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Der Trend geht zum Retro-Synth

Oneohtrix Point Never live at Primavera Sound 2011

An einem Sonntagnachmittag vor ein paar Wochen wählte ich mehr oder weniger ziellos den DLF-Stream aus der Liste meiner gespeicherten Radiostationen, es lief die Sendung "Musikszene". Sie bestand aus einem knapp einstündigen Feature von Christoph Wagner zum Thema "Zukunftsmusik: Der Synthesizer - eine Biographie in elektronischen Klängen" und war nichts anderes: Als Beweis gibt es hier die Playlist. In der Sendungsbeschreibung heißt es:

Mittlerweile hat die elektronische Klangrevolution selbst den Alltag erreicht. [...] Dabei bedeutet der digitale Siegeszug für die alten Synthis keineswegs das Aus, sie erleben gerade ein bemerkenswertes Comeback.

Das deckt sich mit meinem Empfinden. In letzter Zeit sind wieder vermehrt analoge Vintage-Synths zu hören, die zum Teil älter sein dürften als die Musiker, die sie einsetzen. Von Eighties-Retro ist dann die Rede, oder von cinematic Breitwandsounds. Das stimmt so natürlich, und auch wieder nicht. Denn einerseits erinnert der Klang dieser Synthesizer zumindest diejenigen, die damals schon dabei waren, an eine Musikepoche, die ein Vierteljahrhundert zurückliegt.

Andererseits ist der musikalische Kontext ein heutiger. M83 machen auf "Hurry Up, We're Dreaming" zeitgenössischen Indie-Electro mit großer Synthie-Geste, Opolopo setzt seine Vision von synthlastiger Disco auf "Mutants" mit einem Augenzwinkern um, und Oneohtrix Point Never schraubt komplexe Sample-Synthie-Genialitäten auf "Replica" zusammen.

Zu letzterem ist auch gerade ein Artikel von Matthias Schönebäumer in der Zeit Online erschienen: Geister im sonischen Nebel ordnet die Musik von Oneohtrix Point Never der Hauntologie zu, einer musikalischen Strömung, welche die Geister der Vergangenheit in nebligen, von Störgeräuschen durchbrochenen Musikfetzen wieder heraufbeschwört. Eine lesenswerte Einschätzung mit vielen Sound- und Videobeispielen, unter anderem dieser Lecture von Daniel Lopatin, dem Mastermind hinter Replica, bei der Red Bull Music Academy dieses Jahr in Madrid:

Foto von WMFU unter einer Creative Commons-Lizenz (by-nc-sa)

Update: Weil es gerade so schön hier reinpasst, noch folgendes Video, das ich gerade bei undomondo gefunden habe. David Vorhaus, 1979, MANIAC analoger Sequencer und Kaleidophon:

Update 2: Über einige Umwege bin ich eben auf diesen Beitrag bei radiohörer gestoßen, der doch tatsächlich einen Mittschnitt der oben genannten "Zukunftsmusik"-Sendung verlinkt hat. Gracias!

David Rodigan beim Sónar Festival

David Rodigan cc-by-nc-sa asselbande

Das Set von David Rodigan war eins der Highlights auf dem Worldwide Festival. Rodigan ist nicht nur einer der bewandertsten Reggae- und Dancehall-DJs weltweit, er ist selbst einer der größten Fans dieser Musik, er predigt den Offbeat live und im Radio und lehrt die Wurzeln des Sounds. Dabei sieht man es Rodigan, dem 60-jährigen weißen Briten mit dem schütteren Haar auch auf den zweiten Blick nicht an, dass er bei Sound Clashes die etabliertesten Soundsystems "vernichtet". Der Mann ist ein Phänomen.

Und er hat viele Geschichten zu erzählen, so geschehen vor kurzem bei Gilles Petersons Worldwide auf BBC Radion 1. So geschehen auch auf dem Worldwide Festival und auch auf dem Sónar in Barcelona. Letzteres Set haben dankenswerterweise die Leute von Boiler Room und der Red Bull Music Academy mitgeschnitten. Im Prinzip war seine Botschaft bei beiden Festivals die selbe. Das mag vielleicht etwas anstrengend sein beim Zuhören, weil er viele Songs nur kurz anspielt. Aber wer sich auf seine Stories einlässt, wird sehr gut unterhalten.

Den Mitschnitt gibt es auch als reines Audio auf Soundcloud, so toll ist die Videoqualität ja nicht. Falls ihr die Gelegenheit habt, Rodigan live zu sehen, nutzt sie unbedingt. Bis dahin hört seine Radiosendung oder eben mindestens das hier verlinkte Set.

Foto: David Rodigan, cc-by-nc-sa von asselbande.

RBMA Session in Offenbach

Flyer zur Veranstaltung

Im Offenbacher Robert Johnson findet am Freitag Abend eine Red Bull Music Academy Session mit Martyn und Appleblim statt! Der Rotterdamer und mittlerweile Wahl-Amerikaner Martyn wird ab 21 Uhr vermutlich über Dubstep, Drum'n'Bass, House und Techno referieren, ab 24 Uhr gibt's dann DJ-Action. Der Eintritt zur Lecture ist frei, die Party kostet einen Zehner. Auf Facebook findet ihr auch eine Event-Seite. Wird bestimmt ein lohnender Abend, vor allem für diejenigen, die sich für die Lecture interessieren.

Hier gibt's schonmal das Video von Martyns Lecture bei der letztjährigen Red Bull Music Academy in London:

RBMA Tokio 2011

Tokio ist Gastgeber der diesjährigen 13. Ausgabe der Red Bull Music Academy (RBMA). Ja, bereits 1998 fand das erste Event in Berlin statt, und seitdem hat sich die RBMA zu einem wichtigen Kreativhub mit zweiwöchigen Power-Workshops für up-and-coming Produzenten, DJs, Sänger und Musiker im allgemeinen entwickelt. Die Vorträge von mittlerweile über 300 bekannten und etablierten Künstlern stehen im Netz. Wer aber im Herbst persönlich dabei sein möchte, sollte sich jetzt bewerben.

Der Bewerbungsprozess und der zugehörige Fragebogen sind wohl etwas länglich, aber wer es nach Tokio schafft, dürfte keine der Mühen auch nur ansatzweise bereuen. Also, wenn ihr denkt, dass ihr das Zeug dazu habt und die nötige Energie mitbringt, dann bewerbt euch ab sofort bis zum 4. April. Wenn ihr noch Fragen habt, wendet euch am besten direkt an die RBMA .. oder an mich (matthias ät numblog de), ich leite sie dann weiter an den mysteriösen Mister X der RBMA, der vor kurzem Kontakt zu mir aufgenommen hat ;-)

Also, viel Erfolg mit eurer Bewerbung und viel Spaß in Tokio, Japan!

Free Download: Songs der Red Bull Music Academy 2010

Plattencover obere Hälfte

Die Red Bull Music Academy (RBMA) bietet einen prall gefüllten Sampler zum kostenlosen Download an, auf dem 41 handverlesene Songs von Teilnehmern und Dozenten der diesjährigen Academy in London versammelt sind. Unter dem Titel "Various Assets - Not For Sale" bekommt man einen kleinen Einblick in die musikalische Zukunft der elektronischen Musik.

Große Namen von heute, zum Teil früher selbst Teilnehmer der RBMA, haben mit den Stars von morgen intensiv zusammengearbeitet und einige wirklich große Tracks produziert. Ihre überbordende Experimentierfreude konnten sie aufgrund der nahezu perfekten Ausstattung in London voll ausleben, was vielen Songs zu Gute kommt. Wer heute schon wissen will, was morgen angesagt ist, sollte dieses Doppelalbum nicht verpassen!

Hier klicken für Direktdownload

Plattencover untere Hälfte

Toronto

Seit heute läuft die Bewerbungsphase für die nächste Red Bull Music Academy, die im September und Oktober 2007 in Toronto stattfindet. Ich wurde gebeten, auf folgendes hinzuweisen: Bewerbungsunterlagen kann man sich herunterladen und diese dann ausgefüllt zusammen mit Tonmaterial und Foto einsenden. Außerdem finden - und das macht schon die Anlaufphase so interessant - Infosessions in mehreren deutschen Städten statt (genaue Termine nach dem Klick), bei denen auch prominente DJs und Producer aus dem In- und Ausland anwesend sein werden, u.a. Underground Resistance (natürlich in MA, wo sonst), Skream, Henrik Schwarz, Waajeed und Carl Craig.

Da ich in diesem Sommer meinen Urlaub in Toronto verbringen werde (ja, Carsten, wir haben gebucht), kann ich das Pflaster für die RBMA quasi schonmal abchecken. Ich erwarte das beste und zitiere mal aus der Pressemitteilung:

Die Straßen sind ein buntes Gemisch verschiedenster Kulturen und Architekturen, durchzogen von Parks und Flüssen. Eine Menge kleiner Galerien und Plattenläden finden sich westlich von Chinatown, während sich das brodelnde Club- und Nachtleben in den Nebenstraßen von Little Italy angesiedelt hat. Eine der ungezählten Muttersprachen in diesem Schmelztiegel ist: die Musik.

Wenn das nichts ist …

"Toronto" vollständig lesen
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