Yo, Ice
The organization say they can't stay in business with us any longer
What you gonna do?
In Ungarn hat es nun begonnen. Nach dem Inkrafttreten des neuen Mediengesetzes, passiert nun, was viele befürchtet hatten: Medien werden zensiert. Das Gesetz war durch das ungarische Parlement, in dem die rechtspopulistische Partei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán eine Zweidrittelmehrheit besitzt, verabschiedet worden. Jetzt ist der Titel "It's On" von Ice-T von seinem 1993er Album "Home Invasion", von der Medienbehörde NMHH verboten worden. Begründung: Der Song sei jugendgefährdend. Betroffen ist das freie Tilos Radio. Jugendschutz als Vorwand für Zensur? Das kommt mir doch bekannt vor.
"It's On" ist Gangsta-Rap der reinen Sorte (Lyrics). Schüsse aus großkalibrigen Handfeuerwaffen sind zu hören und das übliche Gefluche und Gepose des Genres. Vor knapp 18 Jahren, ein Jahr nach den Los Angeles Riots, hat das vielleicht noch jemanden irritiert, und Ice-T konnte mit seiner "Warning" zu Beginn des Albums noch provozieren. Und "Home Invasion" ist mit Sicherheit nicht das beste Stück aus dem Œuvre des Tracy Marrow. Aber das alles spielt in Wirklichkeit überhaupt keine Rolle.
Denn der wahre Skandal ist das Verhalten - oder besser: das Nicht-Verhalten - der EU und ihrer Mitgliedsstaaten. Denn wer hat gestern die Ratspräsidenschaft der EU übernommen? Genau. Auch wenn der Luxemburgische Außenminister Asselborn Ungarn auf eine Stufe mit Weißrussland stellt, auch wenn Merkel das Pressegesetz kritisiert: Wirklich passiert ist nichts. Vermutlich wird die Ratspräsidentschaft einfach ausgesessen, und die ungarische Zensurbehörde kann weiter schalten und walten, wie sie möchte.
Ganz aufgeben will ich die Hoffnung aber nicht, denn die Ungarn haben den Zeitpunkt natürlich clever gewählt. So kurz vor Weihnachten und der Übernahme der Ratspräsidentschaft war nicht mit einer konkreten Reaktion von wem auch immer zu rechnen. Wenn jetzt das Tagesgeschäft wieder beginnt, könnte sich der Druck auf die Magyaren vielleicht doch noch erhöhen. Und falls die Politik nicht reagiert, sind eben Medien und das Internet gefragt. Shitstorm anyone?


