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Der Abmahnwahn geht weiter

Im Mittelpunkt diesmal: Mixtapes. Oder deren digitale Weiterführung im Web. Grundlegendes Element und aus der Hip Hop-Kultur nicht wegzudenken. Sollte man meinen, aber Sony, Warner und Universal sehen das offenbar anders. Im Auftrag dieser drei Majors mahnt eine Anwaltskanzlei in großem Stile Blogger ab, die bestimmte Mixtapes eingebunden oder verlinkt haben, weil diese Mixtapes Songs von Künstlern enthalten, deren Rechte bei den Majors liegen. Die Musiker selbst stehen schulterzuckend, hilf- und ratlos davor.

Ironischerweise hat es aber nicht nur Blogger getroffen, sondern auch MTV oder weitere größere Seiten, zum Teil von Musiklabels, mussten Mixtapes entfernen oder haben dies in vorauseilendem Gehorsam schon getan. Dies alles ist mit dem Fall Jako, der kürzlich die Gemüter erhitzt hat, kaum zu vergleichen, denn Jako hatte einen Ruf zu verlieren - Sony, Warner und Universal sind seit Jahren untendurch und agieren gänzlich ungeniert.

Ich kann nur noch den Kopf schütteln. In letzter Zeit hatte es den Anschein, als würden in die Musikbranche ganz langsam Vernunft und Realismus einkehren, aber davon scheinen alle noch Lichtjahre entfernt zu sein. Vielleicht geht es den Majors immer noch zu gut, weil die Leute™ sich immer noch größtenteils deren Bullshit feeden lassen. Vielleicht sind es auch die letzten verzweifelten Strohhalmklammerversuche einer ertrinkenden Branche. Jedenfalls kann es nicht sein, dass Menschen, die sich um eine positives Bild der betroffenen Künstler bemühen (aka Werbung), dafür auch noch bestraft werden. Und dass dieselben Künstler ebenfalls überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit sind und ein dermaßen antiquiertes Selbstbild haben. Leute, wacht endlich auf! Es reicht nicht, ab und zu einen Tweet rauszuhauen, wenn man sich den neuen Mechanismen verschließt, die die Musik gerade umkrempeln.

Als Blogger, der peinlich genau darauf achtet, selbst die bescheuertsten Regeln des Urheberrechts und der GEMA einzuhalten - und ich sage euch, es schränkt einen ganz schön ein, nicht immer das posten zu dürfen, was man gern posten würde (und ich meine damit nicht, irgendwelchen Kram zu Tauschbörsen hochzuladen, sondern ich rede vom Bloggen) -, komme ich mir reichlich verarscht vor. Wegen genau dieser erzwungenen Selbstbeschränkung ist mir eine Abmahnung glücklicherweise erspart geblieben. Nur ist mittlerweile offenbar niemand mehr sicher. Aber genug aufgeregt. Nur noch schnell der Hinweis auf ein paar ernstzunehmende Gedanken über Urheberrecht und digitale Kopierbarkeit und die ebenso ernstzunehmende Erinnerung daran, dass ihr am Sonntag eine Wahl habt.

tweetbackcheck