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Hip Hop verbieten! Sofort!

Hip Hop Graffiti

Während die selbsternannten "Sicherheitsexperten", allen voran der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Uhl, hierzulande die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung fordern, weil die Anschläge in Norwegen "in Wahrheit [...] im Internet geboren" wurden, während diese Leute also allergröbsten Unsinn verzapfen, wird der wahre Hintergrund der Tat leider völlig ignoriert. Dabei wäre es ein Einfaches, die wichtigen Informationen aus dem Manifest "2083 - A European Declaration Of Independence" zu extrahieren, das der Attentäter Anders Behring Breivik selbst verfasst, teilweise aber auch plagiiert hat.

Wie das Philadelphia City Paper dankenswerterweise recherchiert hat, ist nämlich der Hip Hop an allem Schuld! Schließlich sei Breivik, wie er selbst schreibt, als Jugendlicher selbst dem Hip Hop zugetan gewesen und habe als Folge dessen Straftaten begangen. Er habe beispielsweise durch Taggen und Graffiti einen Sachschaden von selbst geschätzten 700.000 Euro verursacht. Außerdem hätten viele seiner damaligen Freunde wegen Hip Hop angefangen, Haschisch und Marihuana zu konsumieren. Überhaupt stammten etwa ein Drittel aller norwegischen Drogensüchtigen aus der Hip Hop-Szene. Ich zitiere im Folgenden die beiden wichtigsten Originalpassagen:

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We Love DJ Kool Herc Compilation

Cover der Compilation We Love DJ Kool Herc

Saturn Never Sleeps, Band/Label/Blog (von und mit King Britt), hat eine Compilation zu Ehren von Kool Herc veröffentlicht. Kool Herc ist - für alle, die es tatsächlich nicht wissen sollten - einer der Pioniere des Hip Hop im New York der 1970er Jahre. Seine Bedeutung für den frühen Hip Hop kann kaum unterschätzt werden.

Das Album We Love DJ Kool Herc versammelt Beiträge und Remixe von DaM-Funk, Jneiro Jarel, Dego, Ursula Rucker und Peter Kirn (der auch darüber gebloggt hat). We Love DJ Kool Herc kann kostenlos heruntergeladen werden (E-Mail-Adresse muss angegeben werden). Allerdings soll mithilfe der Compilation die Aufmerksamkeit auf ein großes Problem des amerikanischen Gesundheitssystem gelenkt werden: Kool Herc hat, wie viele Pioniere des Hip Hop und viele andere Amerikaner, keine Krankenversicherung.

Kool Herc und seine Familie rufen die Hip Hop-Community auf Hercs Webseite dazu auf, nach einer Lösung für diesen Missstand zu suchen. Natürlich kann auch direkt an Kool Herc gespendet werden, der vor kurzem kaum die Rechnungen für die Behandlung von Nierensteinen bezahlen konnte.

Reformen im Gesundheitsbereich werden in den USA mit schöner Regelmäßigkeit hauptsächlich von den Republikanern blockiert, Barack Obama hat das zu spüren bekommen. An der miserablen Situation vieler Amerikaner, die nur die Wahl haben, sich bis über beide Ohren zu verschulden oder zu verrecken (ums mal drastisch auszudrücken), wird sich offensichtlich von Seiten der Politik so schnell nichts ändern. Also werden Privatinitiativen wie dieses Album ins Leben gerufen. Und davon haben sogar wir alle etwas :-)

Grandmaster Flash beschreibt in seiner Autobiographie1 den Moment, als er zum ersten Mal Kool Herc hörte:

Herc also had a microphone.
As he faded between records, he'd toast the crowd and the Jamaican would come out in his voice. These aren't his exact words, but they went something like this:
YES-YES, Y'ALL ... HERC-HERC, Y'ALL!
Y'nevuh heard it like dis' before.
And he hit the echo chamber and shouted:
HERC-HERC-HERC-HERC-HERC-HERC-HERC...

Gänsehautfeeling pur also. Herc Einfluss ist bis heute ungebrochen, das zeigt gerade auch diese Compilation. Anhörbefehl!


1 Grandmaster Flash with David Ritz: The adventures of Grandmaster Flash. Broadway Books, 2008.

Fashawn - Higher Learning 2 Mixtape

Cover vom Fashawns Mixtape

Fashawn ist ein junger kalifornischer Rapper, dessen Video zu "Samsonite Man" ich schonmal bloggte. Jetzt hat Fashawn hat neues Mixtape namens "Higher Learning 2" gedroppt. Darauf zu finden sind 21 Tracks, Remixes und Skits. Viele davon sind in Zusammenarbeit mit J. Cole entstanden. 

Kommt ja nicht so häufig vor, dass ich hier Mixtapes verblogge, aber bei diesem Cover konnte ich einfach nicht wiederstehen. Und guten Hip Hop gibt's auch noch auf die Ohren. Hier geht's direkt zum Download. (Tracklist)

Mapping NYC Hip Hop

Hip Hop und New York - das ist weit mehr als nur ein Mythos, denn die kulturelle Strahlkraft dieser geschichtsträchtigen Beziehung reicht mittlerweile über drei Jahrzehnte hinaus. Arte.tv widmet diesem Phänomen ein filmisches und interaktives Projekt.

Möglicherweise habt ihr bereits anderswo davon gelesen, trotzdem möchte auch ich ausrücklich auf New York Minute. A Hip Hop Guide to the Fast Life von arte.tv hinweisen. New York Minute ist eine Art Dossier über Hip Hop in New York und besteht aus einer sechsteiligen Video-Miniserie mit Porträts von Rappern aus den fünf Boroughs von NYC. Aus Brooklyn etwa Joell Ortiz oder das Label Ruff Ryders, aus Harlem G. Dep usw.

Eine schöne interaktive Karte des Big Apple veranschaulicht, wo Hip Hop in New York beheimatet ist. Eingeloggte Benutzer können selbst Hip Hop-Stories zur Karte hinzufügen und so eine Wissenssammlung zum Thema aufbauen - ähnlich der schon etwas älteren, aber ebenso großartigen Rap Map. Leider dürfte die Halbwertszeit des Projekts schnell erreicht und die Sammlung nicht nachhaltig erweitert werden. Doch selbst beim aktuellen Umfang macht es Spaß, sich durch die New Yorker Stadtviertel zu klicken und die eine oder andere Anekdote über Jaz-Z oder Paul's Boutique zu lesen.

Die Videos von New York Minute sind alle auch auf Vimeo zu sehen und bleiben uns somit auch erhalten, falls Arte einmal beschließen sollte, das Projekt abzuschalten. Teil eins der Serie könnt ihr hier im Blog ansehen.

Freedom Suite 2010

Albumcover

Wenn die Blogrebellen die Freedom Suite von The Beast and Nnenna Freelon als absolutes Sahnestückchen empfehlen, kann man getrost zugreifen. Im Sinne von kostenlos downloaden. Zumal wenn dieses Jazz-meets-Hip Hop-Album Musiker wie Branford Marsalis, Phonte, 9th Wonder oder YahZarah featured.

Neben sechs neuen Songs gibt's auch Remakes von u.a. Lauryn Hills "Doo Wop" oder meinem Lieblinsgtrack von Mos Def, "Umi Says". Der Albumtitel "Freedom Suite" wiederum dürfte von Sonny Rollins "geklaut" worden sein, und das ist auch völlig ok so. Zwischen den zwölf Tracks äußern sich übrigens ?uestlove, Herbie Hancock oder Amiri Baraka zum Verhältnis von Jazz und Hip Hop.

Also, hier kostenlos downloaden!

Baloji

Die Zukunft des Hip Hop liegt in Afrika. Hab ich gestern irgendwohier gelesen. Man muss aber nach ihr suchen. 

In Plattenläden nach Vinyl zu diggen ist immer etwas Besonderes und in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger geworden. Ich finde, es ist lange überfällig, den Begriff des "Digging" auf das Internet auszuweiten - und damit meine ich nicht das gemütliche Platten-Shoppen auf Ebay. So manch einer kämpft sich stundenlang durch obskure Blogs, schwerfällige MySpace-Profile, ellenlange Soundcloud-Listen, automatisierte Last.fm-Empfehlungen und spezialisierte Musik-Nerdforen, um den neuesten heißen Scheiß zu entdecken und aus den Unmengen neuer Musik das Gute und Rare herauszufiltern. Die Jagd nach dem Neuen stellt somit auch den wesentlichen Gegensatz zum Diggen der alten Schule dar. Nicht mehr verstaubte Scheiben aus vergangenen Jahrzehnten sind gefragt, sondern brandneue, am besten noch unreleaste Tracks blaßgesichtiger, Beats bastelnder Teenager aus der walisischen Provinz. Aber das wäre ein Thema für einen eigenen Blogartikel.

An dieser Stelle soll es um Baloji gehen, einen belgischen Rapper kongolesischer Herkunft, der in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Und nach dessen Musik man schon eine Weile diggen muss, wenn einem die Song-Beispiele auf seiner Webseite nicht mehr genügen. Als ich den Namen Baloji auf Gilles Petersons Top 10 Breakout Artists of the Year (So Far)-Liste gelesen hatte, fingen ein paar Synapsen in meinem Langzeit-Musikgedächtnis an zu glühen. Eine kurze Suche brachte mich auf sein Twitter, einen französischen Wikipedia-Eintrag, sein Blog und sein 2007er Album "Hotel Impala". Aber die neue Platte "Kinshasa Succursale" war fast nirgends aufzutreiben, verrückt. Schließlich konnte ich die 13 Tracks, die mit Konono Nº 1 als Backing-Band aufgenommen wurden, doch aus einer virtuellen Plattenkiste ziehen (jaja, ich weiß, gibt's bei iTunes, aber ihr wisst ja ...). Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert! Der elektrifizierte Likembé-Sound der Kongolesen ist auf Dauer anstrengend, sorgt aber dafür, dass die Songs deutlich direkter zur Sache kommen als auf "Hotel Impala".

Zwei Videos von Baloji zeigen, wo es langgeht

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