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Shook, neues Printmag aus London

Magazin-Cover
Cover der Shook No. 1

Mein Briefträger kapiert es einfach nicht: Zeitschriften, die nicht in den Briefkasten passen, knickt er einmal durch und stopft sie dann in den Schlitz. Auch die Erstausgabe des britischen Shook-Mag, die heute endlich ankam, hat er auf diese Weise misshandelt. Bei der Programmzeitschrift der Nachbarn ist mir das ja egal, aber hier handelt es sich um engagierten und hochwertigen Musikjournalismus! Aus den Überresten von Straight No Chaser hat Jez Smadja, selbst ehemaliger Redakteur bei SNC, die wichtigsten Zutaten in das neue Magazin herübergerettet.

Zu diesen Ingredienzen zähle ich mal das frische bis experimentelle Layout mit wilden Headlines und teilweise nur schwer leserlichen Schriften vor bunten Hintergründen. Das strengt zwar teilweise an, sorgt aber einerseits für Abwechslung, andererseits werden die exzellenten Inhalte so deutlich besser transportiert. Das Themenspektrum ist fast noch weiter gefasst als beim "Vorgänger": Hip Hop aus Detroit, Dubstep aus London, DJs aus Japan, Soul aus Südafrika, Funk aus Toronto, Streetart, Tech-News, Bhangra, Garifuna, äthiopische Roots - you name it, they got it. Sehr beeindruckend.

Unter den Autoren der vielfältigen Features finden sich nicht bloß Journalisten, sondern auch Musiker, DJs und Blogger, die besonders nah am Geschehen dran sind. BBC Radio 1xtra-DJ Benji B etwa hat eine eigene Kolumne. Von der Szenenähe zeugen auch die vielen guten Verweise auf Blogs, MySpace-Profile und andere Webseiten, die zu fast jedem Artikel auf weiterführende Informationen verweisen. Sicher nicht die schlechteste Taktik. Die DJ-Top Ten-Rubrik beschränkt sich dankenswerterweise auf zwei Seiten, die Reviews wurden mit Bedacht ausgewählt, nur der SNC-Centerfold fehlt, aber das kann ich verkraften, denn der war ja sowieso immer geknickt (s.o.).

Fazit: Shook hat das Potenzial, zum neuen Haus-Magazin der Szene zu werden. Die vorsichtige Modernisierung und die sorgfältige Themenauswahl halten die Qualität weit oben. Auch der Preis ist mit umgerechnet etwas über 7 Euro nicht zu hoch, und die Lieferung erfolgte erstaunlich zügig. Ob sich ein Printmagazin für eine zwar weltweite, aber dennoch relativ überschaubare Szene auf Dauer festsetzen kann, bleibt abzuwarten. Genügend Beispiele zeigen, dass Print für Nischen immer wieder erfolgreich funktioniert, und diesen Erfolg wünsche ich Shook für die Zukunft auf jeden Fall!

Straight No Chaser gibt auf

Die aktuelle Ausgabe von Straight No Chaser

Die englische Zeitschrift Straight No Chaser war 19 Jahre lang die Hauspostille der Acid Jazz/NuJazz-Szene und aller freidenkenden Musikbegeisterten weltweit. War, denn nach der nächsten Ausgabe ist Schluss. Ein harter Schlag für alle Leser und Fans, dass eins der mit am liebevollsten gemachten Magazine eingestellt wird. Es war immer wieder eine Freude, ein neues Heft aus dem Briefkasten zu holen (auch wenn es der Postbote immer wieder geknickt hat, und wenn das Heft erst viele Wochen nach seiner Veröffentlichung ankam), das schwere Papier zu fühlen und die Druckfarbe zu riechen. Doch nun ist endgültig Schluss, wie Gründer Paul Bradshaw bestätigt hat, nachdem Spatzen die Gerüchte bereits von den Dächern pfiffen.

Die Verdienste von SNC sind gar nicht hoch genug einzuschätzen, und die Themenbreite und -auswahl suchen weltweit ihresgleichen, weswegen keine andere Zeitschrift SNC wird ersetzen können. Ebenso einzigartig wie unkonventionell waren auch Layout und Design. Immerhin will die Redaktion den Internetauftritt gehörig ausbauen, obwohl man im Internet einen der Hauptfaktoren für die wirtschaftlichen Probleme sieht. Aber genauso sieht man wohl auch die Chance, die sich hier bietet. Ich hoffe, dass die neue Webseite die hohen Erwartungen zumindest teilweise erfüllen kann. Ersetzen kann sie die Zeitschrift Straight No Chaser mit Sicherheit nicht.

Straight No Chaser

Straight No Chaser

Heute ist mir die neueste Ausgabe ("Summer 2005") des englischen Magazin für interplanetary sounds, Straight No Chaser, ins Haus geflattert. Die zweimonatliche Erscheinungsweise verlangt einem ja große Geduld ab, aber es hat sich gelohnt (auch wenn ich die achtzig Seiten bisher nur überfliegen konnte). Die Titelstory über Ninja Tunes' Darling Dwight Trible verspricht spannend zu werden, des Weiteren gibt es Features über Tye Tribbett, Jamie Lidell oder die Neuseeländer Fat Freddy's Drop, von denen hier demnächst vermutlich noch mehr zu lesen sein wird.

"Straight No Chaser" vollständig lesen
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