Skip to content

Ein neuer Scissorkast!11!!

Text Scissorkast #11 Sugarwater auf aufgeschnittener Wassermelone

Ein was, bitte? Ein Scissorkast! Eine Art Flashback in Zeiten, als noch nicht mehrere Drölfzigmillionen Mixtapes täglich in die Cloud gepusht und über jedes verfügbare Soziale Netzwerk gesharet, geliket und gefavt wurden. In der noch nicht jeder Song bereits drei Monate vor Veröffentlichung online hörbar war, und schon gar nicht der dritte Remix davon. In der Blogbeiträge noch kommentiert wurden und von der Handvoll anderer Blogs zuverlässig aufgegriffen und verlinkt wurden. Technorati, wissenschon.

Aber ich schweife ab und gebe mich nostalgischen Gefühlen hin, die niemanden weiterbringen. Fakt ist: Scissorkick ist eins der ältesten Musikblogs für instrumentale und elektronische Musik und war 2006 offensichtlich eine wichtige Inspirationsquelle für mich. Von seinem Rechner in New York verbreitete Blogger Steve so ziemlich genau den Teil neuer Musik, der mich interessierte. Und er produzierte ab und zu einen Mix, den er auf seinen Server hochlud.

Scissorkick.com is one of the oldest music discovery blogs still on the Internet. Started in 2001, SK has been committed to showcasing a wide variety of music tailored for the headphone space. Mostly instrumental and often electronic, SK mixes and artists create music best played loudly in open spaces and listened to quietly in crowded ones.

Der RSS-Feed von Scissorkick ist bis heute in meinem Feedreader geblieben, auch wenn ich letzteren häufiger gewechselt habe. Die Blogfrequenz ging in letzter Zeit zwar asymptotisch gegen x-Achse, aber Scissorkick lebt nach wie vor.

Davon zeugt auch der jetzt erschienene elfte Scissorkast (in Zahlen: 11! in ebenso vielen Jahren!) ist der erste seit Januar 2011. Auf der Tracklist stehen brandaktuelle Stücke von Lali Puna, dem Hidden Orchestra, Kelpe, Four Tet und diversen Instrumentalbands, von denen ich noch nie gehört habe. So muss das nämlich sein, wenn schöne, neue Musik entdeckt werden will: Wahrhaft, eklektisch, schön.

Scheiße, Mann, ich werde alt und sentimental ;-)

Scissorkast_11.mp3

Emanative & Ahmed Abdullah - Lions Of Judah

Ausschnitt aus dem Platten-Cover

Anfang Dezember 2011 erschien die 12″ Lions Of Judah von Emanative auf Brownswood Recordings. Lions Of Judah ist eine Komposition von Ahmed Abdullah, die erstmals Mitte der Siebziger von Steve Reid feat. The Legendary Master Brotherhood aufgenommen wurde. Alle Erlöse der Neuafnahme gehen an die von Gilles Peterson ins Leben gerufene Steve Reid Foundation. Gilles schreibt:

Steve Reid was an amazing drummer with a long and illustrious history that stretched from working with James Brown, Miles Davis and Fela Kuti through to his own Steve Reid Trio and more recently working with Kieran Hebden (Four Tet). He died from throat cancer in the US in April 2010 without the money for treatment that could have saved his life.

Die Aufnahme ist nur auf Vinyl erschienen, featured Reids ehemaligen Mitstreiter Ahmed Abdullah, der schon beim Original dabei war, und enthält als Bonus einen Re-Edit von Four Tet, dem Alter Ego von Kieran Hebden, der in den letzten Jahren mehrere experimentelle Alben zusammen mit Steve Reid aufgenommen hat.

Emanative, im richtigen Leben Nick Woodmansey, hat bei sich im Blog jetzt die Liner Notes zum Release online gestellt - inklusive Fotos und weiterführender Links. A- und B-Seite gibt's auch auf Soundcloud:

Aus den Labors der Labels (I)

Plattencover von Hipbrass
Hipbrass

Das sympathische kleine Label Galopp aus dem tiefen Südwesten der Republik hat nicht nur seine dritte Veröffentlichung rausgebracht, sondern auch die Webseite neu lackiert. "Hipbrass" nennt sich der neue Song der Frohlocker, der sowohl im Original als auch in den drei Remixen von Protassov, Paul SG und Pepe Le Moko euphorisch stimmt.

Bei Soulplex in Köln hat man sich vorgenommen, uns den Sommer mit diversen Releases zu versüßen. Allen voran wird Ende Mai ein potentieller Sommerhit stürmen, nämlich "Back to Back" von Fangkiebassbeton, der auch eine eigene Sendung auf soulsender.de hat. Insbesondere der Repete Remix feat. Fleur vom Fleur Earth Experiment mit ihrer "Straßenköter"-Soulstimme verzückt. Auch die neunköpfige Kölner Live-Hip Hop-Band Dickes B! bringt neben witzigen deutschen Texten einen funky Sound mit, der ihre Platte Original aus der Masse herausragen lässt.

Albumcover von Supresa
Supresa

Bereits in meiner letzten Radioshow gespielt habe ich ein Stück von Hotel Bossa Nova, die den Bossa-Sound wunderbar ins Heute transportieren, getragen von der tollen Stimme Liza da Costas. Das äußerst gelungene neue Album Supresa (auf Homefamily) kann den ganzen Sommer über auch live genossen werden.

Noch ein schneller Blick nach Berlin: Innervisions, das Label von Dixon und Âme, hat eine neue EP letzterer veröffentlicht, die bei mir schon per Abo eingetroffen ist. Setsa/Ensor heißen A- und B-Seite, und ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche die stärkere ist.

Zum Schluss nicht fehlen darf die bislang nur vorbestellbare, aber dennoch binnen Minuten ausverkaufte, ganz in mysteriösem schwarz gehaltene Kollaboration von Burial und Four Tet, zwei absoluten Koryphäen ihres Fachs. Ich hoffe, dass die zwei Tracks ("Moth"/"Wolf Cub") auch digital veröffentlicht werden, denn das dürfte ein absolutes Muss sein.

Ich habe mir die Mühe gespart, Sounds oder Videos direkt hier einzubetten. In die meisten der hier angesprochenen Veröffentlichungen könnt ihr entweder über die Webseiten der Labels, über die Künstlerseiten bei MySpace, bei SoundCloud oder in diversen Online-Shops reinhören. Und bei Gefallen solltet ihr einen Kauf in Erwägung ziehen, die Labels werden es euch mit weiteren tollen Platten danken ;-)

Electricity And Drum Will Change Your Mind

Reid und Hebden live

Am Anfang war ein Song von Steve Reids 2005er Album Spirit Walk auf Soul Jazz Records, den Gilles Peterson gespielt hat - ich glaube es war "For Coltrane". Der hat mich umgehauen. Es folgten diverse Interviews, in denen zu erfahren war, dass Kieran Hebden das Album produziert hatte und plante, zusammen mit Reid Live-Sessions zu spielen und auch aufzunehmen. Mittlerweile sind sogar schon zwei Platten unter dem Title The Exchange Sessions Volume 1 & 2 erschienen, die es auch relativ günstig per Download zu erwerben gibt. Darauf zu hören sind alleine Reid an den Drums und der mit seinem Soloprojekt Four Tet bekannt gewordene Hebden mit seinen elektronischen Spielzeugen. Eingespielt wurden die faszinierenden Sessions völlig ohne vorherige Proben. Dabei mischen sich vom Afro-Beat inspirierte Rhythmen mit einem fremdartig Soundkosmos, verstörend, außergewöhnlich und phänomenal zugleich. Bei collective, dem interaktiven Kulturmagazin der BBC, wurden die beiden gefeatured, und als Dreingabe gibt es ein Interview und drei Konzertclips aus dem (der?) Londoner Scala. Ihre experimentelle Musik ist sicher keine leichte Kost, aber wer sich darauf einlässt, wird förmlich von der Energie und Spielfreude des ungleichen Duos eingesogen. Unbedingt anhören und ansehen!

tweetbackcheck