Jetzt stehe ich ja ganz schön blöd da. Nachdem ich vorgestern noch gebloggt habe, wie problematisch es sein kann, Mixtapes bei Soundcloud zu sharen, sollte ich den Skankfurt City-Mix von BadBadHavac eigentlich gar nicht posten. Ich tu's aber trotzdem, weil heute einer dieser chilligen Dub- und Rocksteady-Sonntage ist. Lee Perry, Dudley Sibley und die Heptones - wer kann dazu schon nein sagen?! Eben.
Frankfurt will den Jazz zurück
Geschrieben von • Donnerstag, 20. Januar 2011Fankfurt galt über Jahrzehnte als Deutschlands Jazzhauptstadt, denn Jazz hat in Frankfurt eine lange Tradition. Diese begann nicht erst mit dem amerikanischen Soldaten, die den Jazz nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit an dem Main brachten, sondern schon viel früher, in den roaring twenties. Clubs wie der 1952 gegründete Jazzkeller und das Deutsche Jazzfestival trugen entscheidend zu Frankfurts Berühmtheit in Sachen Jazz bei, ebenso wie Musiker wie die Mangelsdorffs und Heinz Sauer.
Und auch heute ist der Jazz in Frankfurt lebendig, wie z.B. die Jazzinitiative Frankfurt zeigt, und worüber ich hier ja auch regelmäßig schreibe. Aber die Zeiten für Jazzfreunde sind härter geworden, manche machen sich Sorgen um den Nachwuchs. Bereits im September letzten Jahres konnte im Artikel Jazz auf Eis nachgelesen werden, wie es um die aktuelle Ausbildungssituation für Jazz in Frankfurt aktuell steht: gar nicht gut.
Der Studiengang "Jazz- und Popularmusik" an der Frankfurter Musikhochschule sei "eingefroren" worden, die Studenten eines inoffiziellen Weiterbildungsstudiums müssten gegen viele Widrigkeiten ankämpfen, heißt es beim Projekt "Jazz or no". Dessen Initiatoren setzen sich für die Wiedereinrichtung des Aufbaustudiengangs Jazz und Popularmusik in Frankfurt ein und sammeln dafür Unterschriften. Auch auf Facebook ist die Initiative natürlich vertreten, und auf Frankfurt Gestalten kann man für sie abstimmen.
Also, liebe Jazzfreunde aus Rhein-Main und von anderswo: Hier geht's zur Unterschriftenliste, ihr wisst, was zu tun ist.
Caribou live in Frankfurt
Geschrieben von • Montag, 6. Dezember 2010
Gestern Abend spielte Caribou im Frankfurter Mousonturm. Der kanadische Mathematiker und vor allem Musiker trat mit Band vor ausverkauften Haus auf, nachdem zuvor Barbara Panther eingeheizt hatte. Mount Kimbie haben ihre Tour leider abgebrochen und waren deshalb nicht am Start.
Das Fehlen von Mount Kimbie als "zweitem Headliner" war natürlich eine erste Enttäuschung, ein Zettel am Einlass wies lapidar darauf hin. Im Netz hatte ich zuvor nur Gerüchte gelesen, ein kurzer Hinweis auf Twitter oder Facebook wäre doch aber kein Problem gewesen, oder? Da man aber das beste aus solchen Situationen machen sollte, haben wir uns erstmal in den Mousonturm reingezwängt und kurz Barbara Panther angesehen, wie sie da so allein mit ihrem Laptop auf der Bühne stand und sang. Ihre von Matthew Herbert produzierte Empire EP finde ich gar nicht mal schlecht, aber live fehlte mir der Zugang zu ihrer Musik. Vielleicht auch, weil sie auf der großen Bühne doch recht verloren wirkte.
Ziemlich zügig ging es dann aber weiter mit Caribou. Daniel V. Snaith hatte Ryan Smith, Brad Weber und John Schmersal Mitmusiker dabei. Insbesondere Drummer Weber erwies sich von Beginn an als kongenialer Sparringspartner für Snaith und sorgte durchgängig für druckvolle Grooves. Caribou spielten so ziemlich alle Hits der Alben Andorra und Swim, interpretierten manche Passagen elektronisch experimentell, andere extrem noisegitarrenlastig, wobei ich gerade die zwei, drei Stücke in der Mitte des Konzerts, als Snaith seine Gibson SG umschnallte, am schwächsten fand.
Der Sound war nämlich die meiste Zeit ziemlich gut, das sphärische der Musik und des Gesangs verband sich wunderbar mit dem Beat, so wie man es von den Platten kennt. Aber mit zwei Gitarren wurde der Sound irgendwie dumpfer, und plötzlich nervte auch das ständige, Mousonturm-typische Gequassel des Publikums ganz schön. Glücklicherweise bekamen Caribou aber wieder die Kurve und feuerten mit Sun eine grandiose Zugabe in den Saal. Das qualitativ äußerst bescheidene Foto oben habe ich ganz am Anfang mit der Handykamera geknipst. Rechts ist Herr Snaith zu sehen, wie er Merchandise an den Mann bringt.
Die Heimfahrt wurde mir übrigens von Robert Lug versüßt, der in seiner Sendung Voyager auf hr2 den Abend mit Ambient/Chillout-Sounds des Hamburger Kollektiv Turmstrasse (neues Album: Rebellion der Träumer) ausklingen ließ. Das passte aber sowas von.
Video-Livestream vom 41. Deutschen Jazzfestival Frankfurt
Geschrieben von • Donnerstag, 28. Oktober 2010Live im Internet zu sehen sind die Konzerte des 41. Deutschen Jazzfestivals, das heute in Frankfurt beginnt. Unter dem Motto "Jazz im globalen Dorf" spielen Courtney Pine, Tony Lakatos, Jake Shimabukuro, Kangaba, Bill Evans und einige mehr in Frankfurt - und eben live im Stream bei ARTE Live Web oder bei hr-online.
Heute Abend um 19:05 Uhr geht es los mit Stephan Schmolck Harm-o-troniX, danach folgen Steffen Schorn und die hr-Bigband mit Mongolia, die beim Jazzblogger kurz vorgestellt werden. Ich persönlich empfehle allerwärmstens den japanisch-hawaiianischen Ukulele-Wizard Jake Shimabukuro am Samstag Abend: Seht euch bitte unbedingt seine Videos auf YouTube an, und ihr wisst, warum er ein umwerfender Musiker ist und die Ukulele zu Unrecht unterschätzt wird. Aber auch die anderen Konzerte sind interessant und bieten Exotisches: Roma-Musik, afrikanisches Balaphon-Spiel, indische Jazz-Klänge und mehr.
Die bessere Alternative zum langweiligen Fernsehprogramm stellt in den kommenden Tagen also das Internet (im Radio werden die Konzerte aber auch übertragen.) Solltet ihr eins der Konzerte verpassen, kein Problem: Natürlich werden die Mitschnitte im Anschluss noch für sieben Tage als Video-on-Demand online bleiben. Es gibt also keine Ausreden ![]()
JazzNotJazz Festival 2009
Geschrieben von • Montag, 9. November 2009Was vor zwei Jahren zum ersten Mal im Frankfurter Mousonturm über die Bühne ging, wurde am vergangenen Samstag mit Erfolg wiederholt: Das JazzNotJazz-Festival, initiiert von INFRACom!s Jan Hagenkötter und DJ-Hansdampf Michael Rütten. Während sich das Programm bei der Premiere über zwei Tage streckte, standen diesmal an nur einem Abend drei Acts auf der großen Bühne der ehemaligen Seifenfabrik. Aufgelockert wurde das Festival zudem durch die phänomenalen JazzCoTech Dancers aus London und den Ausklang mit DJ-Sets der Veranstalter.
Eröffnet wurde der Abend von Boozoo Bajou, dem Nürnberger Downbeat-Produzenten-Duo, das seine Musik nun aber in großer Besetzung als vielköpfige Liveband präsentierte. Das ist gerade Trend (vgl. Jazzanova, Sonar Kollektiv Orchester usw.) und funktionierte nicht nur bei den neuen Songs vom aktuellen Album Grains ganz prächtig, weil die Arrangements auch toll auf den entspannten Sound abgestimmt waren. Der Versuch der Stuttgarter Dublex Inc., ebenfalls mit Band aufzutreten, war hingegen nur zeitweise erfolgreich. Zu rockig, mit weniger Funk als sie verdient gehabt hätten kamen die Songs teilweise rüber; möglicherweise war das genauso gewollt. Mich haben aber besonders die JazzCoTech Dancers fasziniert, vier britische Urban Street Fusion Jazz Dancer, die sich ihre Moves als Autodidakten beigebracht haben. Im Vereinigten Königreich finden regelmäßig sogar Contests statt, aber die Geschichte ist auch eine rein britische. Umso schöner, die Jungs auch mal in Deutschland zu sehen.
Endlich kam ich am Samstag zudem in den Genuss, einem Konzert von Alice Russell beiwohnen zu dürfen, was mir vor zwei Jahren leider wegen Zeitmangels verwehrt geblieben war. Live ist Alice einfach sensationell gut, daher ließ das Publikum sie auch erst nach zwei Zugaben gehen. Neben vielen Songs ihres neuen Albums Pot Of Gold spielte sie auch viele ihrer älteren Hits wie "Fly In The Hand", "Hurry On Now" sowie ihre Covers von "Seven Nation Army" und "Crazy". Absolut fantastisch. Morgen Abend tritt sie übrigens in Münster auf, am Mittwoch in Berlin, nicht verpassen!
Das JazzNotJazz Festival 2009 war eine rundum gelungene Sache, auch wenn das kurzfristig anberaumte Twitterer- bzw. Last.fm-User-Treffen an der Bar nicht so recht funktioniert hat (beim nächsten Mal klappt es!). Immerhin habe ich mich nett mit dem Kollegen Jazzmadass unterhalten - ein Real Life-Treffen war schon lange überfällig
Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Festival. Bis dahin werde ich sicher noch das ein oder andere Konzert im Sinkkasten besuchen, bloß Tony Allen am Donnerstag schaffe ich leider nicht ....
Mulatu Astatke live in Frankfurt
Geschrieben von • Samstag, 4. April 2009
Mulatu Astatke ist nicht erst seit Jim Jarmuschs großartigem Film Broken Flowers der bekannteste Vertreter dessen, was allgemein als "Ethio-Jazz" beschrieben wird. Damit ist eine musikalische Strömung gemeint, die etwa in den 1970ern damit begann, äthiopische Musik mit westlichen Jazz-Elementen zu verbinden. Ich habe Mulatu Astatke bereits im letzten Blogeintrag kurz erwähnt. Am Montag hatte ich das Vergnügen, den 65-Jährigen zusammen mit der britischen Funkband The Heliocentrics live im Frankfurter Sinkkasten zu erleben. Der Club war voller, als ich es an einem Montagabend erwartet hätte, aber dafür war das Publikum auch voll bei der Sache.
Die Heliocentrics sind eine super Band mit vielen Ideen und ungewöhnlicher Instrumentation, z.B. einem Cello. Und Mulatu Astatke? Mulatu ist zwar schon Mitte 60, aber hatte sichtlich Spaß an der Sache. Und er ist einfach ein genialer Musiker. Leider, leider war der Sound äußerst bescheiden, und von Astatkes Vibraphon-Spiel konnte man nur mit Mühe ein paar Töne erhaschen. Insgesamt hat sich das Konzert aber dennoch gelohnt. Neben Stücken vom neuen Album (das ich nach dem Konzert nicht auf Vinyl ergattern konnte - Mist!) gab es auch alte Hits, etwa das aus Broken Flowers bekannte "Yègellé Tezeta". Im übrigen war der Gig der Auftakt einer Konzertreihe von Jan Hagenkötter und Michael Rütten, die ich wohl nicht weiter vorzustellen brauche. Im April holen die beiden US3 nach Frankfurt, und auch von Jose James später im Jahr war zu hören. Hoffentlich können die beiden noch mehr interessante Künstler in den Sinkkasten locken.
Bei Flickr habe ich noch einige Fotos vom Konzert in Berlin zwei Tage später gefunden.


![frankfurt - [jazzkeller] panorama 17](http://farm4.static.flickr.com/3452/3700241487_1032fd97aa.jpg)

