiteren Sinne interessiert, sollte einen Besuch unbedingt in Betracht ziehen. Tickets können hier online gekauft und gleich ausgedruckt werden. Vielleicht gibt's aber auch noch Karten an der Abendkasse.

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