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Souljazz Orchestra auf Tour

Cover-Ausschnitt Rising Sun

The Souljazz Orchestra aus Ottawa, haben nicht nur eins meiner Lieblingsalben 2010, Rising Sun, eingespielt, sondern beglücken uns auch mit einer recht ausführlichen Tour durch Deutschland. Dank ihrem sehr tanzbaren und partytauglichen Mix aus Afrobeat und Souljazz(!), werden sie auf allen Bühnen weltweit gefeiert.

Nach dem Konzert im Frankfurter Nachtleben steigt am Sonntagabend (10.04.) der Abschluss der Deutschlandtour im Karlstorbahnhof in Heidelberg. Tickets sind noch erhältlich und empfohlen für alle, die vor dem Start in die neue Woche noch einmal Energie tanken (oder loswerden) müssen. Ich jedenfalls freue mich schon wie blöd drauf!

Mehr dazu gibt's im Popkontext, bei regioactive, und vom Veranstaltungsort auf last.fm solltet ihr euch nicht verwirren lassen: Das Konzert findet definitiv im Karlstorbahnhof statt! Reinhören:

Trombone Shorty beim Enjoy Jazz in Heidelberg

Trombone Shorty und seine Orleans Avenue Band brachten gestern Abend im Rahmen des Enjoy Jazz-Festivals den ausverkauften Heidelberger Karlstorbahnhof nah an den Siedepunkt.

Trombone ShortySeinen Namen Trombone Shorty bekam Troy Andrews schon als kleines Kind, das kaum die Posaune halten konnte. Mittlerweile 24 Jahre alt, ist er Star einer neuen Generation von Musikern aus New Orleans, die nach der Flutkatastrophe vor fünf Jahren mit frischer Energie und ohne Berührungsängste zeigen, dass Soul, Funk und Rhyhtm & Blues eine Zukunft haben. Mit seinen eigenständigen Interpretationen von schweißtreibendem Soul à la James Brown, bluesrockig bratzenden Gitarrenriffs und einer tighten Orleans Avenue Band hinter sich begeisterte er gestern Abend in Heidelberg das Publikum restlos.

Der Hype um Trombone Shorty ist momentan offenbar größer als ich und auch als die Veranstalter erwartet hatten. Parkplätze waren rar, und die Zuhörer drängten sich wie selten zuvor in die zum Konzertsaal umgebaute ehemalige Bahnhofshalle. Mit entsprechender Verspätung legten die Musiker los, vergeudeten jedoch keine Minute mit Aufwärmübungen. Trombone Shorty hat den Entertainer im Blut, wechselte fliegend zwischen Posaune und Trompete - und während der Zugabe sogar ans Schlagzeug - und trieb seine Band zu sportlichen wie musikalischen Höchstleistungen an.

Höhepunkte der dynamischen Show waren (überraschenderweise) das Stück Something Beautiful, das er auf seiner aktuellen Platte Backatown mit Lenny Kravitz eingespielt hat, der Funkrock-Kracher Suburbia, und die Vorführung seiner Zirkularatmungs-Künste: Weit über eine Minute lang lässt "T-Bone Shawty" durchgehend einen einzelnen brillanten Ton im Raum schweben, bis die Band wieder einsetzt, dass die Wände wackeln. Zwischendurch scheut er sich auch nicht, Shakira zu interpretieren oder sich wagemutig ins Publikum zu stürzen.

Vergleiche oder Wortspiele mit Katrina verbieten sich eigentlich, drängen sich aber auf: Trombone Shorty kam über Heidelberg wie ein Hurricane. Das Enjoy Jazz hat wieder einmal Geschick bei der Auswahl der Künstler bewiesen (und ich freue mich schon auf KRS-One am Samstag!). Wer kann, sollte heute Abend die Möglichkeit nutzen, das Konzert im Münchener Ampere zu besuchen. Am Samstag ist Trombone Shorty nämlich schon wieder daheim in Louisiana und tourt anschließend durch die Staaten und Japan. Fazit: Das Album Backatown ist schon sehr gut, aber live ist Trombone Shorty einfach grandios.

Update: Auf Facebook gibt's ein paar tolle Fotos vom Konzert, die der kanadische Fotograf Gary Crallé gemacht hat. 

Enjoy Jazz 2010 Vorschau

Plakat Enjoy Jazz 2010Mein obligatorisches jährliches Vorschau-Posting zum Enjoy Jazz-Festival, das in diesem Jahr vom 2. Oktober bis zum 19. November stattfindet, ist langsam überfällig. Bleiben gerade noch sechs Wochen, bis es losgeht, und das Programm steht mittlerweile ziemlich komplett. Nachdem ich letztes Jahr ein wenig underwhelmed von der Auswahl der eingeladenen Musiker war, sieht es 2010 wieder besser aus.

Im folgenden zähle ich neun höchst subjektive Highlights des diesjährigen Enjoy Jazz auf. Da ich nicht jeden einzelnen Künstler kenne, dürft ihr mich in den Kommentaren gern zurecht- und auf Geheimtipps hinweisen! Außerdem lasse ich bewusst einige der ganz großen Namen weg; die müssen nun wirklich nicht mehr vorgestellt werden.

Jazz, Pop und Elektronik

Nik Bärtsch, der am 9.10. in der Alten Feuerwache in Mannheim auftritt, habe ich vor zwei Jahren an selber Stellte schon gesehen. Wie ihr hier nachlesen könnt, kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

The Bad Plus sind nicht zum ersten Mal zu Gast, aber immer wieder lohnend. Pophits treffen auf virtuosen Jazz, ganz großer Sport am 10.10 im Heidelberger Karlstorbahnhof.

Morcheeba sind nach ihrer Reunion mit neuem Album Blood Like Lemonade wieder da und auf Tour. Am 20.10. können sie in der Alten Feuerwache zeigen, ob sie es noch drauf haben. Vor Jahren habe ich die mal beim Mainzer Zeltfestival gesehen - das war sogar noch vor Zeiten dieses Blogs.

Esperanza Spalding. Mit Band. bzw. kammermusikalischer Begleitung. Das verspricht ein Hochgenuss zu werden am 22.10. in der Alten Feuerwache. Das kann die KonFerenz sicher bestätigen!?

Das Konzert von Oval könnte eins der spannendsten des Festivals werden. Markus Popp hat sein Projekt lange Jahre ruhen lassen, ist jetzt aber mit zwei EPs zurück, die ich leider immer noch nicht gehört habe. Man sagt mir aber, die seien unglaublich gut. Zu überprüfen am 29.10. im Karlstorbahnhof.

Hip Hop-Legenden und Power-Jazz

Jo, Kinners, und dann kommt am 30.10. KRS-One. Legenden wollte ich eigentlich nicht vorstellen, aber der große Teacher des Conscious Hip Hop darf hier einfach nicht fehlen. Zusammen mit MUSO im Karlstorbahnhof.

Anthony Joseph & The Spasm Band aus London machen Spoken Word unterlegt mit Afro-Funk, Calypso und Jazz. Wenn im Veranstaltungstext Fela Kuti und Gil-Scott Heron zitiert werden, geht das schon in Ordnung. Noch besser als die neueste Platte "Bird Head Son" gefällt mir aber das Debut "Leggo De Leon" von 2007 (auf Kindred Spirits). Am 6.11. im SRH Science Tower.

Am 7.11. brennt dann die Luft in der Alten Feuerwache! Soil & "Pimp" Sessions aus Japan habe ich letztes Jahr auf dem Worldwide Festival gesehen, und ich glaube, da ist tatsächlich niemand sitzen geblieben. Außerdem werden sie ein neues Album voller Power-Jazz im Gepäck haben. Don't miss!

Caribou hat im Frühjahr für eine der Platten des Jahres gesorgt. Electronica-Freaks und Indie-Hörer, alle können sich auf diese Musik einigen. Wer am 16.11. nicht in den Karlstorbahnhof kommen kann, hat am 5.12. noch einmal die Chance im Frankfurter Mousonturm.

Und sonst?

Herbie Hancock, McCoy Tyner, Brad Mehldau, Silje Neergard, Charlie Haden, Thomas Siffling, Tomasz Stanko, Manu Katché, Jan Garbarek, und und und ... hier ist das vollständige Programm zu finden. Wo geht ihr hin?

Truffaz, Singh, Murcof bei Enjoy Jazz 2009

Nun habe ich es also doch noch hinbekommen und war bei einem Konzert des diesjährigen Enjoy Jazz-Festivals im Heidelberger Karlstorbahnhof. Der französische Trompeter Erik Truffaz war wieder einmal zu Gast und hatte mit Talvin Singh an den Tablas und Murcof am Laptop zwei kongeniale Mitmusiker dabei. Was nach einer etwas gewagten Besetzung aussieht, funktionierte auf der Bühne allerdings sehr gut. Hintergrund dieses französisch-indisch-mexikanischen Trios sind die drei EPs, die Truffaz im letzten Jahr auf Blue Note Records (das übrigens gerade auf dem Jazzfest Berlin gebührend gefeiert wird) veröffentlicht hat: Benares, entstanden unter dem Eindruck von Kalkuttas Geräuschkulisse, Mexico, damals schon zusammen mit Murcof aufgenommen, und schließlich Paris. Das indische und das mexikanische Projekt hat Truffaz nun verschmolzen und damit einen musikalischen Bogen um die halbe Weltkugel gespannt.

Ein wenig skeptisch war ich schon, sind mir die Soundflächen von Truffaz' Trompetenspiel mitunter zu sphärisch und daher schnell langweilig. Meine Zweifel waren aber spätestens zerstreut, als Talvin Singh seinen Platz einnahm und die dringend benötigten perkussiven Elemente beisteuerte. Ein Fan seiner vielfältigen Experimente bin ich schon seit langem, und er ließ auch gestern nichts an Spielfreude vermissen. Die Fusion der unterschiedlichen musikalischen Einflüsse funktionierte prächtig, Musiker und Publikum hatten sichtlich Spaß und groovten spätestens beim Eintauchen in dubbig blubbernde Rhythmen gut mit. Ein schöner Abend, die Fahrt in die Kurpfalz hatte sich mal wieder gelohnt. Vor der Heimfahrt stärkte ich mich übrigens noch - in guter Tradition - mit einem Heidelburger ;-)

PS: Den Jazzblogger hab ich leider nicht getroffen, aber ich weiß, dass er sich ausgiebig mit Erik Truffaz unterhalten hat und demnächst auch drüber bloggen wird. Da gibt's dann bestimmt auch das eine oder andere leckere Foto. Augen offen halten!

Kieran Hebden und Steve Reid

Hier sitze ich nun, nachdem ich den ganzen Tag als Umzugshelfer geackert, Kisten geschleppt und Möbel aufgebaut habe, ziemlich erschöpft und tippe diese Zeilen in mein Blog, statt in Heidelberg den groovenden Klängen von Kieran Hebden und Steve Reid zu lauschen, wie ich eigentlich vorhatte. Irgendwie klappt das in diesem Jahr nicht mit mir und dem Enjoy Jazz. Wenn jemand die Güte hätte, in den Kommentaren zu berichten, was ich verpasst habe …

Agnes, Ruru und Nils wünsche ich jedenfalls viel Spaß in ihrer neuen Wohnung (damit sich die Schufterei auch gelohnt hat :-) )!

London Elektricity live in Heidelberg

London Elektricity

Zum Abschluss des diesjährigen Enjoy Jazz-Festivals in Heidelberg gaben die Londoner Live-Drum'n'Basser London Elektricity gestern Abend eine grandiose Party. Mastermind Tony Colman hat für die aktuelle Tour zum neuen Album Power Ballads neben Andy Waterworth am Bass die stimmgewaltige Liane Carroll, MC Wrec, The Jungle Drummer (an den Drums natürlich) und den bewährten Landslide um sich geschart. In dieser Besetzung brannte die Band vor einem ekstatischen Publikum im vollgepackten Karlstorbahnhof ein zweistündiges wicked Drum'n'Bass-Feuerwerk ab. Im Unterschied zum üblichen D'n'B stehen bei LE echte Songstrukturen im Vordergrund, die – live noch deutlicher als auf Platte – immer wieder jazzige oder funkige Einflüsse erkennen lassen. Dieses Konzept hebt sich nicht nur vom Einheitsbrei ab, sondern kam auf der Bühne wirklich gut, auch weil die Interaktion mit dem Publikum, das von MC Wrec immer wieder angeheizt wurde, hervorragend klappte. Herausragend auch Stimme von Liane Carroll, die nicht umsonst schon mit zwei BBC Jazz Awards ausgezeichnet wurde. Danke an London Elektricity für diese geniale Show, und eine Bitte an Tonys Frau Ai: If you had as much fun as we had, update your weblog at the great lekkyblog swindle, please! We'd like to hear from ya!

Update 13.11.2005: Checkt unbedingt das Video bei BlogTorrent, aufgenommen beim Gig in Tübingen. Aber nicht alle auf einmal, das Teil ist knappe 100 MB groß. Aber sowas von genial!!!

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