Skip to content

Enjoy Jazz-Mini-Tour

Enjoy Jazz-Logo

Morgen starte ich meine persönliche Mini-Tour zum Enjoy Jazz-Festival im Rhein-Neckar-Delta. Schon vor elf Tagen hatte Erik Truffaz das Festival mit Miles Davis-Songs eröffnet. Heute Abend spielen übrigens die großartigen The Bad Plus. Und morgen, ja morgen werden die acht Söhne des Phil Cohran, besser bekannt als Hypnotic Brass Ensemble, die Mannheimer Feuerwache zum Brennen bringen (Feuerwache, brennen, ihr versteht?). Auf die Jungs freue ich mich ganz besonders, weil ich sie letztes Jahr in Frankreich schon etwas näher kennenlernen durfte!

Am Sonntag setze ich meine Tour fort beim gemeinsamen Auftritt von Bugge Wesseltoft und Henrik Schwarz. Der norwegische Pianist und der deutsche Laptop-Producer haben aktuell das Album "Duo" am Start, das sich schon gut anlässt. Ich vermute aber, dass sich die Kollaboration der beiden erst live so richtig entfalten kann. Auch wenn die Tracks zum Teil etwas ruhiger daherkommen: Hoffentlich ist die Feuerwache nicht bestuhlt ;-)

Zum Abschluss (für mich, das Festival läuft ja noch bis 18. November) sehe ich mir am Montag einen weiteren Norweger an, den Trompeter Nils Petter Molvær. Er tritt im Trio mit Gitarre und Drums auf, speist noch elektronisches Gefrickel ein und hat mit "Baboon Moon" ein Album im Gepäck, auf dem er (endlich) wieder zu Hochform aufläuft und es auch mal richtig krachen lasst. Seinen düsteren Markenzeichen-Ambient-Sound hat er natürlich immer noch perfekt drauf, aber die Gitarren-Soundwände tun seiner Musik hörbar gut.

Das werden anstrengende Tage, aber ich freue mich schon drauf und werde hinterher bloggen, wie es war. Wenn von euch jemand dort ist, gebt doch einfach Bescheid; vielleicht können wir vor- oder nachher noch kurz plauschen.

Weitere Infos zum Enjoy Jazz findet ihr natürlich auf der Festivalwebseite, im Festivalblog oder bei metropoljazz.de

Enjoy Jazz 2010 Vorschau

Plakat Enjoy Jazz 2010Mein obligatorisches jährliches Vorschau-Posting zum Enjoy Jazz-Festival, das in diesem Jahr vom 2. Oktober bis zum 19. November stattfindet, ist langsam überfällig. Bleiben gerade noch sechs Wochen, bis es losgeht, und das Programm steht mittlerweile ziemlich komplett. Nachdem ich letztes Jahr ein wenig underwhelmed von der Auswahl der eingeladenen Musiker war, sieht es 2010 wieder besser aus.

Im folgenden zähle ich neun höchst subjektive Highlights des diesjährigen Enjoy Jazz auf. Da ich nicht jeden einzelnen Künstler kenne, dürft ihr mich in den Kommentaren gern zurecht- und auf Geheimtipps hinweisen! Außerdem lasse ich bewusst einige der ganz großen Namen weg; die müssen nun wirklich nicht mehr vorgestellt werden.

Jazz, Pop und Elektronik

Nik Bärtsch, der am 9.10. in der Alten Feuerwache in Mannheim auftritt, habe ich vor zwei Jahren an selber Stellte schon gesehen. Wie ihr hier nachlesen könnt, kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

The Bad Plus sind nicht zum ersten Mal zu Gast, aber immer wieder lohnend. Pophits treffen auf virtuosen Jazz, ganz großer Sport am 10.10 im Heidelberger Karlstorbahnhof.

Morcheeba sind nach ihrer Reunion mit neuem Album Blood Like Lemonade wieder da und auf Tour. Am 20.10. können sie in der Alten Feuerwache zeigen, ob sie es noch drauf haben. Vor Jahren habe ich die mal beim Mainzer Zeltfestival gesehen - das war sogar noch vor Zeiten dieses Blogs.

Esperanza Spalding. Mit Band. bzw. kammermusikalischer Begleitung. Das verspricht ein Hochgenuss zu werden am 22.10. in der Alten Feuerwache. Das kann die KonFerenz sicher bestätigen!?

Das Konzert von Oval könnte eins der spannendsten des Festivals werden. Markus Popp hat sein Projekt lange Jahre ruhen lassen, ist jetzt aber mit zwei EPs zurück, die ich leider immer noch nicht gehört habe. Man sagt mir aber, die seien unglaublich gut. Zu überprüfen am 29.10. im Karlstorbahnhof.

Hip Hop-Legenden und Power-Jazz

Jo, Kinners, und dann kommt am 30.10. KRS-One. Legenden wollte ich eigentlich nicht vorstellen, aber der große Teacher des Conscious Hip Hop darf hier einfach nicht fehlen. Zusammen mit MUSO im Karlstorbahnhof.

Anthony Joseph & The Spasm Band aus London machen Spoken Word unterlegt mit Afro-Funk, Calypso und Jazz. Wenn im Veranstaltungstext Fela Kuti und Gil-Scott Heron zitiert werden, geht das schon in Ordnung. Noch besser als die neueste Platte "Bird Head Son" gefällt mir aber das Debut "Leggo De Leon" von 2007 (auf Kindred Spirits). Am 6.11. im SRH Science Tower.

Am 7.11. brennt dann die Luft in der Alten Feuerwache! Soil & "Pimp" Sessions aus Japan habe ich letztes Jahr auf dem Worldwide Festival gesehen, und ich glaube, da ist tatsächlich niemand sitzen geblieben. Außerdem werden sie ein neues Album voller Power-Jazz im Gepäck haben. Don't miss!

Caribou hat im Frühjahr für eine der Platten des Jahres gesorgt. Electronica-Freaks und Indie-Hörer, alle können sich auf diese Musik einigen. Wer am 16.11. nicht in den Karlstorbahnhof kommen kann, hat am 5.12. noch einmal die Chance im Frankfurter Mousonturm.

Und sonst?

Herbie Hancock, McCoy Tyner, Brad Mehldau, Silje Neergard, Charlie Haden, Thomas Siffling, Tomasz Stanko, Manu Katché, Jan Garbarek, und und und ... hier ist das vollständige Programm zu finden. Wo geht ihr hin?

Nik Bärtsch's Ronin live

Die Bühne nach dem KonzertDie Musik beginnt leise, wie das Zirpen einer Grille. Auf einmal bemerkst du das Rauschen eines Baches, das Wasser, das immer gleich fließt und doch minimal variiert. Vögel zwitschern, Bienen summen, du nimmst immer mehr Geräusche um dich herum wahr. Alles ist harmonisch, und irgendwann fängt auch der Boden an zu vibrieren, die Luft summt, dein Geist erhebt sich von der Bergwiese und erblickt die Berggipfel, einer neben, über, hinter dem nächsten. Schroffe Zacken, in endloser Reihenfolge, aber nie ganz gleich. Ein Massiv aus Klang, aus Urgewalten bricht über die herein und du ergibst dich dem Rhythmus, dem Sound.

So in etwa geht die Assoziationskette während eines der viertelstündigen Songs von Nik Bärtsch's Ronin, während man versucht, das Gehörte in Worte zu kleiden. Detailreich verzierte Repetition, unerwartete Taktverschiebungen, ausgetüftelte Sounds, und immer der Beat, der Groove als treibende Kraft und Zusammenhalt, das machte die Intensität dieser Musik gestern beim Enjoy Jazz Festival in der Alten Feuerwache in Mannheim aus. Zwar hatte ich schon vorher ins neueste Album Holon hineingelauscht, aber erst live wurden die Stücke zum Erlebnis. Nicht sich in endlosen Soli verlierender Jazz, nicht die Nähe zu (post-)rockenden Passagen scheuend, aber technisch anspruchsvoll, manchmal vertrackt, mit dem Hang und Drang zu Experimenten, indem Soundschicht für Soundschicht aufgetragen und auch säuberlich wieder abgetragen wurde.

Man merkte den fünf Musikern - Nik Bärtsch (p, rh), Björn Meyer (b), Kaspar Rast (dr), Andy Pupato (perc), Sha (bcl) - an, dass sie montags im Zürich im Club Bazillus stehen und spielen und sich die Komplexität und das Zusammenspiel auf der Bühne erarbeitet haben. Trotz der Länge der einzelnen Stücke ("Module") war es keine Sekunde langweilig gestern, denn so etwas bekommt man auf einem Jazzfestival auch nicht alle Tage geboten. Und ich bin froh, es 2008 doch noch wenigstens einmal aufs Enjoy Jazz geschafft zu haben. Mehr Konzertberichte und vor allem auch tolle Fotos aus Heidelberg und Mannheim gibt es wie jedes Jahr drüben beim Jazzblogger.

tweetbackcheck