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Collective Improvisation #3

Und weiter geht's, weil die Worte gerade so leicht ins Blog fließen …

  • Noch ein Endjahresbestenliste, diesmal das Best of 2013 von der Netlabelism-Crew. Sprich: die besten Releases, die auf Netlabels und unter einer CC-Lizenz erschienen sind. Viel Spaß beim Downloaden und Anhören!

Viele Vortragsvideos des 30C3 stehen bereits online, musikalisch Interessierten lege ich mindestens die folgenden zwei Talks ans Herz:

In dem Maße, in dem die kreative Kopie Teil des kommunikativen Alltags breiter Bevölkerungsschichten wird, ist ein Recht auf Remix eine grundlegende Voraussetzung für die Kunst- und Meinungsfreiheit einer Gesellschaft. Die Gegenwart ist jedoch geprägt von restriktivem Rechtemanagement und entgrenzter Rechtsdurchsetzung. Die Initiative “Recht auf Remix” möchte das ändern.

Auf dem 29C3 stellten wir euch die Cultural Commons Collecting Society (C3S) als Initiative zur Gründung einer GEMA-Alternative vor. Seit dem ist sehr viel passiert: Unter anderem ist mittlerweile eine Europäische Genossenschaft gegründet, die mit sechsstelligem Kapital aus einer Crowdfunding-Kampagne in das Jahr 2014 geht. Auf Seiten der GEMA sind angesichts der entstehenden Konkurrentin bereits erste Anzeichen für eine Kursänderung wahrnehmbar.

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Gewinner von Viva la FreevoluCCión stehen fest

Die Gewinner des diesjährigen Free! Music! Contest stehen fest, und der Sampler "Viva la FreevoluCCión" mit den 36 besten Titeln ist bei Bandcamp als name-your-price-Download zu haben. Zusätzlich wird es auch eine auf 1000 Stück limitierte Auflage physikalischer Datenträger geben.

Wir haben uns als Jury die Aufgabe nicht leicht gemacht, zumindest einige der Titel wurden kontrovers diskutiert. Bei anderen fiel die Entscheidung fast einmütig, so dass ich denke, auf dem Sampler ist ein qualitativ hochwertiger Querschnitt vertreten.

Mit "Seed" ist übrigens auch wieder ein Titel von texasradiofish dabei, wegen deren Song auf dem letztjährigen Sampler es einigen Ärger mit der GEMA gab, alles nachzulesen bei den Musikpiraten. Das ist durchaus recht unerfreulich, und es ist zu erwarten, dass es auch diesmal wieder Stress gibt.

Unter meinen ganz persönlichen Favoriten sind übrigens neben texasradiofish die Songs von Josh Woodward, Garmisch, Orxata, ZOE.LEELA und Christof Spanring. Aber hört am besten selbst!

C3S erreicht erstes Finanzierungsziel

Die C3S, die Cultural Commons Collecting Society, will in Zukunft eine Alternative zur GEMA werden. Das ist ein hochgestecktes Ziel, zu dem seit 2010 ein langer Weg führt. Aber die erste Etappe ist genommen, zumindest was die Finanzierung via Crowdfunding angeht. Wolfgang Senges von der C3S hat mir gemailt:

Binnen 19 Tagen unterstützten etwa 750 Kleininvestoren die C3S mit einer Summe von mehr als 50.000 EUR. Eine erste Finanzierung ist gewährleistet, doch das Ziel zum Aufbau der Verwertungsgesellschaft sind 200.000 EUR - bis zum 30. September.

Die Crowdfunding-Kampagne auf startnext.de läuft also weiter, denn Ende September soll eine Europäische Genossenschaft gegründet werden. Neben der finanziellen Unterstützung sind vor allem auch Musiker gefragt, sich zu beteiligen und Mitglied zu werden. Denn um als Verwertungsgesellschaft zugelassen zu werden, muss die C3S unter anderem ein paar Tausend Mitglieder vorweisen können.

Wenn ihr die C3S unterstützen wollt, könnt ihr das auf der Kampagnenseite tun. Das folgende Video fasst in gut drei Minuten die wichtigsten Ziele der C3S noch einmal zusammen:

Crowdfunding Feature: "C3S :: Die faire GEMA-Alternative / The fair alternative in collecting societies." from C3S on Vimeo.

Die GEMA-Vermutung im Petitionsausschuss des Bundestags

Wenn ihr, wie über 62.000 andere Mitzeichner, die Petition 35441 zur "Aufhebung der sogenannten GEMA-Vermutung" unterzeichnet habt, dann dürfte euch auch interessieren, dass bereits gestern die Anhörung dieser Petition im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags stattgefunden hat.

David Henninger, der ursprüngliche Petent, war leider verhindert und wurde von Christian Hufgard vom Musikpiraten e.V. vertreten. Beide zeigten sich im Anschluss an die Anhörung verwundert bis enttäuscht über die mangelnde Handlungsbereitschaft der Bundesregierung:

Seit 1989 wurden weit über tausend Petitionen an den Bundestag gerichtet, die sich mit verschiedenen Aspekten der GEMA befasst haben. Dennoch sieht die Bundesregierung hier keinen Handlungsbedarf. Es ist erschreckend, dass ein Monopolist wie die GEMA de facto unkontrolliert agieren kann. Wenn dann die Regierung noch die Sonderregelungen für den Monopolisten damit verteidigt, dass dieser die Rechte braucht, um als Monopolist erfolgreich zu sein, verliert man schon ein wenig den Glauben an die Demokratie.

Die Aufzeichnung der Sitzung ist in diversen Video- und Audioformaten abrufbar, und ich habe sie auch hier als Flash-Video eingebunden. Klickt am besten auf den zweiten Markierungspunkt, um direkt zum entsprechenden Tagesordnungspunkt zu springen:

Max Stadler (FDP), Staatssekretär im Bundesjustizministerium, hält die GEMA-Vermutung weiterhin für gerechtfertigt. Er sehe derzeit keine Möglichkeiten, das System insgesamt zu ändern. Auch Marcel Weiß vom Blog neumusik.com ist enttäuscht von "der knallharten, vollkommen kompromisslosen Durchsetzung" der GEMA-Vermutung durch die GEMA.

Unterdessen verkündet die GEMA eine Einigung im Tarifstreit über die GEMA-Vermutung. Darin seien mit Mitglieder der Verbände Verband Deutscher Musikschaffender, Deutsche Diskotheken Unternehmer sowie die Deutsche Disc-Jockey Organisation Preisnachlässe für fünf Jahre ausgehandelt worden. Laut einem Bericht auf golem.de lehnt der größte Unternehmensverband, der Dehoga, die Einigung ab. Er spricht vielmehr von einem Missbrauch der Monopolstellung.

Die Fronten scheinen nach wie vor verhärtet. Die Unbeweglichkeit der Bundesregierung bzw. des Justizministeriums ist in der Tat ärgerlich, war meiner Ansicht nach aber leider so zu erwarten. Damit sind Versuche, auf gerichtlichem Wege und auf dem Wege einer Petition Bewegung in die Sache zu bringen, vorerst erfolglos geblieben. Und die GEMA-Vermutung bleibt wohl erst einmal bestehen.

GEMA Popcorn holen!

Die Irritationen rund um die GEMA hören nicht auf, und manche reden bereits ironisch vom Jahr 2012 als dem "Jahr der GEMA". Jüngst wurde zum einen eine Tarifreform für Konzerte und Clubs angekündigt, aufgrund derer viele Clubs das Aus befürchten, weil die Abgaben dramatisch ansteigen. Dagegen gab es eine Demo in Berlin, und eine entsprechende Petition wurde bereits von über 180.000 Reformgegnern unterzeichnet.

Die Berliner Zeitung hat außerdem vorgerechnet, dass von den GEMA-Einnahmen hauptsächlich die oberen 3400 Mitglieder profitieren. Der Verteilungsschlüssel des so genannten "Pro-Verfahrens" sei daran Schuld, dass nur ein Bruchteil der abgeführten Gebühren z.b. bei einer Newcomer-Band ankämen.

Eine mögliche Alternative zur GEMA, die C3S, nimmt derweil konkretere Formen an. Nach dem Future Music Camp wurde die geplante neue Verwertungsgesellschaft auch auf der C'n'B Convention 2012 vorgestellt, und ein Barcamp zum Thema ist in Planung.

Die GEMA hingegen zeigt sich weiter unbeeindruckt und geht auch weiter gegen Musik unter Creative Commons-Lizenzen vor. Der Musikpiraten e.V. - Veranstalter des Free! Music! Contest 2011, in dessen Jury ich saß - wurde unlängst von der GEMA wegen Nutzung eines Creative Commons-Songs verklagt. Die Musikpiraten nehmen offenbar dankend an und

begrüßen diesen Schritt, da so die Gültigkeit der CC-Lizenzen im Zusammenhang mit pseudonymen und anonymen Veröffentlichungen erstmalig in Deutschland gerichtlich geklärt werden wird.

Außerdem

wird auch 2012 wieder ein Free! Music! Contest durchgeführt werden. Für die am 1. Juli startende Runde konnte der bekannte Schriftsteller Cory Doctorow als Schirmherr gewonnen werden.

Huzzah!

Update: Die de:bug hat ein ganz lesenwertes Interview zur Thematik mit Peter Hempel aus der Kommunikations-Direktion der GEMA geführt.

Was Musiker verdienen - und wie

Sven Regener

Vor ein paar Tagen, kurz bevor ich anfing dies zu schreiben, veröffentlichte der Musikpirat Christan Hufgard eine Studie über das Einkommen von Künstlern (auch als PDF) auf Basis von Zahlen der Künstlersozialkasse (KSK) und der GEMA. Diese zog einige recht kritische Reaktionen nach sich, insbesondere von Tobias Schwarz und Matthias Spielkamp auf irights.info und auf golem.de.

Das Durchschnittseinkommen von Künstlern liegt demnach etwas unter 14.000 Euro/Jahr, bei Musikern ist das Einkommen noch etwas geringer. Kernaussage der Studie war aber, dass der von interessierter Seite vermittelte Eindruck, durch die neuen Möglichkeiten des Internet habe sich die Einkommenssituation der betroffenen Künstler verschlechtert, so nicht zu halten sei. Vielmehr sei es sogar zu einer Zunahme der Einkommen gekommen.

Nun ist die Datenlage an einigen Stellen etwas wackelig, der Kausalzusammenhang zum Internet nicht unbedingt gegeben und die geäußerte Kritik ebenso interessant wie die Studie selbst. Festzuhalten bleibt meiner Ansicht nach, dass die finanzielle Situation der Künstler heute sich nicht dramatisch von der Situation vor 15 Jahren unterscheidet. Allerdings dürften sich die Einkommensquellen teilweise verschoben haben. So erzielen Indie Rock Composer-Performer nach Angaben der US-amerikanischen Future of Music Coalition fast ¾ ihrer Einnahmen im Rahmen von Live-Auftritten.

Wenigstens war das ein Versuch, die Debatte ums Urheberrecht mit ein paar Zahlen zu unterfüttern. Aber dann kam Sven Regeners Wutrede im Zündfunk auf BR2. Und jede Menge lesenswerte Repliken: hier, hier, hier oder hier, um nur einige zu nennen. Und wenn eins deutlich wurde: Die Debatte ist noch lange nicht beendet, vielleicht hat sie noch immer nicht richtig angefangen; und von einer Lösung sind wir auch noch weit entfernt.

Die Parteien beider Seiten stehen sich größtenteils mit ihren Maximalforderungen gegenüber, und noch ist wenig Bewegung auszumachen. Ich freue mich daher schon aufs Mannheimer Future Music Camp im JuniMai, wo das Thema sicher auch ausgiebig diskutiert werden wird. Und vielleicht werden auch konstruktive und kreative Versuche präsentiert werden, aus der aktuell eher festgefahrenen Situation herauszukommen.

Foto: cc-by-nc Thomas Regniet

Update 26.03.2012: Das Future Music Camp findet natürlich schon am 11./12. Mai 2012 in Mannheim statt, nicht erst im Juni (Danke, ubernoise).

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