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Collective Improvisation #7

Albumcover A Forest Mighty Black

Nach 17(!) Jahren scheint es demnächst tatsächlich ein zweites Album von A Forest Mighty Black (AFMB) zu geben. Der Nachfolger von "Mellowdramatic" wird "A Forest Mighty Black" heißen und soll Ende Februar auf Drumpoet Community erscheinen. Nach einer Reihe von 12″es wird sich das neue Album, das von Boogie, Soul und Funk durchdrungen ist, über drei Vinylschreiben erstrecken (Prelisten).

Ein Streit um den Streamripper-Dienst Youtube-mp3.org ging zuungunsten der Musikindustrie aus. Der Dienst extrahiert Tonspuren aus YouTube-Videos und bietet sie dann im MP3-Format zum Download an. Der Bundesverband der Musikindustrie ist mit sehr zweifelhaften Methoden dagegen vorgegangen, das wurde jetzt vom Landgericht Berlin untersagt.

Für Wiesbadener Jazz-Fans noch ein Veranstaltungshinweis: Im Rudersport 1888 findet am Freitag, dem 17.01.14, ein Konzert des International Trio mit Uwe Oberg, Joe Fonda und Erwin Ditzner statt. Die Location hatte sich bei der letztjährigen Premiere bewährt, daher macht der JazzArchitekt dort jetzt weiter.

Tomahawk - Audioplayer der Zukunft

Logo des Tomahawk-Players

Musikplayer-Software gibt es wie Sand am Meer. Musikdienste im Web auch, und gefühlt täglich kommen neue hinzu, zuletzt sorgten Google Music Beta und iTunes Match für Aufsehen. Bei den Playern stagniert die Entwicklung seit längerem. Fast alle können die lokale Musiksammlung abspielen, andere streamen Musik aus dem Netz, manche können auch beides. Die gespielten Tracks können zu last.fm gescrobbelt werden, Lyrics und Künstlerinfos werden aus dem Netz geladen und MP3s automatisch getaggt und mit Coverbildchen versehen. Das ist nun seit einiger Zeit schon state of the art, was die Verbandelung von Playern mit Web-Services angeht.

Ein neuer Stern am Himmel

Auftritt: Tomahawk. Der Tomahawk-Player bringt einige sehr aktuelle und zukunftsweisende Fähigkeiten mit. So ist es ihm relativ gleich, wo genau ein digitales Musikfile liegt. Er spielt es mit stoischer Neutralität ab. Anbieter wie Soundcloud, Spotify, YouTube und viele andere bieten Schnittstellen (APIs) an, über die Entwickler die dort jeweils vorhandene Musik anzapfen können. Tomahawk will das Schweizer Taschenmesser sein, mit dem viele dieser Dienste über eine gemeinsame Oberfläche abgefragt werden können. Ist ein gesuchter Musiktitel bei einem Dienst vorhanden, fängt Tomahawk an, diesen zu streamen und abzuspielen.

Zu diesem Zweck nutzt Tomahawk so genannte Resolver. Das sind Miniprogramme, die sich einfach wie Plugins hinzufügen lassen. Die Resolver kümmern sich im Hintergrund um den Login bei Spotify, um die Suche nach Titeln bei YouTube, last.fm oder bei Soundcloud. Da alle Resolver ähnlich funktionieren, sind sie für Programmierer relativ einfach zu entwickeln, so dass in Kürze mit Resolvern für viele Musikplattformen zu rechnen ist, wenn sich das Projekt weiter gut entwickelt.

"Tomahawk - Audioplayer der Zukunft" vollständig lesen

Eine kurze Geschichte des Musikhörens auf dem Computer

Screenshot meiner Präsentation auf dem Future Music Camp

Meine Session auf dem Future Music Camp 2011 in der Popakademie in Mannheim trug diesen doch etwas sperrigen Titel: "Eine Geschichte des Musikhörens auf dem Computer". Mir ist keine kürzere und bessere Beschreibung eingefallen, deshalb muss die Welt nun damit leben. In der Essenz ging es bei meiner Session darum, 18 Jahre nach Veröffentlichung des MP3-Formats zu überlegen, auf welchem Wege wir uns digitale Musik besorgen und anhören.

Der Schwerpunkt meiner Präsentation lag auf Download-Shops, Musik-Playern, Filesharing, Sozialen Netzwerken, Streaming und der Cloud. In der Diskussion kamen aber auch Themen wie Wasserzeichen in der Musikproduktion, Preisgestaltung verschiedener Shops, Aufmerksamkeitsökonomie und Nutzungsverhalten auf. Vielen Dank für den interessanten Input an alle Teilnehmer!

Meine These ist, und da waren wir uns nicht ganz uneinig, dass sich Musik immer mehr in die Cloud verschiebt, dass wir also Musik zunehmend nur noch streamen, ohne sie lokal und auf Dauer zu besitzen. Das tun wir gemeinsam mit unserem Netzwerk, also unseren realen wie virtuellen "Freunden" (z.B. über turntable.fm oder den MuMu Player). Gerade stellt Steve Jobs auf der WWDC 2011 unter anderem Apples neue iCloud vor. Apple hat dafür Verträge mit allen vier Majors (in den USA) abgeschlossen - und in Deutschland beschwert sich Simfy darüber beim Bundeskartellamt.

Es ist also jede Menge Bewegung drin in Sachen Musikstreaming aus der Cloud. Hier im Blog wird das auch in Zukunft ein Thema bleiben. Wenn ich es schaffe, werde ich meine Präsentation von Zeit zu Zeit aktualisieren.

Wie sieht es denn bei euch aus: Streamt ihr Musik, oder habt ihr lieber alles auf Festplatte/CD/Vinyl? Ist der Mix entscheidend? Wird Musik bald ubiquitär erhältlich sein? Und wie können Musiker dann noch Geld damit verdienen? Und welche epochalen Daten fehlen noch in meiner Timeline?

Ubuntu One Music Store

Die grundlegende Offenheit von Netlabels und Creative Commons sind für mich sehr wichtig, heute und sicher auch in Zukunft. Bei Betriebssystemen ist es die Offenheit von Linux, die ich ganz bewusst Windows oder den zunehmend restriktiveren Apple-OSs vorziehe. Auf allen meinen Computern läuft Linux, und zwar in der Regel die Distribution Ubuntu. Für den 29. April ist die nächste Ubuntu-Version mit Langzeit-Unterstützung (Codename: Lucid Lynx) angekündigt, aber natürlich kann man sich jetzt schon die Beta-Version installieren - zum Testen und Ausprobieren. Ich habe Lucid Lynx heute auf meinem Netbook installiert. Hauptsächlich, um mir den brandneuen Ubuntu One Music Store (kurz U1MS) ansehen zu können.

Screenshot der Startseite
Die Startseite des Ubuntu One Music Store innerhalb von Rhythmbox unter Ubuntu 10.04

Ein kommerzieller Music Store, integriert in ein kostenloses Betriebssystem: Passt das überhaupt zusammen? Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen. Vor knapp einem Jahr wurde mit Ubuntu One ein Dienst vorgestellt, der es ähnlich dem populären Dropbox ermöglicht, Daten in der so genannten Cloud abzulegen. Mit einem Account bei Ubuntu One lassen sich die dort gespeicherten Dateien dann auf unterschiedlichen Rechnern synchronisieren. Das ist praktisch, wenn man wie ich neben dem privaten Desktop-Rechner noch ein Netbook und einen Computer in der Firma stehen hat - alle mit Ubuntu. So kann ich an wichtigen Dokumenten weiterarbeiten, egal wo ich mich gerade befinde.

Unterdessen sammelte die weltweite Community in einem Online-Brainstorming Ideen zur Verbesserung und Erweiterung von Ubuntu. Die südafrikanische Firma Canonical, die Sponsor von Ubuntu ist, griff die Idee eines Music Store auf, der anders als viele andere (hier namentlich nicht genannte) Stores Musik in offenen Formaten und ohne Digital Restrictions Management (DRM) anbieten sollte. Nach längeren Verhandlungen einigte man sich schließlich mit der britischen Firma 7digital, die nach eigenen Angaben mehr als acht Millionen MP3s ohne DRM anbietet. Ein Kompromiss, weil viele Linux-User lieber Formate wie Ogg oder FLAC genutzt hätten, aber aufgrund der weltweiten Verbreitung von MP3 durchaus sinnvoll.

Bereits zuvor konnten Nutzer des Ubuntu-Musikplayers Rhythmbox und anderer Musikprogramme komfortabel freie Musik über die Portale Jamendo und Magnatune beziehen, aber mit dem U1MS ist nun auch die Musik bekannter Künstler auf kleinen und großen kommerziellen Labels erhältlich - gegen Bezahlung via Kreditkarte, ClickandBuy oder Paypal. Der Trick dabei ist, dass die gekauften Titel nicht sofort auf die heimische Festplatte heruntergeladen werden, sondern zunächst in die Cloud wandern. Von dort wird die Musik dann auf die angeschlossenen Computer synchronisiert.

Momentan ist der Speicherplatz bei Ubuntu One auf 2 GB Daten pro Nutzer beschränkt, aber das reicht fürs Erste ja auch, und man kann sich entweder mehr Speicherplatz kaufen oder eben Daten auf die lokale Platte transferieren. Ich habe noch ausreichend Platz, also bin ich gleich zu meiner ersten virtuellen Shopping-Tour in den neuen Store aufgebrochen. Die in Rhythmbox integrierte Oberfläche ist aufgeräumt und weitgehend selbsterklärend. Auf der Startseite werden einige Alben angeboten, der Shop lässt sich aber auch nach Künstlern, Titeln und Alben durchsuchen. Leider nicht nach Labels, was ich sehr praktisch fände, weil ich meine Lieblingslabels ja kenne und keine Neuerscheinung verpassen möchte.

Das Angebot ist noch nicht vollständig auf Deutsch übersetzt, aber was sich hinter "Just added" und "Browse" versteckt, dürfte eigentlich trotzdem klar sein. Ich finde beim Stöbern tatsächlich viel Musik, die mich interessiert, selbst sehr aktuelle Veröffentlichungen jenseits des Mainstream. Die neue Ramadanman EP ist da, das neue Sharon Jones-Album auch, Suff Daddys Gin Diaries kann ich vorbestellen - das überzeugt. Die meisten Tracks kosten 99 Cent, bei kompletten Alben gibt es etwas Nachlass. Das ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu teuer, aber momentan internetweit Standard und daher wohl angemessen. Immerhin verwöhnen viele Stücke das Ohr mit 320 kbit/s-Codierung, was nach wie vor nicht selbstverständlich ist.

Ich lege also Black Sands von Bonobo in meinem Warenkorb. Eigentlich wollte ich mir die auf Vinyl holen, aber jetzt kann ich mich nicht zügeln. Auf zur Kasse, auf den Paypal-Link geklickt und dort die Zahlung abgewickelt. Das läuft ja wie am Schnürchen, insbesondere weil ich sowieso schon bei Ubuntu One eingeloggt war, was automatisch erkannt wurde. Ich werde wieder in den U1MS geleitet. Das alles passiert wohlgemerkt innerhalb der Anwendung Rhythmbox, in die offenbar ein abgespeckter Webbrowser integriert wurde. Nun steht da: "Transferring to your Ubuntu One storage". Zurzeit dauert es unter Umständen noch einige Stunden (wie bei mir), bis die Musik endlich auf der heimischen Platte ist. Und auch dort sind die Dateien schwer zu finden: sie werden unter ~/.ubuntuone/Purchased from Ubuntu One/ abgelegt und nicht im normalen Ubuntu One-Verzeichnis.

Screenshot des Kopiervorgangs
Die Dateien werden vom Store in "meine" Cloud kopiert.


Als erfahrener Ubuntu-Nutzer ist mir völlig klar, dass es sich hier um Software bzw. einen Dienst im Test-Stadium handelt. Schließlich habe ich ja auch eine Beta-Version von Ubuntu installiert. Nur dass ich hier bares Geld bezahlt habe, stört mich dann doch etwas. Immerhin bin ich nicht der einzige, dem es so geht, denn es gibt bereits einen entsprechenden Bug-Report. Ich gehe davon aus, dass das Problem innerhalb kurzer Zeit behoben sein wird, wie es bei Open Source-Projekten häufig der Fall ist. Während ich diese Zeilen tippe, höre ich bereits Bonobo; es hat also alles geklappt. Daher noch einmal zusammengefasst:

Pro: Die Vorteile des U1MS sind im Prinzip die von iTunes, bloß ohne die Einschränkungen von Apples Musikladen. Musik kann direkt aus dem Player heraus erworben werden, und in Zukunft wird das nicht auf eine einzige Lösung beschränkt sein. Die Songs sind mit hoher Qualität codiert und nicht durch DRM eingeschränkt, so dass sie auf alle tragbaren MP3-Player kopiert werden können. Die Open Source-Lösung lässt auf weitere Anwendungen hoffen, die das Musikvergnügen noch vergrößeren.

Contra: Momentan wird das Vergnügen allerdings noch durch einige Bugs eingeschränkt, die hoffentlich bereits in den kommenden zwei Wochen behoben werden. Außerdem kann der Dienst nur unter Ubuntu mit dem Rhythmbox-Player genutzt werden (einkaufen bei 7digital geht natürlich auch übers Web). Formate wie Ogg oder FLAC für Qualitätsfetischisten sind kaum zu finden.

Unter Linux hat ein integrierter Music-Store wie der Ubuntu One Music Store zwar gefehlt. Vermisst habe ich ihn allerdings nicht, denn seit Jahren gibt es viele Alternativen (eMusic, Amazon MP3, Juno Download, Spotify, und eine ganze Menge anderer MP3-Shops), die ebenfalls einfach zu bedienen sind und sich verschiedener Geschäftsmodelle bedienen. Wenn Preis, Auswahl und Qualität stimmen, blickt der U1MS einer rosigen Zukunft entgegen. Ich kann mit vorstellen, dass in Zusammenspiel mit der Ubuntu One-Cloud ganz nette Dritt-Applikationen entstehen, die Zusatzfunktionen von außen an den Dienst dranflanschen. Während Apple sich zunehmend abschottet und immer mehr ZensurRestriktionen einführt, bietet der offene Ansatz von Ubuntu zumindest theoretisch ganz andere Möglichkeiten und findet täglich neue Freunde. Und nicht zuletzt belebt Konkurrenz ja das Geschäft. Ubuntu-Nutzer sollten sich daher den U1MS unbedingt genauer ansehen.

Screenshot der Ubuntu One-Webseite mit der Liste meiner gekauften Titel
So sieht der Inhalt meiner Musik-Cloud schließlich im Webbrowser aus.

PS: Wenn ihr noch Fragen zum U1MS habt, aber die Beta noch nicht installieren wollt - schreibt sie in die Kommentare. Außerdem würde mich eure Einschätzung interessieren. Geht Canonical den richtigen Weg, oder widerspricht der U1MS der Philosophie von Ubuntu?

Amazon MP3 Download

Kein Aprilscherz! Ich habe lange darauf gewartet, und nun ist der Tag gekommen, da Amazon auch in Deutschland Musikdownloads anbietet. Die Preise sind nach meinem ersten Eindruck ganz in Ordnung, momentan gibt es - vermutlich als Eröffnungsangebot - viele so genannte "Top-Alben" für weniger als fünf Euro zu kaufen. Vermutlich wird sich das bald ändern. Dennoch scheint Amazon etwas günstiger zu sein als die meisten Alternativen und bietet offenbar MP3-Dateien mit 256 kbit/s zum Download an - versehen mit einem eindeutigen Wasserzeichen, um die Verbreitung in Tauschbörsen unattraktiver zu machen.

Natürlich musste ich das gleich ausprobieren und habe mir das Album Éthiopiques - Ethio Jazz & Musique Instrumentale 1969-1974 mit vielen Songs von Mulatu Astatke in den Warenkorb gelegt. Nach dem Einloggen ging es aber nicht direkt weiter zum Checkout, sondern ich bekam überraschenderweise das Amazon-MP3-Download-Tool zur Installation angeboten. Für Ubuntu (oder Alternativ für andere Linux-Distributionen) als Debian-Paket, das sich inklusive zweier Abhängigkeiten problemlos installieren ließ. Im Anschluss musste ich etwas nach dem mickrigen Link suchen, der mich zur Zahlungsbestätigung führte, konnte dann aber den Kauf abschließen. Der Download öffenete sich wunschgemäß im Downloader und rauschte sehr flink auf meine Platte. So muss das eigentlich immer funktionieren.

Screenshot vom Amazon MP3-Downloader

In den Vereinigten Staaten und, wenn ich mich nicht irre, auch in Großbritannien hat Amazon schon viel Erfahrung bezüglich des Download-Angebots sammeln können. Das kommt uns in Deutschland nun zu Gute. Bleibt zu hoffen, dass die Preise weiterhin auf einem erträglichen Niveau bleiben und das Angebot weiter ausgebaut wird.

Jazzified And Novel

Die sage und schreibe 25. Ausgabe des Mercedes-Benz Mixed Tapes ist heute erschienen, und damit kehrt das Mixed Tape sozusagen zu seinen Ursprüngen zurück, den die Songs stehen diesmal unter dem Motto "Jazzified". Mit solchen Nummern hat das Mixed Tape einmal ganz klein angefangen. Mit dabei diesmal u.a. die Kölnerin Sosue, Mishoo The Drumkit mit einem Track, der von Comfort Fit produziert wurde, welcher selbst mit einem brandneuen Titel vertreten ist.

Apropos Comfort Fit. Seine legendäre Forget and Remember LP erschien vor knapp vier Jahren auf dem Label Tokyo Dawn, um das es im Anschlus etwas ruhiger geworden war. Bis jetzt, denn nun ist die Tokyo Dawn-Webseite relauncht worden. Das Witzige am Relaunch ist, dass fast alle Inhalte aus externen Quellen wie der Wikipedia, Twitter, YouTube, Flickr oder SoundCloud eingebunden werden. Ein interessantes Konzept, das zwar anderswo schon ähnlich, aber nicht ganz so konsequent umgesetzt wurde. Außerdem lässt ein neuer Webauftritt doch auch auf neue Releases hoffen, oder?

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