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"20 Jahre nach Techno": Frankfurt und die Musik

Flyer zur VeranstaltungHeute Abend findet im Orange Peel in Frankfurt (Main) unter dem Titel "Music was my first love" eine Diskussion über den "Klangraum Frankfurt: Ein Abend über Pop, Party und Politik zwanzig Jahre nach Techno" statt, die von Radiolegende Klaus Walter moderiert wird. Veranstalter ist der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen (ja, in Hessen ist Kommunalwahlkampf), und teilnehmen werden u.a. Jan Hagenkötter (INFRAcom!), Andreas Lucas (FunDaMental Studios) und Christian Arndt (VUT). Außerdem liegt Michael Rütten ein paar schwarze Scheiben auf. Worüber wird gesprochen?

Wie es um den Klangraum Frankfurt steht, ist die Frage, die nicht nur Radio-Eriwan interessiert: Es gab Zeiten, da war Frankfurt „the place to be“, ganz gleich ob es sich um Jazz, Klassik, Oper oder Techno handelte.
Was hat, was muss sich verändern, um für alle – zwischen Hoch- und Populärkultur – bessere Arbeits- und Kreativräume bereit zu stellen? Was sind, was sollten die Handlungsfelder einer Musikstadt „für alle“ sein? Und was kann und soll Politik leisten, damit Frankfurt wieder eine zentrale Rolle in einer von gewaltigen Umbrüchen geprägten Musik- und Kulturindustrie spielt?
Die Kreativwirtschaft ist als politisches Thema hip. Sind es die ganz unterschiedlichen Protagonisten auch – oder scheitert manches daran, dass das konkrete Verwaltungshandeln Spielräume verkleinert, anstatt sie offensiv auszudehnen? Mit unseren Gästen wollen wir an die Anfänge zurück – Und die Zukunft Frankfurter Musiklandschaften diskutieren.

Das Orange Peel ist in der Kaiserstraße 39, Beginn der Veranstaltung ist 20 Uhr, auf Facebook könnt ihr euch anmelden, und der Eintritt dürfte frei sein. Für Kurzentschlossene! ;) 

JazzNotJazz Festival 2009

Boozoo Bajou

Was vor zwei Jahren zum ersten Mal im Frankfurter Mousonturm über die Bühne ging, wurde am vergangenen Samstag mit Erfolg wiederholt: Das JazzNotJazz-Festival, initiiert von INFRACom!s Jan Hagenkötter und DJ-Hansdampf Michael Rütten. Während sich das Programm bei der Premiere über zwei Tage streckte, standen diesmal an nur einem Abend drei Acts auf der großen Bühne der ehemaligen Seifenfabrik. Aufgelockert wurde das Festival zudem durch die phänomenalen JazzCoTech Dancers aus London und den Ausklang mit DJ-Sets der Veranstalter.

JazzCoTech

Eröffnet wurde der Abend von Boozoo Bajou, dem Nürnberger Downbeat-Produzenten-Duo, das seine Musik nun aber in großer Besetzung als vielköpfige Liveband präsentierte. Das ist gerade Trend (vgl. Jazzanova, Sonar Kollektiv Orchester usw.) und funktionierte nicht nur bei den neuen Songs vom aktuellen Album Grains ganz prächtig, weil die Arrangements auch toll auf den entspannten Sound abgestimmt waren. Der Versuch der Stuttgarter Dublex Inc., ebenfalls mit Band aufzutreten, war hingegen nur zeitweise erfolgreich. Zu rockig, mit weniger Funk als sie verdient gehabt hätten kamen die Songs teilweise rüber; möglicherweise war das genauso gewollt. Mich haben aber besonders die JazzCoTech Dancers fasziniert, vier britische Urban Street Fusion Jazz Dancer, die sich ihre Moves als Autodidakten beigebracht haben. Im Vereinigten Königreich finden regelmäßig sogar Contests statt, aber die Geschichte ist auch eine rein britische. Umso schöner, die Jungs auch mal in Deutschland zu sehen.

Alice Russell

Endlich kam ich am Samstag zudem in den Genuss, einem Konzert von Alice Russell beiwohnen zu dürfen, was mir vor zwei Jahren leider wegen Zeitmangels verwehrt geblieben war. Live ist Alice einfach sensationell gut, daher ließ das Publikum sie auch erst nach zwei Zugaben gehen. Neben vielen Songs ihres neuen Albums Pot Of Gold spielte sie auch viele ihrer älteren Hits wie "Fly In The Hand", "Hurry On Now" sowie ihre Covers von "Seven Nation Army" und "Crazy". Absolut fantastisch. Morgen Abend tritt sie übrigens in Münster auf, am Mittwoch in Berlin, nicht verpassen!

Das JazzNotJazz Festival 2009 war eine rundum gelungene Sache, auch wenn das kurzfristig anberaumte Twitterer- bzw. Last.fm-User-Treffen an der Bar nicht so recht funktioniert hat (beim nächsten Mal klappt es!). Immerhin habe ich mich nett mit dem Kollegen Jazzmadass unterhalten - ein Real Life-Treffen war schon lange überfällig ;-) Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Festival. Bis dahin werde ich sicher noch das ein oder andere Konzert im Sinkkasten besuchen, bloß Tony Allen am Donnerstag schaffe ich leider nicht ....

Mulatu Astatke live in Frankfurt

Mulatu Astatke im Sinkkasten

Mulatu Astatke ist nicht erst seit Jim Jarmuschs großartigem Film Broken Flowers der bekannteste Vertreter dessen, was allgemein als "Ethio-Jazz" beschrieben wird. Damit ist eine musikalische Strömung gemeint, die etwa in den 1970ern damit begann, äthiopische Musik mit westlichen Jazz-Elementen zu verbinden. Ich habe Mulatu Astatke bereits im letzten Blogeintrag kurz erwähnt. Am Montag hatte ich das Vergnügen, den 65-Jährigen zusammen mit der britischen Funkband The Heliocentrics live im Frankfurter Sinkkasten zu erleben. Der Club war voller, als ich es an einem Montagabend erwartet hätte, aber dafür war das Publikum auch voll bei der Sache.

Die Heliocentrics sind eine super Band mit vielen Ideen und ungewöhnlicher Instrumentation, z.B. einem Cello. Und Mulatu Astatke? Mulatu ist zwar schon Mitte 60, aber hatte sichtlich Spaß an der Sache. Und er ist einfach ein genialer Musiker. Leider, leider war der Sound äußerst bescheiden, und von Astatkes Vibraphon-Spiel konnte man nur mit Mühe ein paar Töne erhaschen. Insgesamt hat sich das Konzert aber dennoch gelohnt. Neben Stücken vom neuen Album (das ich nach dem Konzert nicht auf Vinyl ergattern konnte - Mist!) gab es auch alte Hits, etwa das aus Broken Flowers bekannte "Yègellé Tezeta". Im übrigen war der Gig der Auftakt einer Konzertreihe von Jan Hagenkötter und Michael Rütten, die ich wohl nicht weiter vorzustellen brauche. Im April holen die beiden US3 nach Frankfurt, und auch von Jose James später im Jahr war zu hören. Hoffentlich können die beiden noch mehr interessante Künstler in den Sinkkasten locken.

Bei Flickr habe ich noch einige Fotos vom Konzert in Berlin zwei Tage später gefunden.

Quantic Soul Orchestra in Frankfurt

Noelle Scaggs und das Quantic Soul Orchestra

Gestern Abend im Frankfurter Sinkkasten: Will Hollands Quantic Soul Orchestra feat. Noelle Scaggs. Großartiges Konzert, als das Eis erstmal gebrochen war. Hätte ruhig noch deutlicher länger gehen können, und ich persönlich hätte gern mehr Material von den ersten beiden Platten zu hören bekommen. Aber die Mischung aus Soul, Funk, Salsa und Cumbia hat auch ordentlich eingeheizt, das Publikum war begeistert, und Michael Rütten und Jan Hagenkötter als DJs haben den Abend perfekt abgerundet. Warum spielen solche Bands eigentlich nicht öfter hier?

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