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José James singt Billie Holiday

Billie Holiday

Ich war ja gestern Abend im Kino, um mir "Sing! Inge, Sing!" anzusehen, den sehr interessanten Dokumentarfilm über die beinahe in Vergessenheit geratene deutsche Jazzsängerin Inge Brandenburg. In den 1950ern und 1960ern wurde sie häufig als deutsche Billie Holiday bezeichnet (und Caterina Valente galt vielen als deutsche Ella Fitzgerald[!]), erlangte aber natürlich nie deren Status. Apropos Billie Holiday .. ich hoffe, ihr verzeiht mir die holprige Einleitung ;-)

Billie Holiday zählt zu den bedeutendsten Jazzsängerinnen überhaupt und hat auch nach ihrem Tod im Jahr 1959 wahrscheinlich auf alle, die ihr nacheiferten, einen Einfluss gehabt. Das gilt auch für José James, der einige Titel von Billie Holiday neu eingesungen und in die Soundcloud hochgeladen hat: Yesterday I Had the Blues: The Music of Billie Holiday [via bklyn]

Mulatu Astatke live in Frankfurt

Mulatu Astatke im Sinkkasten

Mulatu Astatke ist nicht erst seit Jim Jarmuschs großartigem Film Broken Flowers der bekannteste Vertreter dessen, was allgemein als "Ethio-Jazz" beschrieben wird. Damit ist eine musikalische Strömung gemeint, die etwa in den 1970ern damit begann, äthiopische Musik mit westlichen Jazz-Elementen zu verbinden. Ich habe Mulatu Astatke bereits im letzten Blogeintrag kurz erwähnt. Am Montag hatte ich das Vergnügen, den 65-Jährigen zusammen mit der britischen Funkband The Heliocentrics live im Frankfurter Sinkkasten zu erleben. Der Club war voller, als ich es an einem Montagabend erwartet hätte, aber dafür war das Publikum auch voll bei der Sache.

Die Heliocentrics sind eine super Band mit vielen Ideen und ungewöhnlicher Instrumentation, z.B. einem Cello. Und Mulatu Astatke? Mulatu ist zwar schon Mitte 60, aber hatte sichtlich Spaß an der Sache. Und er ist einfach ein genialer Musiker. Leider, leider war der Sound äußerst bescheiden, und von Astatkes Vibraphon-Spiel konnte man nur mit Mühe ein paar Töne erhaschen. Insgesamt hat sich das Konzert aber dennoch gelohnt. Neben Stücken vom neuen Album (das ich nach dem Konzert nicht auf Vinyl ergattern konnte - Mist!) gab es auch alte Hits, etwa das aus Broken Flowers bekannte "Yègellé Tezeta". Im übrigen war der Gig der Auftakt einer Konzertreihe von Jan Hagenkötter und Michael Rütten, die ich wohl nicht weiter vorzustellen brauche. Im April holen die beiden US3 nach Frankfurt, und auch von Jose James später im Jahr war zu hören. Hoffentlich können die beiden noch mehr interessante Künstler in den Sinkkasten locken.

Bei Flickr habe ich noch einige Fotos vom Konzert in Berlin zwei Tage später gefunden.

Enjoy Jazz 2008

Alle Jahre wieder blogge ich an dieser Stelle über das Enjoy Jazz-Festival in Heidelberg/Mannheim und nehme mir vor, zu möglichst vielen Konzerten ins Rhein-Neckar-Dreieck zu fahren. Was immer wieder scheitert. In diesem Jahr ist meine Auswahl aufgrund äußerer Umstände (Arbeit, hautpsächlich) deutlich eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Dennoch will ich hier schnell die Highlights aus meiner Sicht bzw. im Hinblick auf jüngere Künstler oder clubtauglichere Spielarten darstellen - ihr wisst, was ich meine. Das komplette Programm findet sich hier. Für weitere Empfehlungen verweise ich wie üblich auf den Jazzblogger, der ja deutlich näher am Geschehen ist.

Zur Eröffnungsparty kommen Booka Shade, Nils Wuelker stellt sein neues Album Turning the Page vor, Mr Scruff hat ein fünfstündiges Set angekündigt, Christian Scott tritt mit seinem Quintett auf, Christian Prommer's Drumlesson wird Clubhits auf "echten" Instrumenten interpretieren, DJ Krush will ein special set mitbringen, José James kommt aus Brownswood, King Britt schaut zusammen mit Ursula Rucker vorbei, Roots Manuva kommt live und mit grünem Schleim im Kopf und DJ DSL legt im Anschluss auf. Aber eigentlich ist es bei diesem hochkarätigen Programm Blödsinn, einzelne Konzerte herauspicken zu wollen. Die werden alle gut, egal ob Legenden wie Coleman oder Hancock auftreten, Nik Bärtsch aus der Schweiz, oder deutscher Nachwuchs. Man wird einen Besuch keinesfalls bereuen. Und ich werde trotz aller Widernisse versuchen, das eine oder andere Konzert mitzunehmen, schon der geistigen Gesundheit wegen.

North Sea Jazz Festival 2008 Lineup

Logo des North Sea Jazz FestivalsDas Lineup für die diesjährige Ausgabe des North Sea Jazz Festival ist seit ein paar Momenten raus. Bobby McFerrin wird Artist in Residence, Alicia Keys und Herbie Hancock sind weitere Headliner. Auch von Angie Stone, vom Brad Mehldau Trio, von Cassandra Wilson, Bobby Hutcherson, Buddy Guy und Sharon Jones & The Dap-Kings war schon länger bekannt, dass sie nach Rotterdam kommen werden.

Weiter mit dabei:

  • Freitag: Zuco 103, Bootsy Collins, Jill Scott, Matthew Herbert Big Band, Flat Earth Society meets Jimi Tenor, Fink, Mark Murphy
  • Samstag: Wayne Shorter, Roy Hargrove, Etta James, Chaka Khan, George Benson, Tower of Power, Deodato, Angelique Kidjo, José James, The Bad Plus, Soil & 'Pimp' Sessions, Acoustic Ladyland, Christian Prommer's Drumlesson, Lizz Wright, Renaud Garcia-Fons
  • Sonntag: Youssou N'Dour, Maceo Parker, Gnarls Barkley, The Mars Volta(?), Mark Ronson and the Version Players, Galactic, Sidsel Endresen, Lefties Soul Connection

Huiuiui, das ist wieder aller erste Sahne. Natürlich waren das noch lange nicht alle Konzerte, aber für mich auf den ersten Blick die Highlights. Ich werde diesmal leider nicht hinfahren können, man kann halt nicht alles haben. Stattdessen gucke ich mir voller Sehnsucht meine Fotos vom letzten Jahr an.

José James bei Fabchannel

Eigentlich bin ich kein großer Freund von aufgezeichneten Livekonzerten, sei es im Fernsehen oder auf DVD. Es ist mir auch ein Rätsel, warum so viele Livemitschnitte über den Ladentisch gehen. Nun habe ich mir aber gerade das komplette Konzert von José James im Amsterdamer Paradiso vom 11. Januar 2008 angesehen (und nebenher Wäsche aufgehängt). Denn ursprünglich wollte ich mir seinen Auftritt in Frankfurt ansehen, was aber leider doch nicht geklappt hat. José James ist wohl einer der interessantesten Talente auf Gilles Petersons noch relativ jungem Brownswood-Label. Das Konzert, das von Fabchannel.com aufgezeichnet wurde, unterstreicht das ganz deutlich:

Fabchannel habe ich schon sehr lange auf dem Radar, allerdings aus den oben genannten Gründen immer nur am Rande. Das Unternehmen besteht bereits seit dem Jahr 2000 und wurde mit dem Ziel gegründet, unbekannteren Künstlern eine Plattform für Konzertvideos zu geben. Mittlerweile hat sich sogar die Stadt Amsterdam an Fabchannel beteiligt, und es stehen Hunderte Videos zur Verfügung. Stöbern lohnt sich also in jedem Fall, zumal die Qualität der Mitschnitte erstaunlich gut ist. Offenbar investiert man in hochqualitative Aufnahmetechnik, weil Konzerte auch als Live-Alben "zweitverwertet" werden sollen. Spricht ja auch nichts dagegen.

Brownswood Loves Jazz

Aus Berlin erreichen mich in letzter Zeit so viele Hinweise auf gute Konzerte, dass ich endlich mal auf einen Termin hinweisen muss. Ganz besonders die Agentur Best Works tut sich immer wieder mit hervorragend zusammengestellten Line-Ups hervor. So auch diesmal, denn morgen Abend stehen unter dem Titel Brownswood Loves Jazz ausgewählte Künstler von Gilles Petersons Brownswood-Label im Bohannon auf der Bühne: Soil & "Pimp" Sessions, José James, Elan Mehler und natürlich der Meister selbst als DJ. Manchmal wünsche ich mir wirklich, in Berlin zu leben. Aber nur manchmal.

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