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Qriocity: Neue Musik-Flatrate

Qriocity LogoWas Spotify bekanntlich nicht geschafft hat, nämlich sich mit der GEMA auf ein Lizenzmodell zu einigen, gelingt immer mehr anderen Diensten. Nach Simfy und Napster macht jetzt Omnifone vor, dass es geht, und sogar noch umfangreicher. Der Unterschied zu den bisherigen Diensten liege "in der stark plattformübergreifenden Natur des Omnifone-Angebots" und gelte auch für zukünftig noch zu entwickelnde Angebote. Auf deutsch: Spotify muss sich langsam warm anziehen bzw. in die Puschen kommen.

Omnifone kooperiert nämlich mit einigen großen Playern wie Vodafone, HP und Sony. Letztere haben auch schon ein Angebot draußen: Qriocity. Das ist der Video- und Musikstreamingdienst von Sony, der auf so ziemlich allen neueren Sony-Geräten läuft, sofern sie Netzwerkanschluss haben, aber auch im Browser. Und Qriocity kann jetzt auch in Deutschland abgehen.

Screenshot der Qriocity-Seite
Qriocity von Sony läuft im Browser

Da zufälligerweise eine PS3 hier rumsteht, und ich damit schon einen Sony-Account habe, bin ich gleich mal zur Tat geschritten und habe mich (aus curiosity) bei Qriocity eingeloggt. Die Seite wirkt ziemlich aufgeräumt. Ganz oben ist eine Playerleiste, darunter eine Art Coverflow-Bereich. Auch ohne Anmeldung kann man 30-sekündige Clips anhören, was sich nach dem Einloggen nicht ändert. Erst wenn man ein Bezahlabo abschließt, hat man Zugriff auf komplette Titel.

Abos gibt es in zwei Varianten: Basis für 4,99 € und Premium für 12,99 €. Die Premium-Variante ist damit etwa 1/3 teurer als vergleichbare Dienste. Erhält man dafür aber auch mehr Leistung? Schwer zu sagen. Bei der Größe der Musiklibrary ist von etwa 6 Millionen die Rede. Das sieht bei der Konkurrenz ähnlich aus, wobei die Quantität ja noch nichts über die Qualität aussagt. Inhaber des Basis-Abo können sich jedoch nur von vorgefertigten "Kanälen" beschallen lassen. Wer gezielt nach Titeln sucht, bekommt immer noch 30-Sekunden-Clips vorgespielt. Oder wechselt zur Premium-Variante mit Komplettversionen.

Bildschirmfoto der PS3
Sony mag Großbuchstaben: So sieht der Startscreen auf der Playstation 3 aus.

Die Leistung der Basisversion gibt's allerdings anderswo auch kostenlos - zur Berieselung taugen auch Internetradios oder last.fm. Premium wiederum ist relativ teuer Aber wer einen Sony-Gadgetpark zuhause hat, kann auf allen Geräten seine Musik genießen. Für mich persönlich lohnt sich das trotz Playse irgendwie nicht, aber ich habe sowieso eine Abneigung gegen Sony und ihre traditionelle, Apple-eske walled garden-Politik ;P Aus deren Sicht ist das Ding natürlich groß. Das Playstation Network hat bereits jetzt eine Userbase 60 Millionen Mitglieder, und ein guter Teil von ihnen dürfte sich wohl auch für den neuen Musikdienst interessieren.

Der Abmahnwahn geht weiter

Im Mittelpunkt diesmal: Mixtapes. Oder deren digitale Weiterführung im Web. Grundlegendes Element und aus der Hip Hop-Kultur nicht wegzudenken. Sollte man meinen, aber Sony, Warner und Universal sehen das offenbar anders. Im Auftrag dieser drei Majors mahnt eine Anwaltskanzlei in großem Stile Blogger ab, die bestimmte Mixtapes eingebunden oder verlinkt haben, weil diese Mixtapes Songs von Künstlern enthalten, deren Rechte bei den Majors liegen. Die Musiker selbst stehen schulterzuckend, hilf- und ratlos davor.

Ironischerweise hat es aber nicht nur Blogger getroffen, sondern auch MTV oder weitere größere Seiten, zum Teil von Musiklabels, mussten Mixtapes entfernen oder haben dies in vorauseilendem Gehorsam schon getan. Dies alles ist mit dem Fall Jako, der kürzlich die Gemüter erhitzt hat, kaum zu vergleichen, denn Jako hatte einen Ruf zu verlieren - Sony, Warner und Universal sind seit Jahren untendurch und agieren gänzlich ungeniert.

Ich kann nur noch den Kopf schütteln. In letzter Zeit hatte es den Anschein, als würden in die Musikbranche ganz langsam Vernunft und Realismus einkehren, aber davon scheinen alle noch Lichtjahre entfernt zu sein. Vielleicht geht es den Majors immer noch zu gut, weil die Leute™ sich immer noch größtenteils deren Bullshit feeden lassen. Vielleicht sind es auch die letzten verzweifelten Strohhalmklammerversuche einer ertrinkenden Branche. Jedenfalls kann es nicht sein, dass Menschen, die sich um eine positives Bild der betroffenen Künstler bemühen (aka Werbung), dafür auch noch bestraft werden. Und dass dieselben Künstler ebenfalls überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit sind und ein dermaßen antiquiertes Selbstbild haben. Leute, wacht endlich auf! Es reicht nicht, ab und zu einen Tweet rauszuhauen, wenn man sich den neuen Mechanismen verschließt, die die Musik gerade umkrempeln.

Als Blogger, der peinlich genau darauf achtet, selbst die bescheuertsten Regeln des Urheberrechts und der GEMA einzuhalten - und ich sage euch, es schränkt einen ganz schön ein, nicht immer das posten zu dürfen, was man gern posten würde (und ich meine damit nicht, irgendwelchen Kram zu Tauschbörsen hochzuladen, sondern ich rede vom Bloggen) -, komme ich mir reichlich verarscht vor. Wegen genau dieser erzwungenen Selbstbeschränkung ist mir eine Abmahnung glücklicherweise erspart geblieben. Nur ist mittlerweile offenbar niemand mehr sicher. Aber genug aufgeregt. Nur noch schnell der Hinweis auf ein paar ernstzunehmende Gedanken über Urheberrecht und digitale Kopierbarkeit und die ebenso ernstzunehmende Erinnerung daran, dass ihr am Sonntag eine Wahl habt.

tweetbackcheck