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Kampf für die Meinungsfreiheit von Musikern

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 2. Dezember 2010
Freemuse Award

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bzw. ihre deutsche Sektion haben ihrem aktuellen Amnesty Journal (eine Zeitschrift auf Papier) das Titelthema "Der Sound der Freiheit: Musik und Menschenrechte" verpasst. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird der Themenbereich untersucht. So schreibt etwa Tobias Rapp in Der Krieg der iPods über die Folter von Gefangenen in Guantanamo durch die stundenlange Beschallung mit lauter (US-amerikanischer) Musik und dass Bands wie Metallica oder Drowning Pool das auch noch cool finden.

Daneben findet sich auch ein (online nicht verfügbarer) Bericht über die dänische Organisation Freemuse. Die 1999 gegründete Menschenrechtsorganisation setzt sich für verfolgte Musiker vor allem in Afrika, im Nahen Osten und Südasien ein. Zwar ist das Phänomen der Musikzensur nicht neu, aber in vielen Staaten immer noch brandaktuell. Musiker in Diktaturen wie Simbabwe oder Myanmar, aber auch in Afghanistan oder der Elfenbeinküste sind Musiker, ähnlich wie Schriftsteller und Reporter, Repressalien ausgesetzt.

Eine Sammlung von mehr oder weniger historischen Zensurmaßnahmen, also von Eingriffen in die Meinungsfreiheit, sammelt die Freemusepedia, Fälle aus den vergangenen zehn Jahren sind im Newsbereich zu finden. Dabei tauchen immer wieder auch Fälle aus Deutschland auf. Wenn die Musiker selbst zur Missachtung von Menschenrechten auffordern, kann ein Verbot auch durchaus berechtigt sein. Freemuse dokumentiert es trotzdem.

Mit zahlreichen Aktionen geht Freemuse immer wieder an die Öffentlichkeit: Jährlich wird der Freemuse Award verliehen, am 3. März 2011 ist Music Freedom Day, und Anfang dieses Jahres wurde ein Sampler mit verbotener Musik herausgegeben. Listen To The Banned enthält 14 Songs größtenteils afrikanischer und arabischer Musiker und ist ziemlich erfolgreich in die World Music Charts eingestiegen. Im YouTube-Channel könnt ihr in jeden Song reinhören.

Bei Amnesty Deutschland finden sich weiterführende Infos zum Thema Menschenrechte und Musik. Vielleicht können wir ja am 3. März auch eine Blog-Aktion auf die Beine stellen? Versucht mal bitte, mit daran zu denken.

Musik gegen AIDS und für Wahlen

Geschrieben von Matthias GutjahrMittwoch, 31. März 2010

Wohnt Musik die Kraft inne, die Welt zu verbessern? Kann sie zum Erfolg sozialpolitischer Projekte beizutragen, sich als Ohrwurm in den Gehörgängen der Menschen festzusetzen und von dort aus ihre Aufmerksamkeit auf essentielle und existenzielle Themen lenken? Die Sprache der Musik versteht grundsätzlich jede und jeder auf Anhieb, und die zu transportierende Message wird, so ist die Hoffnung, spätestens beim zweiten Hören erfasst. Zwei sehr unterschiedliche Projekte wollen momentan den Beweis antreten, dass es funktioniert, dass Musik die Menschen auch inhaltlich erreicht. Menschen, die ansonsten nur schwer erreicht angesprochen können.

Safe & Sound - Music For Future ist ein kreatives Konzept zur Bekämpfung von AIDS in dem kleinen mittelamerikanischen Land Belize. Es wurde von der Projektgruppe des HIV-Projekt Belize e.V. ins Leben gerufen mit dem Ziel, durch Musik auf die Risiken der Ansteckung und auf die Gefahren der Immunschwächekrankheit zu informieren. Die Kraft der Musik in Belize verdeutlichen Leben und Werk des vor zwei Jahren verstorbenen belizischen Musikers Andy Palacio, der die Musik der Garifuna, einer Volksgruppe in Belize, vor dem Vergessen bewahrte, ihr neues Leben einhauchte und so zu einem international sehr erfolgreichen Musiker wurde. Vor diesem Hintergrund wurde für Safe & Sound ein Songcontest ins Leben gerufen, dessen ausgewählte Beiträge sich nun auf einem Sampler wiederfinden, der nicht nur kostenlos runterladbar ist (CC-Lizenz), sondern auch und vor allem vor Ort in Belize unters Volk gebracht wird. Vom steinigen Weg, diesen Sampler von der Idee bis zum fertigen Silberling zu realisieren, erzählt mogreens drüben in seinem Blog. Lesens- und hörenswert. Ich wünsche den Jungs bei ihrem Hilfsprojekt alles Gute! Spenden sind dem Verein jederzeit willkommen.

Das zweite Projekt, das ich an dieser Stelle vorstellen möchte, hat (nicht nur finanziell) einen ganz anderen Background. Media in Cooperation and Transition (MICT) realisiert unterschiedliche Projekte im Nahen Osten und in Nordafrika, die gezielt Medienschaffende ansprechen und auf diese Weise ihren Beitrag zur Stabilität der Krisenregionen leisten wollen. In zehn Tagen finden im Sudan die ersten demokratischen Wahlen seit fast einem Vierteljahrhundert statt. Die Bevölkerung muss sich nach so langer Zeit erst wieder ans Wählen gewöhnen. Eben diesen zivilgesellschaftlichen Prozess will MICT - wie viele andere Organisationen auch - unterstützen. Unter dem Motto Sudan Votes, Music Hopes wurde mit Unterstützung des Auswärtigen Amts unter anderem eine Webseite realisiert, auf der Songs, ausgewählt von Max Herre, von zwölf bekannten sudanesischen Künstlern zum Anhören und zum Download bereitgestellt werden. Die Musiker setzen sich auf ihre Weise mit den bevorstehenden Wahlen auseinander und motivieren ihre Landsleute, wählen zu gehen. Dies geschieht mittels eigens angefertigter Kassetten, die im Land verteilt werden. Die Maschine zur Herstellung der Tapes müsst ihr unbedingt in diesem Flickr-Set bewundern! Spenden sind auch hier gern gesehen und werden unter den beteiligten Musikern aufgeteilt - schließlich helfen hier keine GEMA und keine Musikkonzerne.

Ganz gleich, wie die Wahlen im Sudan ausgehen, wichtig ist, dass die Menschen dort überhaupt eine Wahl haben. Vermutlich werden vorerst die alten Eliten an der Macht bleiben. Nebenbei gibt es auch noch die Konflikte in Darfur und im Südsudan. An Problem herrscht also auch nach den Wahlen kein Mangel, aber die Wahlen sind eben ein erster Schritt zur möglichen Lösung der Krisen. Ebenso ist es in Belize wichtig, die jungen Menschen aufzuklären, damit sie die Zukunft ihres Landes gestalten können. Musik hat die Power, diese Entwicklungen positiv zu beeinflussen, davon bin ich überzeugt. Und wenn sie noch dazu äußerst hörbar ist, dann haben sogar wir reizüberfluteten, wohlstandsgesättigten Internetbürger was davon!

5 Jahre TV-Browser

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 8. Mai 2008

Cover der TV-Browser-CompilationHerzlichen Glückwunsch dem Projekt TV-Browser, das in diesen Tagen seinen fünften Geburtstag begeht. TV-Browser ist eine freie plattformunabhängige elektronische Programmzeitschrift, die die Programme von über 150 Fernseh- und Radiosendern und über 100 Kinos eingebunden hat und durch viele Plugins erweiterbar ist. Meines Erachtens eins der besten Open Source-Projekte für alle Usergruppen überhaupt. Ich nutze das Programm bestimmt schon seit 4,9 Jahren ;-) Auch wenn es immer wieder Probleme gab, seien sie technischer, administrativer oder juristischer Natur, hat der TV-Browser alle Klippen umschifft und feiert sich nun selbst mit dem Release einer buntgemischten Musik-Compilation unter Creative Commons-Lizenz. Downloaden als .torrent in den Formaten MP3, OGG oder FLAC.

Obskure Instrumente: The Melloman

Geschrieben von Matthias GutjahrDonnerstag, 20. Oktober 2005
The Melloman

Die wabernden Flöten am Anfang des Beatles-Songs Strawberry Fields Forever kennt jeder, und viele wissen sicher auch, wie diese Flötentöne zustande kamen: Mit Hilfe eines Mellotrons nämlich. Dieses Instrument mit dem wimmernden Klang benutzten in den 1960er und 1970er Jahre hauptsächlich "psychedelische" Progressive Rock-Bands wie Genesis usw. Es stellt aber auch so etwas wie den Vorläufer des Samplers dar, mit dem Unterschied, dass es auf Tonbändern gespeicherten Sound wiedergab.

Der Bastler Mike Walters kam nun auf die Idee, ein Mellotron mit Walkmen als Tonquellen nachzubauen, und hat diese Idee nun auch unter dem Namen The Melloman umgesetzt. [Via Swen's Weblog]

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