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Herbie Hancock live in Mainz

Herbie Hancock und Band auf der Bühne

Jazz- und Funk-Legende Herbie Hancock hat gestern Abend im Mainzer Volkspark ein Konzert im Rahmen der "Summer in the City"-Reihe gegeben. Ich war in der glücklichen Lage, ein Ticket für den Open-Air-Gig geschenkt bekommen zu haben. Leider saßen bzw. standen wir ziemlich weit hinten, so dass auf dem Foto nur wenig zu erkennen ist (mehr und bessere Fotos hier von Herrn Eff).

Hancock wurde unterstützt von einer virtuosen Band: Großmeister Vinnie Colaiuta am Schlagzeug, der beninische Lionel Loueke an der Gitarre, die erst 24-jährige Australierin Tal Wilkenfeld am Bass, Greg Phillinganes an den Keyboards und Kristina Train an Geige und Gesang. Eine solche Besetzung bekommt man nicht alle Tage zu sehen und vor allem zu hören. Das musikalische Zusammenspiel klappte perfekt und war selbstverständlich extrem tight. Auch der Sound war wirklich herausragend.

Viele der während des zweistündigen Auftritts gespielten Songs stammten aus Hancocks jüngstem "Imagine Project". Das gleichnamige Album wurde an vielen verschiedenen Orten auf der ganzen Welt mit ebenso unterschiedlichen Musikern aufgenommen und enthält hauptsächlich Coverversionen von Songs wie John Lennons "Imagine" oder Sam Cookes "A Change Is Gonna Come". Bemerkenswert sind die Kollaborationen von afrikanischen Musikern wie Konono N°1 oder Tinariwen mit Seal, Los Lobos oder den irischen Chieftains.

Das ganz besondere Spannungsfeld, das durch diese Zusammenarbeiten geschaffen wurde, lässt sich live natürlich so nicht nachstellen. Zum Teil wurden die jeweiligen Gesangs- oder Instrumentalspuren vom Computer zur Livemusik eingespielt, was meist nicht weiter auffiel, manchmal aber doch einen etwas merkwürdigen Eindruck hinterließ. Insgesamt überzeugten aber die Songs und ihre Interpretationen vollends, und auch einige Herbie-Klassiker wie "Cantaloupe Island" durften nicht fehlen.

So verließen wir in der Abenddämmerung den Volkspark mit dem wohligen Gefühl, ein nahezu perfektes Konzert von einigen der weltbesten Musiker erlebt zu haben. Und Herbie Hancock bewies mit seinen 70 Jahren, dass er immer noch mit innovativen Konzepten vorangehen und spielerisch leicht beeindruckende Musik schaffen kann.

Update: Habe oben einen Link zu einem Fotoalbum bei Facebook eingefügt.

Enjoy Jazz 2008

Alle Jahre wieder blogge ich an dieser Stelle über das Enjoy Jazz-Festival in Heidelberg/Mannheim und nehme mir vor, zu möglichst vielen Konzerten ins Rhein-Neckar-Dreieck zu fahren. Was immer wieder scheitert. In diesem Jahr ist meine Auswahl aufgrund äußerer Umstände (Arbeit, hautpsächlich) deutlich eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Dennoch will ich hier schnell die Highlights aus meiner Sicht bzw. im Hinblick auf jüngere Künstler oder clubtauglichere Spielarten darstellen - ihr wisst, was ich meine. Das komplette Programm findet sich hier. Für weitere Empfehlungen verweise ich wie üblich auf den Jazzblogger, der ja deutlich näher am Geschehen ist.

Zur Eröffnungsparty kommen Booka Shade, Nils Wuelker stellt sein neues Album Turning the Page vor, Mr Scruff hat ein fünfstündiges Set angekündigt, Christian Scott tritt mit seinem Quintett auf, Christian Prommer's Drumlesson wird Clubhits auf "echten" Instrumenten interpretieren, DJ Krush will ein special set mitbringen, José James kommt aus Brownswood, King Britt schaut zusammen mit Ursula Rucker vorbei, Roots Manuva kommt live und mit grünem Schleim im Kopf und DJ DSL legt im Anschluss auf. Aber eigentlich ist es bei diesem hochkarätigen Programm Blödsinn, einzelne Konzerte herauspicken zu wollen. Die werden alle gut, egal ob Legenden wie Coleman oder Hancock auftreten, Nik Bärtsch aus der Schweiz, oder deutscher Nachwuchs. Man wird einen Besuch keinesfalls bereuen. Und ich werde trotz aller Widernisse versuchen, das eine oder andere Konzert mitzunehmen, schon der geistigen Gesundheit wegen.

North Sea Jazz Festival 2008 Lineup

Logo des North Sea Jazz FestivalsDas Lineup für die diesjährige Ausgabe des North Sea Jazz Festival ist seit ein paar Momenten raus. Bobby McFerrin wird Artist in Residence, Alicia Keys und Herbie Hancock sind weitere Headliner. Auch von Angie Stone, vom Brad Mehldau Trio, von Cassandra Wilson, Bobby Hutcherson, Buddy Guy und Sharon Jones & The Dap-Kings war schon länger bekannt, dass sie nach Rotterdam kommen werden.

Weiter mit dabei:

  • Freitag: Zuco 103, Bootsy Collins, Jill Scott, Matthew Herbert Big Band, Flat Earth Society meets Jimi Tenor, Fink, Mark Murphy
  • Samstag: Wayne Shorter, Roy Hargrove, Etta James, Chaka Khan, George Benson, Tower of Power, Deodato, Angelique Kidjo, José James, The Bad Plus, Soil & 'Pimp' Sessions, Acoustic Ladyland, Christian Prommer's Drumlesson, Lizz Wright, Renaud Garcia-Fons
  • Sonntag: Youssou N'Dour, Maceo Parker, Gnarls Barkley, The Mars Volta(?), Mark Ronson and the Version Players, Galactic, Sidsel Endresen, Lefties Soul Connection

Huiuiui, das ist wieder aller erste Sahne. Natürlich waren das noch lange nicht alle Konzerte, aber für mich auf den ersten Blick die Highlights. Ich werde diesmal leider nicht hinfahren können, man kann halt nicht alles haben. Stattdessen gucke ich mir voller Sehnsucht meine Fotos vom letzten Jahr an.

Die unterschätzte Tina Turner

Der Hammer ist ja, dass auf Herbie Hancocks noch relativ neuem Joni Mitchell-Tributealbum "River - The Joni Letters " niemand anders als Tina Turner den Song Edith and the Kingpin singt. Und zwar auf eine Art und Weise, die ich ihr nicht zugetraut hätte. Tina Turner wird unterschätzt, glaube ich, aber irgendwann wird sie wiederentdeckt werden, wie so viele Soul- und Funk-Musiker vor ihr. Allerdings unterschätze ich möglicherweise auch Joni Mitchell, mit deren Musik ich noch nie etwas anfangen konnte, oder aber Herbie Hancock hat's einfach drauf. Ihr könnt den Song Tina Turner - Edith and the Kingpin bei der Hype Machine hören.

Fender Rhodes-Werbung mit Herbie Hancock

Fender Rhodes Electric Piano

Wir schreiben das Jahr 1972. Herbie Hancock hat gerade eine Phase des Experimentierens mit elektronischen Musikinstrumenten und die Veröffentlichung der ersten beiden experimentellen Mwandishi-Alben hinter sich. Er will jetzt wieder erdiger, rauer, funkier klingen - und hat das Fender Rhodes Electric Piano als ideales Instrument dafür entdeckt. Mit den Headhunters arbeitet er am legendären '73er-Album Head Hunters. Unter Jazzern ist der Einsatz elektronischer Instrumente damals äußerst umstritten, viele reden vom Ausverkauf. Nicht so Hancock: Er macht sogar Werbung für das Fender Rhodes, das sich in der Folge tatsächlich als ein einflussreiches Instrument für das gesamte Jahrzehnt erweist. Diese Werbeaufnahmen kann man hier finden und anhören. Viel Spaß! [via Jazz and Conversation]

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