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Truffaz, Singh, Murcof bei Enjoy Jazz 2009

Nun habe ich es also doch noch hinbekommen und war bei einem Konzert des diesjährigen Enjoy Jazz-Festivals im Heidelberger Karlstorbahnhof. Der französische Trompeter Erik Truffaz war wieder einmal zu Gast und hatte mit Talvin Singh an den Tablas und Murcof am Laptop zwei kongeniale Mitmusiker dabei. Was nach einer etwas gewagten Besetzung aussieht, funktionierte auf der Bühne allerdings sehr gut. Hintergrund dieses französisch-indisch-mexikanischen Trios sind die drei EPs, die Truffaz im letzten Jahr auf Blue Note Records (das übrigens gerade auf dem Jazzfest Berlin gebührend gefeiert wird) veröffentlicht hat: Benares, entstanden unter dem Eindruck von Kalkuttas Geräuschkulisse, Mexico, damals schon zusammen mit Murcof aufgenommen, und schließlich Paris. Das indische und das mexikanische Projekt hat Truffaz nun verschmolzen und damit einen musikalischen Bogen um die halbe Weltkugel gespannt.

Ein wenig skeptisch war ich schon, sind mir die Soundflächen von Truffaz' Trompetenspiel mitunter zu sphärisch und daher schnell langweilig. Meine Zweifel waren aber spätestens zerstreut, als Talvin Singh seinen Platz einnahm und die dringend benötigten perkussiven Elemente beisteuerte. Ein Fan seiner vielfältigen Experimente bin ich schon seit langem, und er ließ auch gestern nichts an Spielfreude vermissen. Die Fusion der unterschiedlichen musikalischen Einflüsse funktionierte prächtig, Musiker und Publikum hatten sichtlich Spaß und groovten spätestens beim Eintauchen in dubbig blubbernde Rhythmen gut mit. Ein schöner Abend, die Fahrt in die Kurpfalz hatte sich mal wieder gelohnt. Vor der Heimfahrt stärkte ich mich übrigens noch - in guter Tradition - mit einem Heidelburger ;-)

PS: Den Jazzblogger hab ich leider nicht getroffen, aber ich weiß, dass er sich ausgiebig mit Erik Truffaz unterhalten hat und demnächst auch drüber bloggen wird. Da gibt's dann bestimmt auch das eine oder andere leckere Foto. Augen offen halten!

Enjoy Jazz 2009

So langsam sollte ich etwas zum diesjährigen Enjoy Jazz-Festival aus den Fingern fließen lassen, schließlich läuft es bereits seit beinahe zwei Wochen. Eröffnet wurde das Festival traditionell im Heidelberger Schloss vom Charles Lloyd New Quartet, und seitdem ging noch ein Dutzend weitere Konzerte über die Bühne, unter anderem mit dem Portico Quartet und Cyminology. Bisher allerdings habe ich keinem dieser Konzerte beigewohnt, und mich beschleicht das Gefühl, dass sich das diesmal auch nicht ändern wird. Versteht mich nicht falsch, das Programm ist nicht schlecht, aber auf Anhieb ist kein Konzert dabei, für das ich alles stehen und liegen lassen würde, um nach Heidelberg oder Mannheim zu fahren.

Bei der Recherche bin ich auf folgenden Tweet gestoßen, der das Problem ziemlich auf den Punkt bringt:

Tweet von music_snob

Vielleicht liegt es einfach an mir, und mein Musikgeschmack verändert sich, oder es liegt am Schwerpunkt "40 Jahre ECM" - berechtigt und notwendig, aber nicht wirklich experimentell. Vielleicht ist es, auch finanziell, nicht einfacher geworden, manche Acts zu buchen, oder das Programm bewegt sich aus ähnlichen Gründen eher auf ausgetretenen Pfaden. Und natürlich macht es Spaß, Joshua Redman, Cassandra Wilson, Bobby Hutcherson oder Jan Garbarek zu hören. Aber statt dreier für den diesjährigen Mercury Prize nominierter Künstler hätte ich beispielsweise halt lieber die Preisträgerin, Speech Debelle, gesehen, und statt Guru's Jazzmatazz (auch schon 17 Jahre alt) hätte es ebenfalls etwas frischeres sein können.

Ich will jedoch nicht bloß meckern, sondern auch ein paar Termine aufzählen, die mich trotz allem ein bisschen reizen. Vijay Iyer Trio, Anouar Brahem, Erik Truffaz, Talvin Singh, Murcof und Ditzner, Lömsch feat. Jo Bartmes sind so Kandidaten, zu deren Auftritten ich eventuell doch den Weg in die Metropolregion finden werde.

Enjoy Jazz 2008

Alle Jahre wieder blogge ich an dieser Stelle über das Enjoy Jazz-Festival in Heidelberg/Mannheim und nehme mir vor, zu möglichst vielen Konzerten ins Rhein-Neckar-Dreieck zu fahren. Was immer wieder scheitert. In diesem Jahr ist meine Auswahl aufgrund äußerer Umstände (Arbeit, hautpsächlich) deutlich eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Dennoch will ich hier schnell die Highlights aus meiner Sicht bzw. im Hinblick auf jüngere Künstler oder clubtauglichere Spielarten darstellen - ihr wisst, was ich meine. Das komplette Programm findet sich hier. Für weitere Empfehlungen verweise ich wie üblich auf den Jazzblogger, der ja deutlich näher am Geschehen ist.

Zur Eröffnungsparty kommen Booka Shade, Nils Wuelker stellt sein neues Album Turning the Page vor, Mr Scruff hat ein fünfstündiges Set angekündigt, Christian Scott tritt mit seinem Quintett auf, Christian Prommer's Drumlesson wird Clubhits auf "echten" Instrumenten interpretieren, DJ Krush will ein special set mitbringen, José James kommt aus Brownswood, King Britt schaut zusammen mit Ursula Rucker vorbei, Roots Manuva kommt live und mit grünem Schleim im Kopf und DJ DSL legt im Anschluss auf. Aber eigentlich ist es bei diesem hochkarätigen Programm Blödsinn, einzelne Konzerte herauspicken zu wollen. Die werden alle gut, egal ob Legenden wie Coleman oder Hancock auftreten, Nik Bärtsch aus der Schweiz, oder deutscher Nachwuchs. Man wird einen Besuch keinesfalls bereuen. Und ich werde trotz aller Widernisse versuchen, das eine oder andere Konzert mitzunehmen, schon der geistigen Gesundheit wegen.

Enjoy Jazz 2007 im Rückblick

Ich bin untröstlich, dass ich es auf kein einziges Konzert des diesjährigen Enjoy Jazz-Festivals geschafft habe. Dabei waren so tolle Namen am Start, und ich hatte mir mindestens einen Abend fest vorgenommen. Aber wie das Leben manchmal so spielt, mal steht plötzlich das Auto in der Werkstatt, mal vernebelt eine Erkältung die Sinne, und so weiter. Nun ist es also vorbei, aber über 20.000 Zuschauer kamen in den Genuss von zahlreichen Konzerten, Masterclasses, Parties, Matineen und Vortragsreihen. Frank liefert im Jazz Blog den allumfassenden, reich bebilderten Rückblick auf sechs ereigenisreiche Wochen. Zum Nachhören ist die Enjoy Jazz Compilation Volume 2 erschienen, in die ihr hier reinhören könnt. Vielleicht kann ich mich damit ein wenig trösten bis zum nächstes Jahr. Denn dann bin ich wieder sowas von mit von der Partie!

Enjoy Jazz 2007: Programm

Enjoy Jazz 2007 LogoMein Leib- und Magenfestival, das Enjoy Jazz, findet in diesem Jahr bereits zum neunten Mal statt. Auf der neu gestalteten Webseite steht nun das diesjährige Programm online, und wieder einmal haben sich die Verantwortlichen selbst übertroffen. Highlights herauszupicken ist unmöglich, ich versuche daher einfach, ein paar Tipps für unterschiedliche Geschmäcker zu geben. Weitere Hinweise gibt es wie immer auch im Jazz Blog von Frank Schindelbeck, der übrigens auch für die großartigen Jazzfotografien verantwortlich ist, die die Veranstaltungsorte schmücken. Aber jetzt los, vergebt mir die Schubladisierung:

  • Hip Hop: DJ Jazzy Jeff, Ohmega Watts
  • Elektronika: Fennesz, Kammerflimmer Kollektief, Tied & Tickled Trio, Kosheen
  • NuJazz, Downbeat, Trip Hop usw.: Waldeck, Róisín Murphy, The Cinematic Orchestra, Bajofondo Tango Club, Erik Truffaz
  • Pop, Rock: The Bad Plus, Animal Collective, The Sea & Cake, Broken Social Scene, Battles
  • Skandinavisches: Tuomi, Christian Wallumrød Ensemble, Scorch Trio
  • Female Voices: Vienna Teng, Barbara Lahr, Dianne Reeves, Malia
  • Sax: Joshua Redman, Peter Brötzmann, Lee Konitz, Heinz Sauer, Joe Lovano, Archie Shepp, Jan Garbarek, Chris Potter
  • und und und

Wie gesagt, es fällt schwer, einzelne Konzerte hervorzuheben, denn jedes einzelne lohnt sich für Freunde guter Musik. Mal sehen, zu welchen ich es dieses Jahr schaffe.

Kieran Hebden und Steve Reid

Hier sitze ich nun, nachdem ich den ganzen Tag als Umzugshelfer geackert, Kisten geschleppt und Möbel aufgebaut habe, ziemlich erschöpft und tippe diese Zeilen in mein Blog, statt in Heidelberg den groovenden Klängen von Kieran Hebden und Steve Reid zu lauschen, wie ich eigentlich vorhatte. Irgendwie klappt das in diesem Jahr nicht mit mir und dem Enjoy Jazz. Wenn jemand die Güte hätte, in den Kommentaren zu berichten, was ich verpasst habe …

Agnes, Ruru und Nils wünsche ich jedenfalls viel Spaß in ihrer neuen Wohnung (damit sich die Schufterei auch gelohnt hat :-) )!

tweetbackcheck