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PDF-Magazine

Logo pdf-mags.comEs sind ja nicht nur die Blogs, die den "klassischen" Printmagazinen das Leben (angeblich) schwer machen. Zwischen dem reinen Internetformat und dem Papier hat sich eine Hybridform entwickelt: das PDF-Magazin. Optisch an Aufmachung und Layout der Zeitschriften angelehnt, nutzen die kostenlosen PDF-Mags die Vorteile und technischen Möglichkeiten des Portable Document Formats, um ihre Inhalte interaktiv zu präsentieren und neue Herangehensweisen auszutesten. Was dabei herauskommt, ist meistens gestalterisch innovativ, inhaltlich interessant, und nur in wenigen Fällen die 1:1-Kopie eines Printheftes. Thematisch geht es häufig um Design, Illustration, Kunst und eben auch Musik. Unter pdf-mags.com findet man eine riesige, ständig aktualisierte Liste deutscher und internationaler Publikationen; eine Kategoriensuche soll die Sammlung demnächst noch übersichtlicher machen. Interessant sind z.B. goon, mittlerweile schon die 23. Ausgabe mit einem wirklich gelungenen Themenmix aus Mode, Lifestyle, Musik und Kunst, oder DEAD mit vielen Interviews und Plattenreviews, Schwerpunkt Hip Hop. Es lohnt sich jedenfalls, ab und an dort vorbeizuschauen.

Visions ruft den Kulturkampf aus

Cover der aktuellen "Visions"

Vielleicht liest der eine oder andere von euch die Visions, das Musikmagazin für alternative Musik (Selbstcharakterisierung). Ich schaue ab und zu mal rein, wenn sie irgendwo rumliegt. So passiert auch am Wochenende in Köln, wo sie - wie sich das in einer WG ja gehört - auf dem Klo meiner Wochenendgastgeber bereitlag. Ziemlich reißerisch wird schon auf dem Cover der Kulturkampf Musik ausgerufen. "Besser spät als nie", dachte ich mir, und überflog das 13-seitige Dossier zum Thema. Durch die Schlagzeile Musik-Mag vs. Blog war ich gleich etwas skeptisch: "Da versucht jemand mit aller Gewalt seine Pfründe zu verteidigen und seine Leser gegen alles Umstürzlerische aufzuhetzen." Außerdem war die Aufmachung schon sehr reißerisch:

Es hört sich an wie ein Massensterben: Plattenladen, CD, Album, Magazine, Labels – alle tot. Wo sind die Mörder? Ist die Lage wirklich so schlimm? Wer lebt nun weiter? Und wer entscheidet darüber, wie die Musikkultur der Zukunft aussehen soll?

Hier wird der Teufel großflächig an die Wand gemalt. Aber, und das muss man der Visions schon zugute halten, wird das Thema durchaus von verschiedenen Seiten beleuchtet. Viele Fragen werden im Text aufgeworfen, auf die noch niemand eine Antwort kennt. Die aber eine Diskussion anstoßen sollen. Dazu wurde eigens eine Art Forum eingerichtet, im dem schon eifrig gepostet wird (gefunden via). Daneben bietet die Visions, und das ist wirklich bemerkenswert, den kompletten Text aus dem Heft zum Download (und Ausdrucken und aufs Klo legen) an. Ich habe ihn ja immer noch nicht ganz durchgelesen, lese dafür aber einige Meinungen im Forum (ist das eigtl. moderiert?). Das Thema bleibt sicher noch eine ganze Weile spannend, wer will, kann ja dort oder hier im Blog seinen Senf dazugeben. Spielt sich zurzeit wirklich ein Kulturkampf ab?

Straight No Chaser gibt auf

Die aktuelle Ausgabe von Straight No Chaser

Die englische Zeitschrift Straight No Chaser war 19 Jahre lang die Hauspostille der Acid Jazz/NuJazz-Szene und aller freidenkenden Musikbegeisterten weltweit. War, denn nach der nächsten Ausgabe ist Schluss. Ein harter Schlag für alle Leser und Fans, dass eins der mit am liebevollsten gemachten Magazine eingestellt wird. Es war immer wieder eine Freude, ein neues Heft aus dem Briefkasten zu holen (auch wenn es der Postbote immer wieder geknickt hat, und wenn das Heft erst viele Wochen nach seiner Veröffentlichung ankam), das schwere Papier zu fühlen und die Druckfarbe zu riechen. Doch nun ist endgültig Schluss, wie Gründer Paul Bradshaw bestätigt hat, nachdem Spatzen die Gerüchte bereits von den Dächern pfiffen.

Die Verdienste von SNC sind gar nicht hoch genug einzuschätzen, und die Themenbreite und -auswahl suchen weltweit ihresgleichen, weswegen keine andere Zeitschrift SNC wird ersetzen können. Ebenso einzigartig wie unkonventionell waren auch Layout und Design. Immerhin will die Redaktion den Internetauftritt gehörig ausbauen, obwohl man im Internet einen der Hauptfaktoren für die wirtschaftlichen Probleme sieht. Aber genauso sieht man wohl auch die Chance, die sich hier bietet. Ich hoffe, dass die neue Webseite die hohen Erwartungen zumindest teilweise erfüllen kann. Ersetzen kann sie die Zeitschrift Straight No Chaser mit Sicherheit nicht.

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