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Ubuntu One Music Store

Die grundlegende Offenheit von Netlabels und Creative Commons sind für mich sehr wichtig, heute und sicher auch in Zukunft. Bei Betriebssystemen ist es die Offenheit von Linux, die ich ganz bewusst Windows oder den zunehmend restriktiveren Apple-OSs vorziehe. Auf allen meinen Computern läuft Linux, und zwar in der Regel die Distribution Ubuntu. Für den 29. April ist die nächste Ubuntu-Version mit Langzeit-Unterstützung (Codename: Lucid Lynx) angekündigt, aber natürlich kann man sich jetzt schon die Beta-Version installieren - zum Testen und Ausprobieren. Ich habe Lucid Lynx heute auf meinem Netbook installiert. Hauptsächlich, um mir den brandneuen Ubuntu One Music Store (kurz U1MS) ansehen zu können.

Screenshot der Startseite
Die Startseite des Ubuntu One Music Store innerhalb von Rhythmbox unter Ubuntu 10.04

Ein kommerzieller Music Store, integriert in ein kostenloses Betriebssystem: Passt das überhaupt zusammen? Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen. Vor knapp einem Jahr wurde mit Ubuntu One ein Dienst vorgestellt, der es ähnlich dem populären Dropbox ermöglicht, Daten in der so genannten Cloud abzulegen. Mit einem Account bei Ubuntu One lassen sich die dort gespeicherten Dateien dann auf unterschiedlichen Rechnern synchronisieren. Das ist praktisch, wenn man wie ich neben dem privaten Desktop-Rechner noch ein Netbook und einen Computer in der Firma stehen hat - alle mit Ubuntu. So kann ich an wichtigen Dokumenten weiterarbeiten, egal wo ich mich gerade befinde.

Unterdessen sammelte die weltweite Community in einem Online-Brainstorming Ideen zur Verbesserung und Erweiterung von Ubuntu. Die südafrikanische Firma Canonical, die Sponsor von Ubuntu ist, griff die Idee eines Music Store auf, der anders als viele andere (hier namentlich nicht genannte) Stores Musik in offenen Formaten und ohne Digital Restrictions Management (DRM) anbieten sollte. Nach längeren Verhandlungen einigte man sich schließlich mit der britischen Firma 7digital, die nach eigenen Angaben mehr als acht Millionen MP3s ohne DRM anbietet. Ein Kompromiss, weil viele Linux-User lieber Formate wie Ogg oder FLAC genutzt hätten, aber aufgrund der weltweiten Verbreitung von MP3 durchaus sinnvoll.

Bereits zuvor konnten Nutzer des Ubuntu-Musikplayers Rhythmbox und anderer Musikprogramme komfortabel freie Musik über die Portale Jamendo und Magnatune beziehen, aber mit dem U1MS ist nun auch die Musik bekannter Künstler auf kleinen und großen kommerziellen Labels erhältlich - gegen Bezahlung via Kreditkarte, ClickandBuy oder Paypal. Der Trick dabei ist, dass die gekauften Titel nicht sofort auf die heimische Festplatte heruntergeladen werden, sondern zunächst in die Cloud wandern. Von dort wird die Musik dann auf die angeschlossenen Computer synchronisiert.

Momentan ist der Speicherplatz bei Ubuntu One auf 2 GB Daten pro Nutzer beschränkt, aber das reicht fürs Erste ja auch, und man kann sich entweder mehr Speicherplatz kaufen oder eben Daten auf die lokale Platte transferieren. Ich habe noch ausreichend Platz, also bin ich gleich zu meiner ersten virtuellen Shopping-Tour in den neuen Store aufgebrochen. Die in Rhythmbox integrierte Oberfläche ist aufgeräumt und weitgehend selbsterklärend. Auf der Startseite werden einige Alben angeboten, der Shop lässt sich aber auch nach Künstlern, Titeln und Alben durchsuchen. Leider nicht nach Labels, was ich sehr praktisch fände, weil ich meine Lieblingslabels ja kenne und keine Neuerscheinung verpassen möchte.

Das Angebot ist noch nicht vollständig auf Deutsch übersetzt, aber was sich hinter "Just added" und "Browse" versteckt, dürfte eigentlich trotzdem klar sein. Ich finde beim Stöbern tatsächlich viel Musik, die mich interessiert, selbst sehr aktuelle Veröffentlichungen jenseits des Mainstream. Die neue Ramadanman EP ist da, das neue Sharon Jones-Album auch, Suff Daddys Gin Diaries kann ich vorbestellen - das überzeugt. Die meisten Tracks kosten 99 Cent, bei kompletten Alben gibt es etwas Nachlass. Das ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu teuer, aber momentan internetweit Standard und daher wohl angemessen. Immerhin verwöhnen viele Stücke das Ohr mit 320 kbit/s-Codierung, was nach wie vor nicht selbstverständlich ist.

Ich lege also Black Sands von Bonobo in meinem Warenkorb. Eigentlich wollte ich mir die auf Vinyl holen, aber jetzt kann ich mich nicht zügeln. Auf zur Kasse, auf den Paypal-Link geklickt und dort die Zahlung abgewickelt. Das läuft ja wie am Schnürchen, insbesondere weil ich sowieso schon bei Ubuntu One eingeloggt war, was automatisch erkannt wurde. Ich werde wieder in den U1MS geleitet. Das alles passiert wohlgemerkt innerhalb der Anwendung Rhythmbox, in die offenbar ein abgespeckter Webbrowser integriert wurde. Nun steht da: "Transferring to your Ubuntu One storage". Zurzeit dauert es unter Umständen noch einige Stunden (wie bei mir), bis die Musik endlich auf der heimischen Platte ist. Und auch dort sind die Dateien schwer zu finden: sie werden unter ~/.ubuntuone/Purchased from Ubuntu One/ abgelegt und nicht im normalen Ubuntu One-Verzeichnis.

Screenshot des Kopiervorgangs
Die Dateien werden vom Store in "meine" Cloud kopiert.


Als erfahrener Ubuntu-Nutzer ist mir völlig klar, dass es sich hier um Software bzw. einen Dienst im Test-Stadium handelt. Schließlich habe ich ja auch eine Beta-Version von Ubuntu installiert. Nur dass ich hier bares Geld bezahlt habe, stört mich dann doch etwas. Immerhin bin ich nicht der einzige, dem es so geht, denn es gibt bereits einen entsprechenden Bug-Report. Ich gehe davon aus, dass das Problem innerhalb kurzer Zeit behoben sein wird, wie es bei Open Source-Projekten häufig der Fall ist. Während ich diese Zeilen tippe, höre ich bereits Bonobo; es hat also alles geklappt. Daher noch einmal zusammengefasst:

Pro: Die Vorteile des U1MS sind im Prinzip die von iTunes, bloß ohne die Einschränkungen von Apples Musikladen. Musik kann direkt aus dem Player heraus erworben werden, und in Zukunft wird das nicht auf eine einzige Lösung beschränkt sein. Die Songs sind mit hoher Qualität codiert und nicht durch DRM eingeschränkt, so dass sie auf alle tragbaren MP3-Player kopiert werden können. Die Open Source-Lösung lässt auf weitere Anwendungen hoffen, die das Musikvergnügen noch vergrößeren.

Contra: Momentan wird das Vergnügen allerdings noch durch einige Bugs eingeschränkt, die hoffentlich bereits in den kommenden zwei Wochen behoben werden. Außerdem kann der Dienst nur unter Ubuntu mit dem Rhythmbox-Player genutzt werden (einkaufen bei 7digital geht natürlich auch übers Web). Formate wie Ogg oder FLAC für Qualitätsfetischisten sind kaum zu finden.

Unter Linux hat ein integrierter Music-Store wie der Ubuntu One Music Store zwar gefehlt. Vermisst habe ich ihn allerdings nicht, denn seit Jahren gibt es viele Alternativen (eMusic, Amazon MP3, Juno Download, Spotify, und eine ganze Menge anderer MP3-Shops), die ebenfalls einfach zu bedienen sind und sich verschiedener Geschäftsmodelle bedienen. Wenn Preis, Auswahl und Qualität stimmen, blickt der U1MS einer rosigen Zukunft entgegen. Ich kann mit vorstellen, dass in Zusammenspiel mit der Ubuntu One-Cloud ganz nette Dritt-Applikationen entstehen, die Zusatzfunktionen von außen an den Dienst dranflanschen. Während Apple sich zunehmend abschottet und immer mehr ZensurRestriktionen einführt, bietet der offene Ansatz von Ubuntu zumindest theoretisch ganz andere Möglichkeiten und findet täglich neue Freunde. Und nicht zuletzt belebt Konkurrenz ja das Geschäft. Ubuntu-Nutzer sollten sich daher den U1MS unbedingt genauer ansehen.

Screenshot der Ubuntu One-Webseite mit der Liste meiner gekauften Titel
So sieht der Inhalt meiner Musik-Cloud schließlich im Webbrowser aus.

PS: Wenn ihr noch Fragen zum U1MS habt, aber die Beta noch nicht installieren wollt - schreibt sie in die Kommentare. Außerdem würde mich eure Einschätzung interessieren. Geht Canonical den richtigen Weg, oder widerspricht der U1MS der Philosophie von Ubuntu?

Amazon MP3 Download

Kein Aprilscherz! Ich habe lange darauf gewartet, und nun ist der Tag gekommen, da Amazon auch in Deutschland Musikdownloads anbietet. Die Preise sind nach meinem ersten Eindruck ganz in Ordnung, momentan gibt es - vermutlich als Eröffnungsangebot - viele so genannte "Top-Alben" für weniger als fünf Euro zu kaufen. Vermutlich wird sich das bald ändern. Dennoch scheint Amazon etwas günstiger zu sein als die meisten Alternativen und bietet offenbar MP3-Dateien mit 256 kbit/s zum Download an - versehen mit einem eindeutigen Wasserzeichen, um die Verbreitung in Tauschbörsen unattraktiver zu machen.

Natürlich musste ich das gleich ausprobieren und habe mir das Album Éthiopiques - Ethio Jazz & Musique Instrumentale 1969-1974 mit vielen Songs von Mulatu Astatke in den Warenkorb gelegt. Nach dem Einloggen ging es aber nicht direkt weiter zum Checkout, sondern ich bekam überraschenderweise das Amazon-MP3-Download-Tool zur Installation angeboten. Für Ubuntu (oder Alternativ für andere Linux-Distributionen) als Debian-Paket, das sich inklusive zweier Abhängigkeiten problemlos installieren ließ. Im Anschluss musste ich etwas nach dem mickrigen Link suchen, der mich zur Zahlungsbestätigung führte, konnte dann aber den Kauf abschließen. Der Download öffenete sich wunschgemäß im Downloader und rauschte sehr flink auf meine Platte. So muss das eigentlich immer funktionieren.

Screenshot vom Amazon MP3-Downloader

In den Vereinigten Staaten und, wenn ich mich nicht irre, auch in Großbritannien hat Amazon schon viel Erfahrung bezüglich des Download-Angebots sammeln können. Das kommt uns in Deutschland nun zu Gute. Bleibt zu hoffen, dass die Preise weiterhin auf einem erträglichen Niveau bleiben und das Angebot weiter ausgebaut wird.

eMusic-Abo gecancelt

Im Herbst 2006 hatte ich mich bei eMusic angemeldet und konnte seither für monatlich knapp 17 Euro 65 Tracks in guter MP3-Qualität herunterladen. Neben dem beinahe unschlagbar günstigen Angebot - die meisten anderen Shops verlang(t)en das Vierfache - überzeugte mich damals die Auswahl interessanter Labels, die sonst so gut wie nirgends auf einer einzigen Plattform versammelt waren. Damit ist nun (vorerst) Schluss.

Im Bereich des Online-Musikshoppings hat sich seitdem nämlich einiges getan. Das neue Napster ist definitv eine Überlegung wert, last.fm bietet ganze Alben der Majors mehr oder weniger kostenlos an, und die kleinen, feinen unabhängigen Labels konzentrieren sich zunehmend auf andere, spezialisiertere Vertriebskanäle von ithinkmusic über Beatport und Bleep bis zu Dancetracks Digital und Clickgroove. Das macht sich bei eMusic insofern bemerkbar, als dass viele Labels zwar immer noch dann und wann einen Release einstellen, aber bei weitem nicht alles und oft erst Wochen oder Monate nach dem eigentlichen Release-Date. Da war die Versuchung häufig zu groß, woanders shoppen zu gehen.

Was eMusic nach wie vor interessant macht, ist zum einen der sehr umfangreiche Backkatalog in Sachen Jazz. Außerdem werden seit einiger Zeit englischsprachige Audiobooks angeboten, was vermutlich auf Kosten der Musik ging, aber für die eine oder den anderen sicher ganz praktisch ist (auch wenn die Preise dort nicht so günstig sind wie bei der Musik). Zusätzlich gibt es noch viele redaktionelle Zusatzinformationen, aber die brauche ich eigentlich überhaupt nicht. Von daher ist die Kündigung für mich der einzig logische Schritt. Jetzt gilt es erstmal, die anderen Angebote zu sondieren. Wo kauft ihr denn momentan ein bzw. mit welchem Dienst habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

Amazon verkauft DRM-freie MP3s (beta)

Amazon hat in den USA einen MP3-Downloadshop gestartet, wie im hauseigenen Earworm's Amazon Blog bekannt gegeben wurde. Momentan befinde man sich in der Public Beta-Phase - offenbar ein Muss für jedes neue Angebot *seufz*. Angeboten werden mit 256 kbit/s kodierte, DRM-freie MP3-Dateien, die sich (nur?) mit einem Amazon-eigenen Downloadprogramm herunterladen lassen. Die Preise liegen laut Blogeintrag bei 89 US-Cent pro Lied bzw. zwischen 5 und 10 US-Dollar pro Album, was ich nach einer ersten Kurzüberprüfung bestätigen kann. Beim derzeitigen Wechselkurs ist das deutlich preiswerter als die meisten Angeobte hierzulande. Allerdings vermute ich, dass vorerst nur US-Kunden dort einkaufen können, zumindest habe ich noch nichts Gegenteiliges gelesen.

Amazon MP3 Logo

In den Kommentaren wurden schon die üblichen Forderungen laut: Freie, am besten verlustfreie Formate werden gefordert (Ogg Vorbis, FLAC), Downloads ohne Downloadmanager, Erweiterung des Angebots auf weitere Länder, Einbindung ins Amazon-Partnerprogramm. Einige dieser Wünsche wird Amazon sicher bald erfüllen, für andere sehe ich eher weniger Chancen. Der Umfang des Angebots kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn wegen des fehlenden Kopierschutzes natürlich einige Majors nicht mitmachen wollen. Amazon als Major-Player kann es durchaus gelingen, eine Konkurrenz zu iTunes auf gleicher Augenhöhe aufzubauen, wovon am Ende die Kunden profitieren würden. Ich bin gespannt, wie Amazon den Shop weiter vorantreibt und wie die Preisgestaltung aussehen wird, wenn der Shop auch in Deutschland verfügbar ist.

Mehr und teure Musikdownloads!?

Diagramm MusikdownloadsDer BITKOM hat gestern (arbeiten die auch sonntags?) per Pressemitteilung verkündet, dass die Anzahl der Musikstücke, die übers Internet erworben und heruntergeladen wurden, in diesem Jahr ein Rekordhoch erreicht. Der Umsatz wachse laut einer Erhebung der GfK um voraussichtlich 25 Prozent auf 60 Millionen Euro. Zwei Angaben in der Veröffentlichung lassen mich stutzen. Zum Einen wird explizit darauf hingewiesen, dass sowohl Einzelsongs als auch komplette Alben berücksichtigt wurden. Falls mir jemand den Onlineshop nennen kann, über den man komplette Alben (als ZIP-Archiv? oder wie?) statt einzelner Songs herunterlädt, bitte in die Kommentare. Zum Anderen wird die Gesamtzahl der heruntergeladenen Titel auf 34 Millionen geschätzt - damit läge der Preis pro Stück bei etwa 1,75 Euro! Für ein Album mit zehn Titeln müsste man also 17,50 Euro hinblättern, das kann doch nicht wahr sein? Mit der guten alten CD führe man dann in den meisten Fällen wohl deutlich billiger. Entweder sind also die deutschen Musikkäufer einfach nur dumm, oder die Pressemeldung ist die 167 KB in PDF-Form kaum wert, in die sie hineingezwängt wurde. Oder natürlich: Ich verstehe das alles völlig falsch - dann möchte ich mich für den eben verzapften Unsinn in aller Form entschuldigen.

Juno goes Germany

Juno LogoUnd es ist weiter Bewegung im deutschen Markt der Online-Plattenläden, also solcher Shops, die (hauptsächlich) Vinyl verkaufen. JunoRecords, einer der führenden britischen Verkäufer, hat beim Blick in seine Kundendatenbank festgestellt, dass ein großer Teil seiner Kunden aus Deutschland kommt. Was also lag näher, als eine deutsche Version des Online-Shops aufzusetzen? Eine spanische Ausgabe gibt's ja auch schon. Sieht so aus, als würde weiterhin noch alles von London aus verschickt und daher erst nach drei bis fünf Tagen eintreffen, aber jetzt aufgepasst: für einen Monat ist der Versand nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz kostenlos. Wann dieses Angebot genau ausläuft, konnte ich leider nicht rausfindenDas Angebot läuft noch bis Ende September, so die prompte (englische) Antwort auf meine (deutsche) Anfrage bei Juno ;-) [via Filter27]

Im Bereich der Download-Shops für Musik, in dem JunoRecords ebenfalls mitmischt, tut sich offenbar seit einiger Zeit nicht mehr viel. Nischen werden zwar noch gefüllt, aber was große Shops angeht, scheint der Markt erstmal voll zu sein. Vielleicht stehen wir auch nur vor einer Konsolidierungsphase ... und nein, ich bekomme nichts für dieses Posting.

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