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Ronny vs. die Abmahnmaschine

Mein erster Gedanke war: Ronny! Selbst Schuld! Du bist lange genug dabei, um zu wissen, dass früher oder später der Abmahnanwalt vor der Tür stehen wirdkann, wenn Du so viele Bilder und Videos anderer Leute verbloggst. Und Ronny gesteht das ja auch direkt selbst ein. Aber er merkt ebenfalls an, dass es darum eigentlich gar nicht geht. Es geht vielmehr darum, dass so etwas jedem von uns droht; nicht nur uns Bloggern, die wir ständig Bilder publizieren, bei denen wir implizit von einem Einverständnis der Urheber oder zumindest deren Auftraggeber ausgehen.

Das Problem ist nämlich das grassierende Abmahnwesen. Wenn nämlich jeder abgemahnt werden kann, der einfach ein YouTube einbindet, dann haben wir auf einen Schlag mehrere Millionen Internet-Nutzer mit einem Opfer-Abo (Unwortspielkasse? Na gut.). Dann werden sich noch mehr Agenturen, Anwälte und Konzerne auf das perverse Geschäftsmodell der Abmahnung stürzen. Dann wird bald gar nichts mehr geteilt. Dann befinden wir uns plötzlich wieder im Jahr 1993.

Damit es soweit nicht kommt, müssen wir uns wehren. Wir müssen den Lobbyisten und Politikern, die auf dem Status Quo beharren oder noch mehr Einschränkungen einführen wollen, die Stirn und vor allem Alternativen bieten. Die bisherigen, zaghaften Appelle und kleinen Schritte sind ein Anfang, aber nicht mehr. Jetzt haben wir Ronny "gezwungen", seinen Fall vor Gericht durchzustehen. Sorry dafür, aber mit vielen Lesern kommt offenbar viel Verantwortung, und wir stehen das gemeinsam durch. Ein weiterer kleiner Schritt mit hoffentlich gutem Ausgang.

Ich mag eigentlich keine kriegerische Rhetorik, aber in diesem Fall lasse ich mich dazu hinreißen, von einem Kampf an vielen Fronten zu sprechen. Das fängt beim Teilen von Bildern an, geht über Leistungsschutzrecht und GEMA-Vermutung bis hin zu Netzneutralität. Sucht euch ein Feld aus und engagiert euch. Die Problemfelder sind seit Jahren bekannt, aber es bewegt sich einfach zu wenig, und schon gar nicht von selbst. Wenn ihr nicht wisst, was ihr tun sollt, unterstützt Initiativen wie die Digitale Gesellschaft, den AK Zensur oder eine der vielen anderen. Informiert euch. Wehrt euch.

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Kommentare

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Fabien am :

* Mal ganz unabhängig von Ronny. Das Thema ist IMHO zu komplex um es auf einen "Kampf auf vielen Fronten" zu reduzieren. Solchen Nischenproblemen eine Arena zu errichten und zum Kampf "Gut gegen Böse" bzw "Wir gegen die" zu glorifizieren ist doch unseriös. Obwohl es natürlich wie immer eine ganze Menge Schafe die Welt gerne so einfach hätten. Die aktuellen Auswüchse des Abmahnwesens sind natürlich nicht schön, man kann aber nicht alles über einen Kamm scheren. Abmahnungen sind ein in der Wirtschaft erprobtes Mittel um potentielle Rechtsstreitigkeiten möglichst effizient zu vermeiden. Was nun wirklich neu ist, sind die vielen hinsichtlich rechtlicher Aspekte oft ahnungslosen und somit oft auch verantwortungslosen Micro-Unternehmer die meinen ohne weiteres "bei der Großen" (Zeitungen, Medienhäuser) mitspielen zu können, und sich gerne einbilden mit der Ausrede "aber ich verdiene kein Geld damit" ihrer Verantwortung entgehen zu können. Dies betrifft nahezu alle Medienbereiche: Das korrekte zitieren von Texten, das Lizenzieren von Bildern und Musik, mal gar nicht zu sprechen von der Dreistigkeit darunter auch noch einen CC link zu kleben. ;-) Wer bloggt trägt auch Verantwortung. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht macht keinen Unterschied. Blogs sind nun mal mehr als nur Amateur-"Homepages", es sind Medienunternehmen (in der Regel wirtschaftlich besonders schlecht aufgestellt, aber Verantwortung ist auch keine Frage des Vermögens). Es gibt keinen Grund extra nur für sie einen Rechtsfreien Raum oder gar Amnestie zu garantieren - es einfach wäre absurd unfair den anderen Marktteilnehmern gegenüber.

Matthias Gutjahr am :

* Fabien, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Mit meiner Wortwahl wollte ich natürlich Reaktionen provozieren, weil es sowieso schwierig ist, überhaupt Kommentare zu bekommen. Das Thema ist in der Tat komplex und bedarf einer breiten Debatte. Die Entwicklungen, die durch die neuen Möglichkeiten des Internet vorangetrieben werden, sind so neu und rasant, dass dabei Reibungen erzeugt werden, jetzt und auch noch in den kommenden Jahren. Es gibt halt viele Bereiche, in denen bestehende Regelungen meiner Meinung nach angepasst werden sollten. Abmahnwesen, GEMA und Patentrecht gehören dazu. Das soll nicht unbedingt heißen, diese Werkzeuge völlig abzuschaffen, aber auf eine Verhältnismäßigkeit sollte schon geachtet werden. Diese darf auch gern gesetzlich geregelt werden. "Wer bloggt, trägt auch Verantwortung." - Full ack.

Fabien am :

* Sehe ich auch so, definitiv müssen nun einige Bereiche überdacht werden. Diese allerdings in einen Topf zu werfen ist nicht gerade zielführend IMO, nicht zuletzt weil sie in der Regel wenig miteinander zu tun haben und jeder nun mal eine ANDERE Sichtweise dazu hat. Es gibt keinen gesellschaftlichen Konsens, obwohl die Netzgemeinde Netzgemeinde gerne den Eindruck erweckt als sei schon alles geklärt und müsse nur noch gegen die bösen feindlichen Kräfte umgesetzt werden (GEZ, GEMA, Urheber, Content-Mafia, Abmahnindustrie, ect). Das ist nicht seriös und hat eine deutliche totalitäre bzw undemokratische Note. Eine Art Diktatur des Web-Proletariats. Es gibt auch schützenswerte Minderheiten, die derzeit gnadenlos gerupft werden - und keine Massen-Freibier- oder "Huge Corporate"-Lobby hinter sich haben. Ich rede von Fotographen, Bildagenturen, Musikern u.s.w. Das wird gerne vergessen. Auch der Fakt dass ausgerechnet diese Minderheiten das Netz so attraktiv machen mit Ihrer "freien" Arbeit macht den ganzen "Protest" nicht glaubwürdiger. Zum Glück ist der Minderheitenschutz in unserer Verfassung verankert! Es war schon immer so, dass der Pöbel besonders wenig Verständnis für Minderheiten zeigte - so auch hier gut ersichtlich. Back zum Thema, es ist geradezu typisch wie die Diskussion auf Kraftfuttermischwerk sich nun entwickelt. Selbst vorsichtige Kritiker werden gnadenlos gebasht und lächerlich gemacht. Der eigentliche Fehler den Ronny machte wird gar nicht Thematisiert. Der Abmahner wird großzügig öffentlich beleidigt und der Ruf geschädigt, und überhaupt tragen alle Schuld ausser Ronny. Das ist kindisch und keine sonderlich "starke" Nummer von Ronny und seinen Schergen ( ;-) ) um es vorsichtig auszudrücken. ...Wenn sich nun herausstellt das der Abmahner absolut im Recht war, wird es nun richtig peinlich und teuer für Ronny. ..soviel also zu der oben erwähnten "Verantwortung"!

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