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Über das Verschwinden

Momentan häufen sich Wortmeldungen, die das Verschwinden zum Thema haben:

loopkid wundert sich, dass die Menschen von heute das haptisch-emotionale Erlebnis eines physischen Tonträgers nicht vermissen. Dabei geht es ihm gar nicht so sehr um die Ablösung von Vinyl und Compact Disc durch Musikdownloads und Dateien, sondern vielmehr um die Folgen, die der Wechsel zum Format des "Downloadsongs" mit sich bringt. Musik wird zur Wegwerfware, die Kids konsumieren einen Track ein paar Tage lang auf ihrem Handy, dann wird er wieder gelöscht, bleibt im Idealfall mehr oder wenier kryptisch benamt auf der Festplatte liegen. Identifikation mit dem Kunstwerk: gegen null. Wir Musiknerds taggen immerhin sorgfältigst unseren digitalen Musikbestand in Datenbanken, machen Backups, pflegen ein last.fm-Profil undsoweiter. Aber damit besetzen wir nur eine Nische.

Entsprechend der veränderten Rezeption/Konsumption wird Musik auch mitterweile vermarktet. Ein Song wird in einer Fernsehsendung platziert, der nächste in einem Computerspiel, der dritte in einer Werbung auf RTL2. Selbst kleine Liebhaber-Labels kommen da nicht drumherum. Man bemerkt solche Einstellungsänderungen auch teilweise an sich selbst und fragt sich, ob es daran liegt, dass man älter wird und vieles schon gehört hat; oder ob dahinter auch sozialer Wandel erkannt werden kann. Sind musikalisch definierte Subkulturen überhaupt noch stark ausgeprägt? Läuft bei der Jugend die Distinktion nicht eher über Klamotten? Ein großes Thema.

Passend dazu meldeten einige Blogs, dass Neuton, einer von Deutschlands größten Vinyl-Vertrieben, offenbar insolvent ist. Und das, wo viele traditionelle Medien gerade erst - mit sehr viel Verspätung - die Renaissance des Vinyls ausrufen. Die Blogosphäre ist da natürlich aktueller, aber nun auch deutlich verunsichert, wie es wohl weitergehen mag. Wobei andere die Schallplatte schon ins Museum gesteckt haben.

In Erinnerung behalten werden wir auch das kürzlich aus den Interwebs verschwundene Blog/Mag We Know Rap, das uns immer wieder mit fachkundigen News, interessanten Interviews und einfallsreichen Features versorgt hat. Ebenso wie Manuva möchte ich mich dafür bedanken und darauf hinweisen, dass sich die essentielle Releasedatenbank nach wie vor im Netz befindet. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich dort demnächst wieder was schönes Neues?

Nun aber Schluss mit den herbstlich-depressiven Gedanken Ende November, demnächst gibt es auch wieder jede Menge gute Nachrichten :-)

Pengcamp Mainz

Bevor ihr jetzt in Horden wegschaltet und vor euch hingähnt: "Nicht schon wieder ein Beitrag über Barcamps", solltet ihr, insbesondere wenn ihr aus Mainz oder Umgebung kommt, doch genauer hinsehen, denn es geht hier um das so genannte Pengcamp in Mainz, auf das mich Gerrit aufmerksam gemacht hat:

Kommunikation über Kommunikation ist ein spannendes Thema das uns intern oft beschäftigt. Wir möchten gerne unsere Erfahrungen teilen und hoffen auch von euch viel zu lernen. Das ganze soll im Peng typischen Low Budget Syle organisiert werden, damit es bei Erfolg leichter fällt es Regelmäßig zu wiederholen.

Die dies sagen heißen Peng, beschreiben sich als eine Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation und bespielen so eine Art Kunstraum in der Mainzer Innenstadt. Bisher habe ich Peng nur mehr en passant wahrgenommen, aber möglichweise bietet das Pengcamp am 10. und 11. Januar 2009 ja die Chance, die Leute dahinter besser kennezulernen. Insofern schließe ich mich Gerrits Beurteilung an - auch wenn ich Kunst mag ;-) -, hoffe auf neue Perspektiven und werde dort vorbeischauen. Zumal ich locker in ein paar Minuten zu Fuß hingehen kann. Bis es soweit ist, folge ich dem Pengcamp auf Twitter.

iLike

Zugegeben, ich weiß gar nicht so genau, was sich hinter iLike verbirgt. Ist die Seite nur eine weitere Musikcommunity unter vielen, oder steckt mehr dahinter? Keine Ahnung, mir fehlen die Zeit und die Lust, alles anzusehen und auszuprobieren. Aber eine Sache hat mich dann doch interessiert, nämlich das API von iLike, welches das relativ einfache und intuitive Einbinden von Songs auf der eigenen Seite ermöglicht. Zwei kleine Javascript-Schnipsel genügen, und schon geht es los:

ilike

Klar, es gibt noch hundert andere Wege, ans Ziel zu gelangen, also Musik auf der eigenen Seite zu platzieren. Aber iLike macht es schon ziemlich einfach. Ganz leicht fühle ich mich an blip.fm erinnert, das Songtool für Twitter sozusagen. Das liegt an der Art und Weise wie nach Musik gesucht wird, und auch daran, dass die Musik aus nicht näher genannten Quellen zu stammen scheint. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber wohl schon aufgezählt.

iLike erlaubt es auch, ganze Playlisten zu erstellen und zu veröffentlichen, blendet aber auch zu jedem Lied Werbung in Form von Links zu iTunes, Rhapsody oder Amazon ein. Gut, die wollen natürlich Geld verdienen - aber versuchen sie das mit Content aus der Grauzone? ich bin mir nicht sicher, weiß jemand Näheres darüber? Aber genug der Bedenken. Ich will lieber noch schnell zeigen, wie der Javascript-Code aussieht, den ich oben eingefügt habe.

<script src="http://www.ilike.com/api/js" type="text/javascript"></script><script type="text/javascript">iLikeDisplaySong({elId:"ilike_song1", songName:"Naima", artistName:"Coltrane"});</script>

Das war im Prinzip schon alles, zusätzlich wird allerdings noch ein kostenloser API-Schlüssel verlangt, den man aber recht einfach auf der iLike-Developer-Seite erhält. Natürlich war das auch nur ein sehr einfaches Beispiel, aber viel komplizierter wird es auch nicht mehr. Wessen Interesse ich nun geweckt habe, der kann sich ja bei iLike anmelden, sich im Developer-Wiki informieren - und mich als Freund hinzufügen :-) [via Paul Lamere übrigens]

Update: Hmm, da fehlt der Play-Button vor dem Song. Keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht muss iLike erst intern etwas freischalten? Ich bleibe am Ball …

Nik Bärtsch's Ronin live

Die Bühne nach dem KonzertDie Musik beginnt leise, wie das Zirpen einer Grille. Auf einmal bemerkst du das Rauschen eines Baches, das Wasser, das immer gleich fließt und doch minimal variiert. Vögel zwitschern, Bienen summen, du nimmst immer mehr Geräusche um dich herum wahr. Alles ist harmonisch, und irgendwann fängt auch der Boden an zu vibrieren, die Luft summt, dein Geist erhebt sich von der Bergwiese und erblickt die Berggipfel, einer neben, über, hinter dem nächsten. Schroffe Zacken, in endloser Reihenfolge, aber nie ganz gleich. Ein Massiv aus Klang, aus Urgewalten bricht über die herein und du ergibst dich dem Rhythmus, dem Sound.

So in etwa geht die Assoziationskette während eines der viertelstündigen Songs von Nik Bärtsch's Ronin, während man versucht, das Gehörte in Worte zu kleiden. Detailreich verzierte Repetition, unerwartete Taktverschiebungen, ausgetüftelte Sounds, und immer der Beat, der Groove als treibende Kraft und Zusammenhalt, das machte die Intensität dieser Musik gestern beim Enjoy Jazz Festival in der Alten Feuerwache in Mannheim aus. Zwar hatte ich schon vorher ins neueste Album Holon hineingelauscht, aber erst live wurden die Stücke zum Erlebnis. Nicht sich in endlosen Soli verlierender Jazz, nicht die Nähe zu (post-)rockenden Passagen scheuend, aber technisch anspruchsvoll, manchmal vertrackt, mit dem Hang und Drang zu Experimenten, indem Soundschicht für Soundschicht aufgetragen und auch säuberlich wieder abgetragen wurde.

Man merkte den fünf Musikern - Nik Bärtsch (p, rh), Björn Meyer (b), Kaspar Rast (dr), Andy Pupato (perc), Sha (bcl) - an, dass sie montags im Zürich im Club Bazillus stehen und spielen und sich die Komplexität und das Zusammenspiel auf der Bühne erarbeitet haben. Trotz der Länge der einzelnen Stücke ("Module") war es keine Sekunde langweilig gestern, denn so etwas bekommt man auf einem Jazzfestival auch nicht alle Tage geboten. Und ich bin froh, es 2008 doch noch wenigstens einmal aufs Enjoy Jazz geschafft zu haben. Mehr Konzertberichte und vor allem auch tolle Fotos aus Heidelberg und Mannheim gibt es wie jedes Jahr drüben beim Jazzblogger.

mp3-kompatibel

Ein wesentlicher Grund, warum ich Apple-Produkte und speziell iTunes, iPod und Co. ablehne, ist die weitreichende Einschränkung der Benutzer durch DRM, geschlossene Systeme und monopolartige Marktmacht. Dass der Kopierschutz unter dem Euphemismus "Fair Play" vermarktet wird, trägt zu meiner Abneigung nur noch bei. Und selbst wenn es iTunes für Linux gäbe, würde ich es nicht nutzen. Die Alternativen sind zahlreich, aber die Herde trabt blind dem Hype hinterher (vgl. reality distortion field).

Von daher finde ich es durchaus begrüßenswert, wenn die britische Entertainment Retailers Association nun das altehrwürdige MP3-Format als Verkaufsargument herausstellt und mittels eines eigens entworfenen Logos darauf hinweist, dass sich MP3-Dateien auf quasi allen Playern abspielen lassen - nicht nur auf denen aus Cupertino. Natürlich geht es hier um Marktanteile, die man Apple abjagen möchte. schließlich haben sich mit HMV, Woolworths, 7digital, Digitalstores, Tescodigital, Tunetribe und Play.com durchaus Schwergewichte zusammengeschlossen. Aber anders ist das wohl gar nicht zu bewerkstelligen.

Etwas übers Ziel hinausgeschossen in der Bewertung ist allerdings gulli, wo MP3 schon als offenes Format angepriesen wird. Ganz so offen wie die wirklich offenen Alternativen ist es dann ja doch nicht. Übrigens kann ein iPod weder OGG noch FLAC abspielen, was z.B. die Player von Cowon traditionell können, so auch der neue S9. Haben will!

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