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Lloyd Miller & The Heliocentrics

Platten-Cover von Lloyd Miller and the Heliocentrics Dr. Lloyd Miller, Musikethnologe, Multiinstrumentalist und Oriental-Jazzer, sorgt weiter für Furore. Zusammen mit den Down-To-Earth-UK-Funkern The Heliocentrics hat Miller nun "Lloyd Miller & The Heliocentrics" für eins meiner Lieblingslabels, nämlich Strut, aufgenommen. Die Heliocentrics, die unter anderen auch schon Ethio-Jazzer Mulatu Astatke begleiteten, beweisen darauf einmal mehr ihre musikalische und instrumentale Vielseitigkeit.

Miller, der seine erste Dixieland-Platte bereits 1950 aufnahm, interessierte sich zunehmend für persische und nahöstliche Musik, begann, die zugehörigen Instrumente zu lernen und hatte zum Höhepunkt seiner Popularität im Iran als Kurosh Ali Khan sogar eine eigene Fernsehshow. Er war in Europa und den USA quasi der Botschafter für diese Musik. Es ist Jazzman Records zu verdanken, die letztes Jahr eine Compilation seiner Stücke herausgebracht haben, dass der Old Jazzman Lloyd Miller wieder einem größeren Publikum bekannt wurde.

Nun also die Kollaboration mit den Heliocentrics. Es gibt wohl keine zweite Band, die so gut zu Millers Musik spielt, wie die Briten. Spiritual Jazz, Modal Jazz, Latin und Oriental Jazz - all dies haben sie im Repertoire und spielen mit heiterer Leichtigkeit und beeindruckender Präzision. Den Kompositionen Millers hört man den orientalischen Einfluss - Instrumentierung, Tonarten - nicht immer sofort an, manchmal schiebt er sich nur langsam durch das dichte musikalische Gewebe, das die Band ausbreitet.

Aber gerade das macht Millers Sound aus. Er ist die beinahe perfekte Symbiose zweier scheinbar unvereinbarer Soundwelten, der des (amerikanischen) Jazz und der der traditionellen persischen Musik. Das Miteinander funktioniert auf so wunderbare Weise, als müsse Musik immer so klingen. Eine gewisse Komplexität bleibt angesichts der überbordenden Kreativität nicht aus, aber genau das macht dieses Album so spannend. Beim nächsten Hören findet sich immer noch ein weiteres Detail, ein weiterer Schnörkel.

Drüben im Munitionen-Blog gibt's den Track "Fantasia Pt. 1" zum Download und bei Fly eine sehr lesenswerte Rezension. Wer selbst dann noch nicht überzeugt ist, sollte sich "Electricone" oben noch mal in Ruhe anhören.

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