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Uwu-Lena-Schland

Die Fußball-WM und Lena verkaufen zurzeit beinahe alles. Das hat sich wohl auch Tagesspiegel-Redakteur Michael Rosentritt gedacht, als er die Analyse "Deutschland kickt, wie Lena singt" anstellte. Das hatte aber auch die Münsteraner Studenten-Fun-Band Uwu Lena gemerkt, die Lenas Beitrag zum Eurovision Song Contest zu "Schland o Schland" umgetextet hatte. Diese Version wurde über Youtube und andere Social Media-Kanäle so rasant populär, dass Universal Music, das die Rechte am ESC-Siegerlied "Satellite" besitzt, sich gezwungen sah einzuschreiten bzw. Anwälte einschreiten zu lassen. Was die zu erwartenden Proteste auf Facebook und Twitter nach sich zog.

Nun ist Tausendsassa Stefan Raab aber nicht nur Autor eines weiteren Lena-Songs und, nebenbei bemerkt, auch Inhaber der Wortmarke "Schland", sondern auch ein cleverer Kopf mit einer sensiblen Spürnase für Trends und deren Vermarktung. Und er hat in seiner bisherigen Laufbahn wohl entscheidend zur Popularisierung nicht ganz ernst gemeinter Songs und Coverversionen beigetragen. Ich stelle daher einfach mal die Behauptung auf, dass Raab das (kommerzielle) Potential des Uwu Zela-Songs sofort erkannt hat.

Damit scheint Raab auch die Plattenbosse überzeugt zu haben. Er hat denen vermutlich erstmal klarmachen müssen, dass es sehr viel intelligenter ist, den Song selbst zu verkaufen als zu versuchen, ihn vom Erdboden wegzuklagen. Oder hat Universal die Anwälte von allein zurückgepfiffen? Jedenfalls hat die Plattenfirma eine Drehung um 180 Grad vollzogen und veröffentlicht die Single in drei Tagen ganz offiziell. If you can't fight 'em, buy 'em. Eine Win-Win-Situation sozusagen!?

Vielleicht merkt die Musikindustrie ja, dass Remixen gar nicht so böse ist. Und dass sie bei Fanvideos nicht immer der Verbots-, Abmahn- und Anwaltskeule schwingen sollte, sondern sich für die Kreativität öffnen sollte. Für Uwu Lena stellte sich die Situation andererseits wohl so dar, dass sie entweder mit Universal kooperieren oder aber den Song einstampfen konnten. Nach der Entscheidung für den Plattenmulti dürften sie zumindest für drei, vier Wochen deutschlandweit sehr bekannt werden und auch den einen oder anderen Euro dazuverdienen. Für eine Studentencombo eine tolle Sache. Und Universal hat sogar was für das eigene Image getan.

Ich behaupte nicht, dass wir hier Zeuge eines Paradigmenwechsels werden. Dafür ist die Lage rund um Urheberrechte, Remixe, Sample-Clearing, Lizenzgerangel, Musik-Kopien mittlerweile zu verfahren. Aber in der Tat könnte Kooperation statt Inkrimination einen teilweisen Ausweg aus der Misere aufzeigen. Cory Doctorow übrigens beschreibt diese Möglichkeit anhand eines anderen Beispiels (Disney) ganz anschaulich in seinem neuesten Roman Makers. Ist zwar Fiktion, aber vielleicht gar nicht so weit entfernt von der Realität.

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