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Collective Improvisation #7

Albumcover A Forest Mighty Black

Nach 17(!) Jahren scheint es demnächst tatsächlich ein zweites Album von A Forest Mighty Black (AFMB) zu geben. Der Nachfolger von "Mellowdramatic" wird "A Forest Mighty Black" heißen und soll Ende Februar auf Drumpoet Community erscheinen. Nach einer Reihe von 12″es wird sich das neue Album, das von Boogie, Soul und Funk durchdrungen ist, über drei Vinylschreiben erstrecken (Prelisten).

Ein Streit um den Streamripper-Dienst Youtube-mp3.org ging zuungunsten der Musikindustrie aus. Der Dienst extrahiert Tonspuren aus YouTube-Videos und bietet sie dann im MP3-Format zum Download an. Der Bundesverband der Musikindustrie ist mit sehr zweifelhaften Methoden dagegen vorgegangen, das wurde jetzt vom Landgericht Berlin untersagt.

Für Wiesbadener Jazz-Fans noch ein Veranstaltungshinweis: Im Rudersport 1888 findet am Freitag, dem 17.01.14, ein Konzert des International Trio mit Uwe Oberg, Joe Fonda und Erwin Ditzner statt. Die Location hatte sich bei der letztjährigen Premiere bewährt, daher macht der JazzArchitekt dort jetzt weiter.

YouTube Movies: Status Yo!

YouTube Movies, das Video-on-Demand-Angebot von Googles Videodienst, ist jetzt ganz offiziell in Deutschland und mit Filmen in voller Länge und auf Deutsch gestartet. Zwar ist deren Anzahl derzeit noch "überschaubar" und nicht vergleichbar mit der US-Version, aber das kann sich ja noch ändern. Allerdings werden alle Filme nur mit einer geringen Auflösung von 480p (480x360 Pixel) gezeigt, was auf größeren Bildschirmen nicht sonderlich gut aussieht.

Dennoch: Die Filme auf YouTube Movies können (wahrscheinlich zum ersten Mal) ganz legal gestreamt werden. Ich freue mich besonders, dass zum Start zwei Science Fiction-Klassiker zu sehen sind: Dune - Der Wüstenplanet von David Lynch aus dem Jahr 1984 und John Carpenters Dark Star von 1973. Zugegeben, keine ganz taufrischen Streifen, aber echte Klassiker.

Wer es aktueller mag, sollte einen Blick auf Status Yo! werfen, einen Film über die Berliner Underground Hip Hop-Szene aus dem Jahr 2004. Der steht zwar schon seit einem guten Jahr auf YouTube, wurde aber jetzt recht prominent in das neue Angebot integriert.

Ebenfalls neu scheint auch YouTube Shows zu sein, wobei diesbezüglich das etablierte Angebot von Miro eine deutlich größere und bessere Auswahl liefert - zumindest noch.

Klaus Kauker MusikTraining

Wer von euch hat denn gestern die Verleihung der Grimme Online Awards 2012 verfolgt? Ich konnte leider nicht live dabeisein, habe mich aber anschließend auf diversen Kanälen mit Informationen über die Nominees und schließlich auch über die Gewinner versorgt. Einer der Preisträger, Klaus Kauker, ist mit seinem YouTube-Kanal MusikTraining besonders interessant für dieses Blog.

Mir war Klaus Kauker zuvor überhaupt nicht bekannt, aber ich bin auch nicht viel auf YouTube unterwegs. Seine Videos wurden allerdings bereits 2,5 Millionen Mal aufgerufen, und das zurecht. Denn ganz gleich, ob der Student für Integrative Komposition, der in diesem Jahr auch schon den Webvideopreis gewonnen hat, in seinen Videos Tonleitern, Intervalle, Akkorde oder Rhythmen erklärt, ob er Tipps zum Trainieren der Stimme gibt, oder ob er Songs analysiert: Klaus macht das immer locker, fundiert und professionell.

Einen guten Eindruck seiner Analysen und der Art, wie er sie allgemeinverständlich vermittelt, zeigt folgendes Video. Darin zeigt er, wie dreist sich Dieter Bohlen bei einem Song von David Guetta bedeint zu haben scheint. Seht selbst:

Wenn euch das gefallen hat und ihr an Musik interessiert seid oder im Idealfall selbst Musik macht, dann abonniert am besten den YouTube-Kanal. Dort könnt ihr nicht nur noch etwas lernen, sondern euch auch sehr gut unterhalten lassen. Herzlichen Glückwunsch, Klaus Kauker!

Dragontape

Screenshot des Dragontape-Editors

tl;dr

Dragontape is a collaborative online video merging service with which you can drag online videos starting with YouTube onto a 'tape' that can be shared with the world.

Lange Version: Dragontape ist gerade ein Jahr alt und daher noch eine Beta-Plattform, mit deren Hilfe sich relativ schnell, simpel und grafisch nett Mixtapes zusammenbasteln lassen. Das funktioniert sogar und vor allem mit YouTube-Videos, aber auch mit Soundcloud-Tracks. Weitere Anbieter sollen später folgen.

Ein solches Dragontape kann man auch gemeinsam mit Freunden bestücken. Für eine Party oder gar auf einer Party lassen sich einem Tape immer neue Musikstücke hinzufügen, so dass am Ende ein kollaboratives Dragontape entsteht. Cool ist auch die Funktion, ein Tape via Twitter zu befüllen: Dabei pflückt Dragontape automatisch Videos und Soundcloud Links aus den Tweets vorher festgelegter Twitterer und baut daraus einen Mix.

Seit Juni gibt es eine App für iPhone/iPad. DJs und Musiker können sich damit sogar eine Art eigenen Channel generieren und diesen als eigenständige App präsentieren. Lefto dürfte mal wieder einer der ersten mit einer eigenen Dragontape-App sein. Frühestens 2012 soll es die App auch für Android-Geräte geben.

Will man selbst Hand anlegen, öffnet sich ein Editor, der einem gewöhnlichen Video-Bearbeitungsprogramm ähnlich sieht. Tracks können auf einer Zeitleiste hintereinander angeordnet werden, es gibt eine einfache Option zum Überblenden und über ein Suchfeld findet man Titel im Netz. Viel mehr Möglichkeiten hat man (noch) nicht, aber als Basis genügt das allemal. Dann noch Titel und Beschreibung eingeben und das Tape veröffentlichen.

Ich habe das mal ausprobiert und alle Videos, die ich 2011 in mein Posterous-Blog geschoben habe, zu einem chronologisch umgekehrt sortierten, knapp 90-minütigen Dragontape zusammengeklickt:

Bust All Majors? Srsly?

Bust All Majors-Grafik

Seit gestern macht eine vermeintlich witzige Aktion die Runde, die sich über die nervigen Sperren der ContentmafiaMusikindustrie lustig macht. Ihr wisst schon, "Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar" auf YouTube und anderen Seiten. Mich stört auch, dass ich viele Inhalte einfach nicht ansehen kann, aber trotzdem ist die Aktion Bust all major labels ziemlich daneben.

Kurz zur Funktionsweise: Blogbetreiber bauen ein kleines Javascript in ihre Seite ein, das von der Seite bustallmajors.com geladen wird. Ruft nun ein Besucher das Blog auf, wird seine (des Besuchers) IP-Adresse an bustallmajors.com übermittelt. Dort wird mittels einer whois-Anfrage an whois.ripe.net  abgefragt, ob die Domain (des Besuchers) zu Sony, EMI, Universal, Warner oder zur GEMA gehört. Falls das so ist, also der Besucher des Blogs beispielsweise in einem Büro von EMI sitzt und von dort aus im Internet surft, wird ein Overlay über das Blog gelegt. Folge: Der EMI-Mitarbeiter kann sich die Seite nicht mehr richtig ansehen. So die Idee hinter der Chose.

Während die Aktion auf Twitter eine virale Lawine auslöst, reagieren einige (etablierte) Blogs verhalten. Manche zweifeln daran, dass so etwas überhaupt funktioniert, andere halten die Aktion für einen Hoax. Die Skepsis rührt vor allem daher, dass hinter Bust all major labels die Nerdindustries GbR aus Hamburg sitzt, die Produkte zum Monitoring von Online-Kampagnen herstellt und vertreibt. Zu ihren Kunden gehören unter anderen große Agenturen wie BBDO, Saatchi & Saatchi und Jung von Matt (über die darf sich jeder gern selbst eine Meinung bilden).

Nun ist es ja ganz offensichtlich Kerngeschäft von Firmen wie Nerdindustries, auch im Social Media-Bereich Aufmerksamkeit zu erzeugen und damit umgehen zu können. So gesehen ist ihnen mit dieser Aktion ein richtiger Coup gelungen, wenn sie auch mit dem Ausmaß momentan etwas überfordert scheinen. Ein wenig von dieser Aufmerksamkeit dürfte immerhin auch für die eigentliche Problematik der Contentsperren abfallen.

Ich habe mir mal die TOP 100-Internetdienstanbieter angesehen, über die im letzten Monat Besucher hier ins Blog gelangten. Von den oben genannten Majors ist keiner dabei, lediglich Jung von Matt ist zweimal dabei. Das Blockierskript hätte also nie angeschlagen, selbst wenn ich es eingebaut hätte. So gesehen ist die Aktion ein ziemlicher Fail! Außerdem lässt sich die "Sperre" recht einfach umgehen.

Allerdings wären die IP-Adressen sämtlicher Besucher an Nerdindustries übertragen worden, wenn ich das richtig sehe. Und das sollten sich alle, die das Skript auf ihre Seite setzen, mal vor Augen führen. Stichwort Datensparsamkeit. Weist ihr eure Besucher denn auch alle darauf hin, dass ihr dieses Skript auf eurer Seite habt?

Des Weiteren ist IMHO das Skript selbst problematisch - abgesehen davon, dass der Quellcode schlimm aussieht; keine besonders gute Werbung für die Produkte von Nerdindustries. Denn die ständigen whois-Abfragen könnten gegen die Nutzungsbestimmungen der RIPE Datenbank. Diese Datenbank ist dafür gedacht, die Koordination unter Netzwerkbetreibern zu erleichtern, Betrugsfällen nachzugehen oder Reverse DNS-Abfragen zu machen - aber nicht, um in großen Ausmaß persönliche Daten abzufragen. Korrigiert mich bitte, wenn ich damit falsch liege. Bei Netzpolitik sieht man das übrigens ganz ähnlich!

Überhaupt ist das Problem der Contentsperren ja komplexer, als es ein Stinkefinger ausdrückt. Denn GEMA und YouTube schaffen es einfach nicht, sich darauf zu einigen, wieviel Geld YouTube an die GEMA zu zahlen hat. Die Videos selbst werden aber im Auftrag der jeweiligen Labels gesperrt. Aber lest euch dazu für den Anfang einfach mal die Kommentare zum Netzpolitik-Artikel durch.

Wie so häufig in letzter Zeit (vgl. Wir sind Helden u.ä.) sind solche Hypes also mit Vorsicht zu genießen. Denn sie dienen im Endeffekt meist den Interessen derer, die vordergründig "bekämpft" werden sollen. Also bitte, rennt nicht wie die Lemminge hinter jedem Trend her, sondern hinterfragt erstmal, was da eigentlich passiert. Medienkompetenz und so. Sonst gibt's irgendwann wirklich noch den Internetführerschein ;-)

PS: Es gibt tatsächlich schon Leute, die damit begonnen haben, die IPs der Majors zu sammeln, um ein "richtiges" Blockierskript zu schreiben.

Kampf für die Meinungsfreiheit von Musikern

Freemuse Award

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bzw. ihre deutsche Sektion haben ihrem aktuellen Amnesty Journal (eine Zeitschrift auf Papier) das Titelthema "Der Sound der Freiheit: Musik und Menschenrechte" verpasst. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird der Themenbereich untersucht. So schreibt etwa Tobias Rapp in Der Krieg der iPods über die Folter von Gefangenen in Guantanamo durch die stundenlange Beschallung mit lauter (US-amerikanischer) Musik und dass Bands wie Metallica oder Drowning Pool das auch noch cool finden.

Daneben findet sich auch ein (online nicht verfügbarer) Bericht über die dänische Organisation Freemuse. Die 1999 gegründete Menschenrechtsorganisation setzt sich für verfolgte Musiker vor allem in Afrika, im Nahen Osten und Südasien ein. Zwar ist das Phänomen der Musikzensur nicht neu, aber in vielen Staaten immer noch brandaktuell. Musiker in Diktaturen wie Simbabwe oder Myanmar, aber auch in Afghanistan oder der Elfenbeinküste sind Musiker, ähnlich wie Schriftsteller und Reporter, Repressalien ausgesetzt.

Eine Sammlung von mehr oder weniger historischen Zensurmaßnahmen, also von Eingriffen in die Meinungsfreiheit, sammelt die Freemusepedia, Fälle aus den vergangenen zehn Jahren sind im Newsbereich zu finden. Dabei tauchen immer wieder auch Fälle aus Deutschland auf. Wenn die Musiker selbst zur Missachtung von Menschenrechten auffordern, kann ein Verbot auch durchaus berechtigt sein. Freemuse dokumentiert es trotzdem.

Mit zahlreichen Aktionen geht Freemuse immer wieder an die Öffentlichkeit: Jährlich wird der Freemuse Award verliehen, am 3. März 2011 ist Music Freedom Day, und Anfang dieses Jahres wurde ein Sampler mit verbotener Musik herausgegeben. Listen To The Banned enthält 14 Songs größtenteils afrikanischer und arabischer Musiker und ist ziemlich erfolgreich in die World Music Charts eingestiegen. Im YouTube-Channel könnt ihr in jeden Song reinhören.

Bei Amnesty Deutschland finden sich weiterführende Infos zum Thema Menschenrechte und Musik. Vielleicht können wir ja am 3. März auch eine Blog-Aktion auf die Beine stellen? Versucht mal bitte, mit daran zu denken.

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