Das neueste Werk von Amon Tobin heißt ISAM und hört sich ungefähr so an, wie sich ein brandaktueller Videospiel-Soundtrack zu einem futuristischen Ego-Shooter anhören sollte. Was Trent Reznors Quake-Soundtrack vor sage und schreibe 15 Jahren war (die Älteren erinnern sich vielleicht noch), wäre ISAM heute. Amon Tobin hat schließlich auch schon den Soundtrack zum 2002er Videospiel Splinter Cell komponiert. Einziges Problem: Diesmal gibt es gar kein Computerspiel.
Amon Tobin hat stattdessen beschlossen, das Game sozusagen auf die Bühne zu bringen. Für die wenigen Live-Auftritte zu ISAM hat Amon Tobin eine Menge kreative Nerds zusammengesteckt, die ihm bei der Umsetzung seiner audiovisuellen Ideen helfen sollten. Einen Vorgeschmack auf das wohl beeindruckende Resultat zeigt der folgende Trailer:
Wie immer veröffentlicht Amon Tobin auf Ninja Tune. ISAM ist sicherlich nicht das extremste und düsterste Werk des gebürtigen Brasilianers, der größtenteils in England aufwuchs, und auch nicht sein bestes. Das bleibt für mich nach wie vor Out From Out Where (2002). Aber es ist eine konsequente Weiterentwicklung seines Trademark-Sounds. Nach überbordendem Sample-Wahnsinn und Streetrecording-Sound-Orgien hat er sich nun neuartigen Instrumenten wie dem Haken Continuum Fingerboard zugewandt und viele der Samples selbst generiert.
Teilweise sind auf ISAM richtige Melodien zu hören ("Lost and Found"), dann klingt es wieder höchst bizarr, mysteriös und verstörend. Stand-out tracks sind für mich "Goto 10" mit Dubstep-Anleihen, "Kitty Cat" und das am Ende versöhnliche "Dropped From The Sky".
Auf Soundcloud hat er das komplette Album hochgeladen und jeden einzelnen Track mit ausführlichen Kommentaren versehen.




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