Home | Impressum | Kontakt | Twitter | Facebook | Spielwiese RSS-Feed

PENG findet Stadt

Geschrieben von Matthias GutjahrMittwoch, 11. August 2010

Unabhängige Kultur hat in Mainz wenig Chancen. Seit Jahren werden in schöner Regelmäßigkeit die zarten Sprößlinge alternativer Projekte erbarmungslos niedergetrampelt, häufig durch Schließung der jeweiligen Räumlichkeiten. Einerseits ist dies das inhärente Schicksal jedweder Zwischennutzung; andererseits wäre bei der Suche nach Ausweichplätzen die Kooperation und Hilfsbereitschaft der Stadt Mainz durchaus gefragt. Kultur darf sich hier nicht auf Gutenberg, Fassenacht und "Schuhtick" beschränken!

Das kulturelle Angebot ist einer Universitätsstadt, einer Stadt der Wissenschaft 2011, die eigentlich von und mit ihren weit über 30.000 Studenten leben sollte, unwürdig. Der - im wahrsten Sinne - Kulturschock, den ich erlitt, als ich Mitte der 90er fürs Studium aus Heidelberg nach Mainz kam, wirkt bis heute nach. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit haben seitdem zahlreiche junge Menschen kulturelle Nischen geschaffen und hartnäckig ausgeweitet. Die Unterstützung von seiten der Stadt hielt sich jedoch meist in Grenzen.

Seit vier Jahren bereits unterstützt der Verein PENG - Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation e.V. erfolgreich Mainzer Künstler und Kulturschaffende. Der Erfolg ist so groß, dass die Räumlichkeiten in der Reichklarastraße eigentlich schon lange zu klein sind. Diese Räume muss PENG nun zum 30. September verlassen. Bisher ist es trotz vieler leerstehender Gebäude in der Mainzer Innenstadt nicht gelungen, eine neue Location zu finden.

Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen und die vielseitige Arbeit der letzten Jahren einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, findet am Samstag, dem 14. August 2010, ab 12 Uhr unter dem Namen "PENG findet Stadt" ein Straßenfest vor dem Mainzer Rathaus statt. Zur Belebung und temporären Verschönerung des hässlichsten Mainzer Platzes wird so ganz nebenbei auch beigetragen. Zahlreiche Bands spielen auf, Tanz, Theater, ja sogar Zauberei wird aufgeführt, Lesungen werden abgehalten, und viele bildende Künstler stellen ihre Werke aus. Das gesamte Programm findet ihr hier.

Und damit nicht genug: Wer die Initiative von PENG auch online unterstützen möchte, sollte die Petition zur Förderung der kulturellen Infrastruktur in Mainz unterzeichnen. Die Petition richtet sich ausdrücklich an Mainz und seine Bürgerinnen und Bürger. Denn oft sind leerstehende Immobilien in Besitz von Privatleuten oder Firmen, die sich vielleicht erst durch vielstimmiges Drängen der Öffentlichkeit aufrütteln lassen. Lösungsvorschläge sind jedenfalls vorhanden.

Also: Petition unterschreiben und am Samstag nicht vom durchwachsenen Wetter abhalten lassen, in die Stadt zu gehen! Als kleine Einstimmung an dieser Stelle ein kleiner, souliger Mix von KingBossCheffsen, die vor Ort für gute Musik und gute Laune sorgen werden.

Tags für diesen Artikel: , , , , ,
0 Kommentare

Kunsthalle Mainz

Geschrieben von Matthias GutjahrSamstag, 8. März 2008

Eigentlich wollte ich längst über die Eröffnung der Kunsthalle Mainz am vergangenen Wochenende gebloggt haben, aber es hat ja auch lange genug gedauert, bis Mainz endlich ein Museum für zeitgenössische Kunst bekommen hat, da darf ich mir auch etwas Zeit lassen. Dazu kommt, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, denn ich hätte sicher einige schöne Bilder schießen können. So müsst ihr euch mit einem Foto begnügen, dass ich zwei Wochen vor der Eröffnung gemacht habe (mehr Fotos hier).

Kunsthalle Mainz

Die Eröffnungsausstellung war gar nicht schlecht, auch wenn es ein paar Exponate mehr hätten sein dürfen. Unter dem Thema Alle Zeit der Welt waren die Arbeiten von Jens Risch, Jürgen Krause und Christian Borchert für mich persönlich am interessantesten. Noch spannender war allerdings die Architektur der Kunsthalle, die in das ehemalige Kessel- und Maschinenhaus des Zollhafens eingezogen ist. Zusätzlich wurde ein um 7° geneigter Turm hinzugefügt, dessen Inneres ebenfalls durchgängig schräg steht. Nicht nur die Wände, sondern auch der Fahrstuhl widersetzen sich der Vertikalen — ein starkes, gelungenes Experiment.

Ich hoffe sehr, dass die Kunsthalle in Mainz ein Erfolg wird, dass sich die zukünftigen Ausstellungen mit der starken Konkurrenz im Rhein-Main-Gebiet mithalten können, und dass Mainz in künstlerischer Hinsicht etwas belebt wird. Nur mit historischen Museen ist es nämlich doch ziemlich langweilig. Außerdem sieht das angeschlossene 7° Café so aus, als könne man da gut ab und zu einen Kaffee trinken gehen.

Tags für diesen Artikel: , , , , ,
5 Kommentare
tweetbackcheck