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Collective Improvisation #6

Beginnen wir heute mit zwei Artikeln aus der De:Bug. Zum einen ist Musik-Streaming nun Teil der deutschen Single-Charts, und gesonderte Streaming-Charts gibt es nun auch. Während mir die Charts relativ egal sind, verdeutlicht diese Entscheidung der Musikindustrie, wie bedeutend Musik-Streaming mittlerweile geworden ist. Der Download von gekauften Musiktiteln geht hingegen wieder zurück.

Diese Verschiebung wird auch als ein Grund dafür angesehen, dass alle Indie-Labels zusammen im letzten Jahr (in den USA?) mehr umgesetzt haben als jeder einzelne Major. Was "Indie" allerdings über die Labels hinaus für eine Bedeutung hat, darüber kann nur spekuliert oder auf eine Erklärung von Diedrich Diederichsen gehofft werden ;-)

Der folgende Mix geht mir gerade ganz gut rein. Matt Earp erzählt im Blogpost New Leaves: A Mix of 2013 Artists and Music to Inspire Your 2014 auch, warum er genau diese Tracks dieser Künstler ausgesucht hat.

Shigeto‘s the man. Do we really need to write any more than that? I think not.

Oh, und Vimeo stellt einen neuen, überarbeiteten Player vor. Die wichtigsten neuen Features listet das Netzfilmblog auf.

Nachtrag: Das will und kann ich euch einfach nicht vorenthalten, auch wenn's schon etwas älter ist. Einfach nur feiern :-)

Spotify wächst - aber wer profitiert davon?

Illustration von Spotify

Spotify hat vor kurzem die Marke von 1 Million Abonnenten geknackt. Zahlende Abonnenten, um genau zu sein. Wenn jeder von denen einen Zehner pro Monat abdrückt, könnt ihr euch ja selbst ausrechnen, was die auf diese Weise umsetzen. Auf der anderen Seite hat sich jemand hingesetzt und analysiert, wieviel Kohle Spotify pro Stream, d.h. pro gespieltem Song, ausschüttet: Zwischen 0,019 und 0,85 US-Cent! Unklar ist, nach welchem Schlüssel diese Werte berechnet werden. Die Analyse stützt sich auf Beobachten von außen - mehr dazu hier.

Bust All Majors? Srsly?

Bust All Majors-Grafik

Seit gestern macht eine vermeintlich witzige Aktion die Runde, die sich über die nervigen Sperren der ContentmafiaMusikindustrie lustig macht. Ihr wisst schon, "Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar" auf YouTube und anderen Seiten. Mich stört auch, dass ich viele Inhalte einfach nicht ansehen kann, aber trotzdem ist die Aktion Bust all major labels ziemlich daneben.

Kurz zur Funktionsweise: Blogbetreiber bauen ein kleines Javascript in ihre Seite ein, das von der Seite bustallmajors.com geladen wird. Ruft nun ein Besucher das Blog auf, wird seine (des Besuchers) IP-Adresse an bustallmajors.com übermittelt. Dort wird mittels einer whois-Anfrage an whois.ripe.net  abgefragt, ob die Domain (des Besuchers) zu Sony, EMI, Universal, Warner oder zur GEMA gehört. Falls das so ist, also der Besucher des Blogs beispielsweise in einem Büro von EMI sitzt und von dort aus im Internet surft, wird ein Overlay über das Blog gelegt. Folge: Der EMI-Mitarbeiter kann sich die Seite nicht mehr richtig ansehen. So die Idee hinter der Chose.

Während die Aktion auf Twitter eine virale Lawine auslöst, reagieren einige (etablierte) Blogs verhalten. Manche zweifeln daran, dass so etwas überhaupt funktioniert, andere halten die Aktion für einen Hoax. Die Skepsis rührt vor allem daher, dass hinter Bust all major labels die Nerdindustries GbR aus Hamburg sitzt, die Produkte zum Monitoring von Online-Kampagnen herstellt und vertreibt. Zu ihren Kunden gehören unter anderen große Agenturen wie BBDO, Saatchi & Saatchi und Jung von Matt (über die darf sich jeder gern selbst eine Meinung bilden).

Nun ist es ja ganz offensichtlich Kerngeschäft von Firmen wie Nerdindustries, auch im Social Media-Bereich Aufmerksamkeit zu erzeugen und damit umgehen zu können. So gesehen ist ihnen mit dieser Aktion ein richtiger Coup gelungen, wenn sie auch mit dem Ausmaß momentan etwas überfordert scheinen. Ein wenig von dieser Aufmerksamkeit dürfte immerhin auch für die eigentliche Problematik der Contentsperren abfallen.

Ich habe mir mal die TOP 100-Internetdienstanbieter angesehen, über die im letzten Monat Besucher hier ins Blog gelangten. Von den oben genannten Majors ist keiner dabei, lediglich Jung von Matt ist zweimal dabei. Das Blockierskript hätte also nie angeschlagen, selbst wenn ich es eingebaut hätte. So gesehen ist die Aktion ein ziemlicher Fail! Außerdem lässt sich die "Sperre" recht einfach umgehen.

Allerdings wären die IP-Adressen sämtlicher Besucher an Nerdindustries übertragen worden, wenn ich das richtig sehe. Und das sollten sich alle, die das Skript auf ihre Seite setzen, mal vor Augen führen. Stichwort Datensparsamkeit. Weist ihr eure Besucher denn auch alle darauf hin, dass ihr dieses Skript auf eurer Seite habt?

Des Weiteren ist IMHO das Skript selbst problematisch - abgesehen davon, dass der Quellcode schlimm aussieht; keine besonders gute Werbung für die Produkte von Nerdindustries. Denn die ständigen whois-Abfragen könnten gegen die Nutzungsbestimmungen der RIPE Datenbank. Diese Datenbank ist dafür gedacht, die Koordination unter Netzwerkbetreibern zu erleichtern, Betrugsfällen nachzugehen oder Reverse DNS-Abfragen zu machen - aber nicht, um in großen Ausmaß persönliche Daten abzufragen. Korrigiert mich bitte, wenn ich damit falsch liege. Bei Netzpolitik sieht man das übrigens ganz ähnlich!

Überhaupt ist das Problem der Contentsperren ja komplexer, als es ein Stinkefinger ausdrückt. Denn GEMA und YouTube schaffen es einfach nicht, sich darauf zu einigen, wieviel Geld YouTube an die GEMA zu zahlen hat. Die Videos selbst werden aber im Auftrag der jeweiligen Labels gesperrt. Aber lest euch dazu für den Anfang einfach mal die Kommentare zum Netzpolitik-Artikel durch.

Wie so häufig in letzter Zeit (vgl. Wir sind Helden u.ä.) sind solche Hypes also mit Vorsicht zu genießen. Denn sie dienen im Endeffekt meist den Interessen derer, die vordergründig "bekämpft" werden sollen. Also bitte, rennt nicht wie die Lemminge hinter jedem Trend her, sondern hinterfragt erstmal, was da eigentlich passiert. Medienkompetenz und so. Sonst gibt's irgendwann wirklich noch den Internetführerschein ;-)

PS: Es gibt tatsächlich schon Leute, die damit begonnen haben, die IPs der Majors zu sammeln, um ein "richtiges" Blockierskript zu schreiben.

Neue Geschäftsmodelle für Musik

all2gethernow2010-4.jpg

Diese Woche ist Berlin Music Week, die Konferenz all2togethernow (a2n) ist ein Teil davon, und das a2n_camp ist wiederum ein Teil der Konferenz. Dieses Camp hat gestern in der Kulturbrauerei stattgefunden. Ich konnte es nur aus der Ferne verfolgen über Video-Streams und Twitter. Vieles war so naja, aber dann gab es doch wieder einige Highlights, die ich allerdings nicht live sehen konnte. Ich kann ja nicht den ganzen Tag vor der "Glotze" sitzen ;-) Hoffentlich werden die Videos bald zum nachträglichen Ansehen angeboten.

Interessant fand ich vor allem die immer wiederkehrenden Diskussionen zum Thema Geld verdienen mit Musik im Internet. Die Bandbreite reichte von Creative Commons über Twitter-Workshops für Musiker bis zu neuen Geschäftsmodellen. Eins dieser vielleicht gar nicht mehr ganz so neuen Geschäftsmodelle heißt Freemium. Darüber hat Stefan Peter Roos - vermutlich wie immer treffend und präzise - referiert und nun seine Slides zur Verfügung gestellt:

Außerdem hat Marcel Weiß of netzwertig- und neunetz-Fame passend zur all2gethernow ein neues Blog namens neumusik.com gestartet, das sich mit dem "neuen Musikbusiness" befassen will (dort habe ich auch die Slides gefunden). Ich zitiere

Das Internet verändert die Musikbranche. neumusik.com begleitet die Entwicklungen, Trends und neuen Möglichkeiten in der Musikwelt. Wir stellen Webdienste für Musiker und Webdienste für Musikfans vor, beleuchten die sich verändernden Aufgabenfelder für Labels und betrachten die neuen Geschäftsmodelle für Musiker.

Ansatzweise gab es auch hier im Blog schon Artikel dazu, aber eben nur am Rande. Ich bin gespannt, wie es bei neumusik weitergeht und wünsche viel Erfolg!

Uwu-Lena-Schland

Die Fußball-WM und Lena verkaufen zurzeit beinahe alles. Das hat sich wohl auch Tagesspiegel-Redakteur Michael Rosentritt gedacht, als er die Analyse "Deutschland kickt, wie Lena singt" anstellte. Das hatte aber auch die Münsteraner Studenten-Fun-Band Uwu Lena gemerkt, die Lenas Beitrag zum Eurovision Song Contest zu "Schland o Schland" umgetextet hatte. Diese Version wurde über Youtube und andere Social Media-Kanäle so rasant populär, dass Universal Music, das die Rechte am ESC-Siegerlied "Satellite" besitzt, sich gezwungen sah einzuschreiten bzw. Anwälte einschreiten zu lassen. Was die zu erwartenden Proteste auf Facebook und Twitter nach sich zog.

Nun ist Tausendsassa Stefan Raab aber nicht nur Autor eines weiteren Lena-Songs und, nebenbei bemerkt, auch Inhaber der Wortmarke "Schland", sondern auch ein cleverer Kopf mit einer sensiblen Spürnase für Trends und deren Vermarktung. Und er hat in seiner bisherigen Laufbahn wohl entscheidend zur Popularisierung nicht ganz ernst gemeinter Songs und Coverversionen beigetragen. Ich stelle daher einfach mal die Behauptung auf, dass Raab das (kommerzielle) Potential des Uwu Zela-Songs sofort erkannt hat.

Damit scheint Raab auch die Plattenbosse überzeugt zu haben. Er hat denen vermutlich erstmal klarmachen müssen, dass es sehr viel intelligenter ist, den Song selbst zu verkaufen als zu versuchen, ihn vom Erdboden wegzuklagen. Oder hat Universal die Anwälte von allein zurückgepfiffen? Jedenfalls hat die Plattenfirma eine Drehung um 180 Grad vollzogen und veröffentlicht die Single in drei Tagen ganz offiziell. If you can't fight 'em, buy 'em. Eine Win-Win-Situation sozusagen!?

Vielleicht merkt die Musikindustrie ja, dass Remixen gar nicht so böse ist. Und dass sie bei Fanvideos nicht immer der Verbots-, Abmahn- und Anwaltskeule schwingen sollte, sondern sich für die Kreativität öffnen sollte. Für Uwu Lena stellte sich die Situation andererseits wohl so dar, dass sie entweder mit Universal kooperieren oder aber den Song einstampfen konnten. Nach der Entscheidung für den Plattenmulti dürften sie zumindest für drei, vier Wochen deutschlandweit sehr bekannt werden und auch den einen oder anderen Euro dazuverdienen. Für eine Studentencombo eine tolle Sache. Und Universal hat sogar was für das eigene Image getan.

Ich behaupte nicht, dass wir hier Zeuge eines Paradigmenwechsels werden. Dafür ist die Lage rund um Urheberrechte, Remixe, Sample-Clearing, Lizenzgerangel, Musik-Kopien mittlerweile zu verfahren. Aber in der Tat könnte Kooperation statt Inkrimination einen teilweisen Ausweg aus der Misere aufzeigen. Cory Doctorow übrigens beschreibt diese Möglichkeit anhand eines anderen Beispiels (Disney) ganz anschaulich in seinem neuesten Roman Makers. Ist zwar Fiktion, aber vielleicht gar nicht so weit entfernt von der Realität.

Das Schwedische Modell

Sieben schwedische Labels proben den Aufstand. Sie wollen gemeinsam nach neuen Geschäftsmodellen für ihre Musik suchen und dabei Filesharing explizit nicht verteufeln. Filesharing sei nunmal da, und man müsse es einfach akzeptieren. Bisher sind aber noch keine weiteren Details über Ziele und konkrete Ausrichtung Initiative bekannt. [via]

Logo. The Swedish Model

The Swedish Model is a newly created cooperation and discussion platform consisting of 7 Swedish independent record labels. We have a common agenda. We want to restore focus on the music. We believe in the future. We are doing this because we want to bring forward good music and will do this as long as there are creative people. The creative will not stand and fall with an economic model or a physical product.

Mit von der Partie sind folgende Labels: Adrian Recordings, A TenderVersion Recording, Flora & Fauna, Hybris, I Made This, Nomethod Records und Songs I Wish I Had Written

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