Gestern haben meine lieben Kolleginnen aus Block C den ganzen Tag lang einen Ohrwurm gehabt, aber keine wusste, um welches Lied es sich handelte. Mittlerweile konnte das Rätsel gelöst werden: Es war der Popcorn-Song, eine cheesy Synthie-Nummer aus dem Jahre 1972 von Gershon Kingsley, das mittlerweile aber hundertfach gecovert und anderweitig verwurstet wurde. Ich muss gestehen, dass dieses Meisterwerk in all den Jahren völlig an mir vorbeigegangen ist; ich kenne den Song einfach nicht.
Wer "Popcorn" aber kannte, und das ist das Interessante an dieser Story, war nicht etwa ein findiger Kollege, sondern Midomi. Midomi ist ein soziales Netzwerk, das um eine Kernfunktion herum gebaut wurde, nämlich die Musikerkennung anhand der Stimme des Benutzers, sei es durch Singen oder auch nur Summen. Man benötigt also lediglich ein Mikrofon, singt mindestens 10 Sekunden lang hinein, und erhält dann eine Reihe von mehr oder weniger passenden Vorschlägen.
Ich kann überhaupt nicht singen, starte aber trotzdem einen Selbstversuch und erziele, nun ja, eher durchwachsene Ergebnisse. Erster Song: "Pastime Paradise" von Stevie Wonder, mit dem Hintergedanken, dass im Zweifel auch Coolios "Gangsta's Paradise" erkannt werden könnte. Midomi findet weder das eine noch das andere, sondern etwas anderes: "Amish Paradise" von Weird Al Yankovic"
Also eine Parodie auf die beiden vorigen Titel - nicht schlecht. Zweiter Titel: "Cantaloupe Island" von Herbie Hancock sollte ja eine bekannte Melodie sein, aber hier versagt Midomi (oder meine Stimme?) völlig, ich erhalte nur jede Menge asiatische (japanische?) Schriftzeichen und "Californication" von den Chili Peppers. Gut, Midomi kam wohl aus Asien zu uns, daher scheint die Datenbank entsprechen gefüllt zu sein.
Den dritten Versuch lasse ich weg und teste meine beiden Songs auch noch bei der Musipedia, wo die Treffer aber vollkommen daneben liegen. Fast alle Vorschläge kommen aus dem Bereich der Klassik, aber sowohl mein "Gesang" als auch die anderen Melodien sind auch ganz hübsch visuell dargestellt. Die Ergebnisse hängen ganz offensichtlich zu einem Großteil davon ab, welche Muster hinterlegt worden sind. Dennoch: Beim Popcorn-Song hat es gut geklappt, und auch von Stevie Wonder wurde ein Cover gefunden. Mit der Zeit dürften diese intelligenten Musiksuchmaschinen sicher noch besser werden, aber als Partygag taugen sie durchaus schon heute.




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