So, nachdem der Rummel um die Veröffentlichung von Radioheads neuem Album In Rainbows etwas abgeebbt ist, können wir ja mal einen kurzen Blick zurück riskieren. Kurz als Zusammenfassung für alle, die es tatsächlich nicht mitbekommen haben: Radioheads Vertrag mit ihrer Plattenfirma EMI war nach sechs gemeinsamen Alben ausgelaufen, einen neuen Vertrag haben die Engländer nicht abgeschlossen. Stattdessen entschieden sie sich, ihr siebtes Album ab dem 10. Oktober 2007 per Download zu veröffentlichen und Anfang Dezember eine aufwändig gestaltete Box mit CDs, 12″s und Booklet nachzuschieben. Den Preis für den Download sollten die Kunden selbst festlegen können. Damit schlägt die "Firma" Radiohead neue Wege ein, steht damit allerdings nicht allein da. Auch Trent Reznors Nine Inch Nails, Prince, Jamiroquai und aktuell Madonna (das Geld wird mit fetten Auftritten gemacht) und Oasis wollen ähnliche Modelle ausprobieren, nichts mehr mit Plattenfirmen zu tun haben (beim Musikdieb gibt's eine längere Liste samt ausführlicher Diskussion).

Doch zurück zu In Rainbows. Viele Fans dürften sich dafür entschieden haben, das Album kostenlos herunterzuladen, denn selbst bei einem geringen Betrag wären noch eine Transaktionsgebühr und der zusätzliche Aufwand für den Bezahlvorgang hinzugekommen. Manche zahlten aber auch deutlich mehr und bekommen dafür jetzt was anderes kostenlos - Werbung. Der massive Ansturm machte die Radiohead-Seite zur meistbesuchten Bandseite in Großbritannien und setzte den Radiohead-Server zeitweise außer Gefecht, teilweise kam es wohl auch zu Verzögerungen bei der Zustellung des Freischaltcodes, aber mittlerweile dürften die meisten das Album haben. In Rainbows ist vielleicht nicht das beste Radiohead-Album bisher, dafür hat die Band die Messlatte einfach schon zu hoch gelegt. Aber es ist auf jeden Fall eines der besseren Alben dieses Jahres überhaupt, so viel kann ich nach ein paarmal Hören schon sagen. Die MP3s sind leider nur mit 160 kbit/s komprimiert, was definitiv unter Standard ist. 192 kbit/s wären angebracht gewesen, viele DJs spielen in Clubs nichts unterhalb von 320 kbit/s. Für diese Qualität zahle ich auch nicht mehr als nichts. Und ob ich mir die - zugegeben sehr ansprechende - Discbox für knapp 60 Euro holen werde? Mal sehen. Aber eins steht fest: Die großen, sprich: finanzstarken Künstler setzen Zeichen, manche sprechen von Revolution, und die Plattenfirmen müssen echt aufpassen (schon wieder!), dass sie die Entwicklung nicht verschlafen.


