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WebModular - Modularer Synthesizer im Browser

Screenshot von WebModular

WebModular ist ein modularer Synthesizer, der im Browser läuft. Das Teil hat durchaus Ähnlichkeit mit dem Google Doodle zu Robert Moogs Geburtstag, kann aber mehr. Zumindest in aktuellen Browser-Versionen von Firefox und Chrome.

Dort nutzt WebModular jede Menge ausgefuchstes Javascript und das noch recht neue Web Audio API (bzw. das Audio Data API) - interessant für die Programmierer unter euch. Die rein musikalisch Interessierten dürfen sich über diverse Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Verstärker freuen. Steuern lässt sich der Synthie mittels der MML.

Weiterführende Erklärungen gibt es auf der Projektseite, und dort könnt ihr WebModular auch ausprobieren - und das wollt ihr doch jetzt sofort, oder?! [via]

Der Trend geht zum Retro-Synth

Oneohtrix Point Never live at Primavera Sound 2011

An einem Sonntagnachmittag vor ein paar Wochen wählte ich mehr oder weniger ziellos den DLF-Stream aus der Liste meiner gespeicherten Radiostationen, es lief die Sendung "Musikszene". Sie bestand aus einem knapp einstündigen Feature von Christoph Wagner zum Thema "Zukunftsmusik: Der Synthesizer - eine Biographie in elektronischen Klängen" und war nichts anderes: Als Beweis gibt es hier die Playlist. In der Sendungsbeschreibung heißt es:

Mittlerweile hat die elektronische Klangrevolution selbst den Alltag erreicht. [...] Dabei bedeutet der digitale Siegeszug für die alten Synthis keineswegs das Aus, sie erleben gerade ein bemerkenswertes Comeback.

Das deckt sich mit meinem Empfinden. In letzter Zeit sind wieder vermehrt analoge Vintage-Synths zu hören, die zum Teil älter sein dürften als die Musiker, die sie einsetzen. Von Eighties-Retro ist dann die Rede, oder von cinematic Breitwandsounds. Das stimmt so natürlich, und auch wieder nicht. Denn einerseits erinnert der Klang dieser Synthesizer zumindest diejenigen, die damals schon dabei waren, an eine Musikepoche, die ein Vierteljahrhundert zurückliegt.

Andererseits ist der musikalische Kontext ein heutiger. M83 machen auf "Hurry Up, We're Dreaming" zeitgenössischen Indie-Electro mit großer Synthie-Geste, Opolopo setzt seine Vision von synthlastiger Disco auf "Mutants" mit einem Augenzwinkern um, und Oneohtrix Point Never schraubt komplexe Sample-Synthie-Genialitäten auf "Replica" zusammen.

Zu letzterem ist auch gerade ein Artikel von Matthias Schönebäumer in der Zeit Online erschienen: Geister im sonischen Nebel ordnet die Musik von Oneohtrix Point Never der Hauntologie zu, einer musikalischen Strömung, welche die Geister der Vergangenheit in nebligen, von Störgeräuschen durchbrochenen Musikfetzen wieder heraufbeschwört. Eine lesenswerte Einschätzung mit vielen Sound- und Videobeispielen, unter anderem dieser Lecture von Daniel Lopatin, dem Mastermind hinter Replica, bei der Red Bull Music Academy dieses Jahr in Madrid:

Foto von WMFU unter einer Creative Commons-Lizenz (by-nc-sa)

Update: Weil es gerade so schön hier reinpasst, noch folgendes Video, das ich gerade bei undomondo gefunden habe. David Vorhaus, 1979, MANIAC analoger Sequencer und Kaleidophon:

Update 2: Über einige Umwege bin ich eben auf diesen Beitrag bei radiohörer gestoßen, der doch tatsächlich einen Mittschnitt der oben genannten "Zukunftsmusik"-Sendung verlinkt hat. Gracias!

Crowdfunding Onyx Ashantis Beatjazz System

Onyx Ashanti

Die ersten analogen Synthesizer wurden noch mit Lochkarten gesteuert, bald kam eine Klaviatur als Eingabeinstrument hinzu, in den 1970ern wurde die digitale Klangsynthese erschwinglich. Obwohl schwarze und weiße Tasten immer noch die gebräuchlichste Methode zur Ansteuerung von Synthies sein dürfte, experimentierten Hersteller und Musiker immer wieder Alternativen zum klassischen Keyboard. Exemplarisch seien nur die Kaoss Pads von Korg mit ihren Touchpads genannt. Mittlerweile erfreut sich auch Apples iPad zunehmender Beliebtheit als Musikcontroller.

Manchen reichen diese Möglichkeiten allerdings noch nicht aus. Auch wenn sich Synthesizer in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen und stilprägenden Musikinstrument entwickelt haben, wollen viele Künstler mehr und tüfteln bereits an revolutionären Konzepten für die Zukunft. Die musikalische Avantgarde, die vor über fünf Jahrzehnten den Synthesizerfür experimentelle Musik entdeckt hat, nutzt heute die Technologien des 21. Jahrhunderts. Wer sich dafür interessiert, dem sei als erste Anlaufstelle Peter Kirns Blog Create Digital Music empfohlen. Peter hat gerade zum wiederholten Mal über Onyx Ashanti berichtet.

Der Berliner Onyx Ashanti macht nicht nur seine Musik selbst, sondern auch (with a little help from his friends) seine Instrumente. Und er macht alles richtig. Hartnäckig bastelt er seit Jahren sein persönlich angepasstes Musikinstrumentarium, seinen musikalischen Maßanzug. Bewaffnet mit Lötkolben, Carbon-faserverstärktem Kunststoff, Smartphones, Minicomputern und viel Heißkleber erschafft er sich eine Art tragbares, musikalisches Exoskelett. Damit will er letzten Endes seine musikalische Vision des "Beatjazz" realisieren.

"Crowdfunding Onyx Ashantis Beatjazz System" vollständig lesen

Musik-Apps für Android, Part I: Ethereal Dialpad

Mein Nokia E 60 ist ein kleines Brikett, hässlich aber WLAN-fähig, und deshalb war es auch lange Jahre mein treuer Begleiter. Vor ein paar Wochen habe ich mich nun entschieden, es in seinen wohlverdienten Ruhestand zu schicken und es durch ein moderneres Gerät zu ersetzen. Und da ich, wie sich eventuell herumgesprochen hat, eine gewisse Antipathie gegenüber den Produkten mit dem Apfel hege - Steve Jobs bestätigt mich gerade in letzter Zeit immer wieder darin -, ist es ein Android geworden, genauer ein HTC Desire. Privacy-Bedenken hin oder her, ich möchte mir nicht von einem grauhaarigen Choleriker vorschreiben lassen, was für Bildchen oder Filme ich mir auf meinem Taschencomputer ansehe, oder dass Musik mit Explicit Lyrics schlecht für mich sei.

Apropos Musik. Zugegebenermaßen gibt es fürs iPhone einige nette Musik-Apps, und was bisher auf dem iPad zu sehen war, könnte bald Einzug in die DJ-Booths halten. Android ist noch deutlich jünger und hat folglich noch nicht so viel musikalisches zu bieten. Ganz ohne musikalische Spielzeuge müssen wir Android-User dennoch nicht auskommen. In loser Folge möchte ich hier einige interessante Apps vorstellen. Den Anfang macht

Ethereal Dialpad

Market-Link als QRCodeDie App Ethereal Dialpad von Adam Smith ist ein Synthesizer mit Echtzeiteffekten, der über die Touchoberfläche des Android-Phones gesteuert wird.

Für iPhone-Besitzer dürfte das nichts Weltbewegendes sein, aber unter Android steht Ethereal Dialpad noch ziemlich allein da. Immerhin vier verschiedene Oberflächen (dialpads) animieren zum Ausprobieren, im Menü lassen sich Effekte hinzufügen und einige grundlegende Einstellungen vornehmen. Zurzeit sind folgende Einstellungen verfügbar:

  • Pitch Quantizer (Tonhöhe)
  • Oktaven
  • Delay
  • Flanger
  • Soft envelope (Hüllkurven)
  • Soft timbre (Klangfarbe)
  • Duett

Die Sounds lassen sich sehr intuitiv erzeugen, um z.B. halbwegs brauchbare Melodieläufe hinzubekommen, bedarf es aber schon einiger Übung. Ebenfalls vorgesehen ist die Möglichkeit, über den Market weitere Dialpads herunterzuladen; leider wurden während meiner Tests (noch) keine gefunden.

Bei Create Digital Music wird die App detailliert (auf Englisch) beschrieben, und der Entwickler selbst erzählt etwas von den Hindernissen bei der Programmierung von Ethereal Dialpad. Problematisch scheint vor allem das Fehlen eines soliden Sound-Frameworks für die Entwicklung von Android-Apps zu sein. Aber ich denke, je mehr ähnlich gelagerte Apps geschrieben werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein solches Framework irgendwann dabei abfällt.

Ich vermisse außerdem die Funktion, die eigenen Kreationen aufnehmen und ggf. auf einer Plattform sharen zu können. Aber zumindest das Recording sollte über den Kopfhörerausgang auf externen Geräten funktionieren.

Die App lief auf meinem Desire stabil und flüssig. Ethereal Dialpad ist kostenlos im Android Market verfügbar. Sterne gibt's bei mir nicht, aber ein Fazit: Es macht Spaß und wird nicht so schnell, dem Android-Phone mit Ethereal Dialpad Töne zu entlocken. Für einen "vollwertigen" Einsatz als Instrument fehlen allerdings noch ein paar Funktionen. Man darf aber gespannt sein, ob und wie sich die App weiter entwickelt.

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