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Jazzified And Novel

Die sage und schreibe 25. Ausgabe des Mercedes-Benz Mixed Tapes ist heute erschienen, und damit kehrt das Mixed Tape sozusagen zu seinen Ursprüngen zurück, den die Songs stehen diesmal unter dem Motto "Jazzified". Mit solchen Nummern hat das Mixed Tape einmal ganz klein angefangen. Mit dabei diesmal u.a. die Kölnerin Sosue, Mishoo The Drumkit mit einem Track, der von Comfort Fit produziert wurde, welcher selbst mit einem brandneuen Titel vertreten ist.

Apropos Comfort Fit. Seine legendäre Forget and Remember LP erschien vor knapp vier Jahren auf dem Label Tokyo Dawn, um das es im Anschlus etwas ruhiger geworden war. Bis jetzt, denn nun ist die Tokyo Dawn-Webseite relauncht worden. Das Witzige am Relaunch ist, dass fast alle Inhalte aus externen Quellen wie der Wikipedia, Twitter, YouTube, Flickr oder SoundCloud eingebunden werden. Ein interessantes Konzept, das zwar anderswo schon ähnlich, aber nicht ganz so konsequent umgesetzt wurde. Außerdem lässt ein neuer Webauftritt doch auch auf neue Releases hoffen, oder?

Orientation.biz

Akuma beschreibt sich selbst als Online-Musikdienst für hochwertige MP3s zu fairen Preisen. Zumindest die Qualität der Musikdateien, die mit 320 kBit/s codiert sind, kann überzeugen; was faire Preise sind, muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen. Jedenfalls wurde akuma.de erst 2006 gegründet und bot anfangs hauptsächlich Titel von Indies an, mittlerweile hat man aber auch z.B. EMI im Angebot. Der Shop beinhaltet einige Community-artige Features wie etwa Künstler-Bewertungen, Kommentarfunktionen oder Tagging. Das Ganze wird betrieben von der H² media factory GmbH aus Hamburg, die auch die Computer-Newsseite Netzwelt publiziert.

Soviel vorab zu den trockenen Fakten des Shops. Akuma beherbergt seit Oktober 2008 allerdings auch ein eigenes Label namens akuma recordings. Die erste und bisher einzige Veröffentlichung ist das dritte Album der deutsch-türkischen Formation Orientation, über die ich vor zweieinhalb Jahren schon einmal geschrieben habe. Auf dem neuen Album Orientation.biz wirbeln die Berliner wieder Funk, Hip Hop, Lounge Jazz, Reggae und orientalische Melodien umeinander, wobei die meisten Songs auf türkisch gesungen bzw. gerappt sind. Die Ballade "Schlaflos" bildet die Ausnahme, braucht sich aber hinter dem Rest der Scheibe nicht zu verstecken. Stimmungsmäßig kommt Orientation.biz eher ruhig und relaxt daher. Die Live-Shows der Band sollen in krassem Kontrast dazu stehen (einen Eindruck davon vermittelt YouTube). Die Qualität der zehn Tracks schmälert das allerdings in keinster Weise, im Gegenteil strahlt die Musik kraftvolle Souveränität im Umgang mit den vielfältigen musikalischen Einflüssen aus, die hier verarbeitet werden.

Fazit: Wer auf soulful, funky Grooves mit etwas so genanntem weltmusikalischen Einschlag steht, sollte Orientation.biz auf jeden Fall probehören oder versuchen, einen der raren Live-Auftritte zu erleben. Ein bisschen verwunderlich ist allerdings, dass die Domain orientation.biz als SEO-Parking-Seite dahinvegetiert und nicht aktiv von der Band zur Vermarktung genutzt wird ;-) Aber sei's drum.

Über das Verschwinden

Momentan häufen sich Wortmeldungen, die das Verschwinden zum Thema haben:

loopkid wundert sich, dass die Menschen von heute das haptisch-emotionale Erlebnis eines physischen Tonträgers nicht vermissen. Dabei geht es ihm gar nicht so sehr um die Ablösung von Vinyl und Compact Disc durch Musikdownloads und Dateien, sondern vielmehr um die Folgen, die der Wechsel zum Format des "Downloadsongs" mit sich bringt. Musik wird zur Wegwerfware, die Kids konsumieren einen Track ein paar Tage lang auf ihrem Handy, dann wird er wieder gelöscht, bleibt im Idealfall mehr oder wenier kryptisch benamt auf der Festplatte liegen. Identifikation mit dem Kunstwerk: gegen null. Wir Musiknerds taggen immerhin sorgfältigst unseren digitalen Musikbestand in Datenbanken, machen Backups, pflegen ein last.fm-Profil undsoweiter. Aber damit besetzen wir nur eine Nische.

Entsprechend der veränderten Rezeption/Konsumption wird Musik auch mitterweile vermarktet. Ein Song wird in einer Fernsehsendung platziert, der nächste in einem Computerspiel, der dritte in einer Werbung auf RTL2. Selbst kleine Liebhaber-Labels kommen da nicht drumherum. Man bemerkt solche Einstellungsänderungen auch teilweise an sich selbst und fragt sich, ob es daran liegt, dass man älter wird und vieles schon gehört hat; oder ob dahinter auch sozialer Wandel erkannt werden kann. Sind musikalisch definierte Subkulturen überhaupt noch stark ausgeprägt? Läuft bei der Jugend die Distinktion nicht eher über Klamotten? Ein großes Thema.

Passend dazu meldeten einige Blogs, dass Neuton, einer von Deutschlands größten Vinyl-Vertrieben, offenbar insolvent ist. Und das, wo viele traditionelle Medien gerade erst - mit sehr viel Verspätung - die Renaissance des Vinyls ausrufen. Die Blogosphäre ist da natürlich aktueller, aber nun auch deutlich verunsichert, wie es wohl weitergehen mag. Wobei andere die Schallplatte schon ins Museum gesteckt haben.

In Erinnerung behalten werden wir auch das kürzlich aus den Interwebs verschwundene Blog/Mag We Know Rap, das uns immer wieder mit fachkundigen News, interessanten Interviews und einfallsreichen Features versorgt hat. Ebenso wie Manuva möchte ich mich dafür bedanken und darauf hinweisen, dass sich die essentielle Releasedatenbank nach wie vor im Netz befindet. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich dort demnächst wieder was schönes Neues?

Nun aber Schluss mit den herbstlich-depressiven Gedanken Ende November, demnächst gibt es auch wieder jede Menge gute Nachrichten :-)

mp3-kompatibel

Ein wesentlicher Grund, warum ich Apple-Produkte und speziell iTunes, iPod und Co. ablehne, ist die weitreichende Einschränkung der Benutzer durch DRM, geschlossene Systeme und monopolartige Marktmacht. Dass der Kopierschutz unter dem Euphemismus "Fair Play" vermarktet wird, trägt zu meiner Abneigung nur noch bei. Und selbst wenn es iTunes für Linux gäbe, würde ich es nicht nutzen. Die Alternativen sind zahlreich, aber die Herde trabt blind dem Hype hinterher (vgl. reality distortion field).

Von daher finde ich es durchaus begrüßenswert, wenn die britische Entertainment Retailers Association nun das altehrwürdige MP3-Format als Verkaufsargument herausstellt und mittels eines eigens entworfenen Logos darauf hinweist, dass sich MP3-Dateien auf quasi allen Playern abspielen lassen - nicht nur auf denen aus Cupertino. Natürlich geht es hier um Marktanteile, die man Apple abjagen möchte. schließlich haben sich mit HMV, Woolworths, 7digital, Digitalstores, Tescodigital, Tunetribe und Play.com durchaus Schwergewichte zusammengeschlossen. Aber anders ist das wohl gar nicht zu bewerkstelligen.

Etwas übers Ziel hinausgeschossen in der Bewertung ist allerdings gulli, wo MP3 schon als offenes Format angepriesen wird. Ganz so offen wie die wirklich offenen Alternativen ist es dann ja doch nicht. Übrigens kann ein iPod weder OGG noch FLAC abspielen, was z.B. die Player von Cowon traditionell können, so auch der neue S9. Haben will!

Das fünfzigste Album auf 12rec.

Über das Dortmunder Netlabel 12rec. habe ich schon einige Male gebloggt, weil das engagierte Label von Sven Swift und Sim Sullen immer wieder mit äußerster Stilsicherheit coole Netaudio-Bomben in die ungeduldige Welt raushaut. Etwa von meinen heimlichen Lieblingen Sichtbeton, die mit zwei wunderbaren Releasen vertreten sind. Lunte und V.räter sind auch auf der jüngsten 12rec.-Publikation mit von der Partie.

Album-CoverDenn mit dem mittlerweile fünfzigsten Release unter dem programmatischen Titel So much achieved. So much left to do. feiert sich 12rec. selbst. Hinter 50 Releases in vier Jahren stecken jede Menge ernsthafte Arbeit und noch mehr Spezialkleber, mehr Details verrät dieses Interview im Phlow-Magazine. Auch diesmal gibt es eine mit viel Liebe verpackte Compact Disc käuflich zu erwerben, wer möchte, kann sich die Compilation selbstverfreilich auch downloaden Es lohnt sich in jedem Fall, soviel steht fest. Neben Sichtbeton solltet ihr zumindest mal in die Tracks von Plaistow und adcBicyle reinhören, um einen Eindruck zu bekommen.

Wenn ich gerade etwas mehr Zeit hätte, würde ich einige Tracks in einen Player stecken und hier einbinden; wenn es die Platte schon bei archive.org gäbe, würde ich deren Player nehmen; so müsst ihr eben auf die offizielle Seite surfen oder könnt bei 12rec. reinhören, was es bei 12rec. noch so alles zu entdecken gibt. Enjoy!

5 Jahre TV-Browser

Cover der TV-Browser-CompilationHerzlichen Glückwunsch dem Projekt TV-Browser, das in diesen Tagen seinen fünften Geburtstag begeht. TV-Browser ist eine freie plattformunabhängige elektronische Programmzeitschrift, die die Programme von über 150 Fernseh- und Radiosendern und über 100 Kinos eingebunden hat und durch viele Plugins erweiterbar ist. Meines Erachtens eins der besten Open Source-Projekte für alle Usergruppen überhaupt. Ich nutze das Programm bestimmt schon seit 4,9 Jahren ;-) Auch wenn es immer wieder Probleme gab, seien sie technischer, administrativer oder juristischer Natur, hat der TV-Browser alle Klippen umschifft und feiert sich nun selbst mit dem Release einer buntgemischten Musik-Compilation unter Creative Commons-Lizenz. Downloaden als .torrent in den Formaten MP3, OGG oder FLAC.

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