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Cylob macht den Radiokopf

Cover von Late In The DayImmer mehr Künstler fühlen sich von Radiohead ermutigt, ihre Musik nach dem Modell "Zahlt, was ihr wollt" im Internet anzubieten. Jüngstes Mitglied in dieser illustren Runde ist Cylob, der seine EP Late In The Day zum Download freigegeben hat. Wenn ihr also auf seinen anspruchsvollen Braindance-Sound steht, solltet ihr zuschlagen und den Paypal-Button nicht vergessen. [via Andreas]

Radiohead - In Rainbows

So, nachdem der Rummel um die Veröffentlichung von Radioheads neuem Album In Rainbows etwas abgeebbt ist, können wir ja mal einen kurzen Blick zurück riskieren. Kurz als Zusammenfassung für alle, die es tatsächlich nicht mitbekommen haben: Radioheads Vertrag mit ihrer Plattenfirma EMI war nach sechs gemeinsamen Alben ausgelaufen, einen neuen Vertrag haben die Engländer nicht abgeschlossen. Stattdessen entschieden sie sich, ihr siebtes Album ab dem 10. Oktober 2007 per Download zu veröffentlichen und Anfang Dezember eine aufwändig gestaltete Box mit CDs, 12″s und Booklet nachzuschieben. Den Preis für den Download sollten die Kunden selbst festlegen können. Damit schlägt die "Firma" Radiohead neue Wege ein, steht damit allerdings nicht allein da. Auch Trent Reznors Nine Inch Nails, Prince, Jamiroquai und aktuell Madonna (das Geld wird mit fetten Auftritten gemacht) und Oasis wollen ähnliche Modelle ausprobieren, nichts mehr mit Plattenfirmen zu tun haben (beim Musikdieb gibt's eine längere Liste samt ausführlicher Diskussion).

Doch zurück zu In Rainbows. Viele Fans dürften sich dafür entschieden haben, das Album kostenlos herunterzuladen, denn selbst bei einem geringen Betrag wären noch eine Transaktionsgebühr und der zusätzliche Aufwand für den Bezahlvorgang hinzugekommen. Manche zahlten aber auch deutlich mehr und bekommen dafür jetzt was anderes kostenlos - Werbung. Der massive Ansturm machte die Radiohead-Seite zur meistbesuchten Bandseite in Großbritannien und setzte den Radiohead-Server zeitweise außer Gefecht, teilweise kam es wohl auch zu Verzögerungen bei der Zustellung des Freischaltcodes, aber mittlerweile dürften die meisten das Album haben. In Rainbows ist vielleicht nicht das beste Radiohead-Album bisher, dafür hat die Band die Messlatte einfach schon zu hoch gelegt. Aber es ist auf jeden Fall eines der besseren Alben dieses Jahres überhaupt, so viel kann ich nach ein paarmal Hören schon sagen. Die MP3s sind leider nur mit 160 kbit/s komprimiert, was definitiv unter Standard ist. 192 kbit/s wären angebracht gewesen, viele DJs spielen in Clubs nichts unterhalb von 320 kbit/s. Für diese Qualität zahle ich auch nicht mehr als nichts. Und ob ich mir die - zugegeben sehr ansprechende - Discbox für knapp 60 Euro holen werde? Mal sehen. Aber eins steht fest: Die großen, sprich: finanzstarken Künstler setzen Zeichen, manche sprechen von Revolution, und die Plattenfirmen müssen echt aufpassen (schon wieder!), dass sie die Entwicklung nicht verschlafen.

Visions ruft den Kulturkampf aus

Cover der aktuellen "Visions"

Vielleicht liest der eine oder andere von euch die Visions, das Musikmagazin für alternative Musik (Selbstcharakterisierung). Ich schaue ab und zu mal rein, wenn sie irgendwo rumliegt. So passiert auch am Wochenende in Köln, wo sie - wie sich das in einer WG ja gehört - auf dem Klo meiner Wochenendgastgeber bereitlag. Ziemlich reißerisch wird schon auf dem Cover der Kulturkampf Musik ausgerufen. "Besser spät als nie", dachte ich mir, und überflog das 13-seitige Dossier zum Thema. Durch die Schlagzeile Musik-Mag vs. Blog war ich gleich etwas skeptisch: "Da versucht jemand mit aller Gewalt seine Pfründe zu verteidigen und seine Leser gegen alles Umstürzlerische aufzuhetzen." Außerdem war die Aufmachung schon sehr reißerisch:

Es hört sich an wie ein Massensterben: Plattenladen, CD, Album, Magazine, Labels – alle tot. Wo sind die Mörder? Ist die Lage wirklich so schlimm? Wer lebt nun weiter? Und wer entscheidet darüber, wie die Musikkultur der Zukunft aussehen soll?

Hier wird der Teufel großflächig an die Wand gemalt. Aber, und das muss man der Visions schon zugute halten, wird das Thema durchaus von verschiedenen Seiten beleuchtet. Viele Fragen werden im Text aufgeworfen, auf die noch niemand eine Antwort kennt. Die aber eine Diskussion anstoßen sollen. Dazu wurde eigens eine Art Forum eingerichtet, im dem schon eifrig gepostet wird (gefunden via). Daneben bietet die Visions, und das ist wirklich bemerkenswert, den kompletten Text aus dem Heft zum Download (und Ausdrucken und aufs Klo legen) an. Ich habe ihn ja immer noch nicht ganz durchgelesen, lese dafür aber einige Meinungen im Forum (ist das eigtl. moderiert?). Das Thema bleibt sicher noch eine ganze Weile spannend, wer will, kann ja dort oder hier im Blog seinen Senf dazugeben. Spielt sich zurzeit wirklich ein Kulturkampf ab?

Musikdownloads rechnen sich für Künstler nicht!?

Sollte die folgende Grafik stimmen und das aussagen, wonach es aussieht, dann bringt online vertriebene und downloadbare Musik den Künstlern weniger ein als Musik auf CDs. Große Gewinner sind die Plattenfirmen, die einen noch größeren Teil des Kuchens für sich behalten.

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Allerdings wurde die Studie offenbar von der MCPS-PRS, der britischen GEMA quasi, in Auftrag gegeben mit dem Ziel, die Frage nach einer Verlängerung der Urheberrechte von Musik von 50 auf über 90 Jahre zu klären. Die Frage wurde mittlerweile vom Parlament abschlägig beantwortet, nicht zuletzt auf der im so genannten Gowers-Bericht dargelegten Fakten. Der Zusammenhang, in dem die Daten, die im Übrigen von der MCPS-PRS selbst geliefert wurden, verwendet werden, ist folglich ein anderer. So wird in dem Bericht auch darauf hingewiesen, dass Künstlern je nach Bekanntheit durchaus andere Einnahmequellen zur Verfügung stehen, etwa Auftritte in Werbekampagnen oder Livekonzerte. Und überhaupt: copyright is essential for protecting the investment that UK creative industries make in artists, performers and designers. Es geht also nur indirekt um die Künstler.

Da in Großbritannien, und auch das steht im Bericht, mittlerweile ca. 80 Prozent aller Singles per Download verkauft werden, ist das Thema sowieso von der Realität überholt worden. Dennoch steht es der weit verbreiteten und oft von Künstlern selbst geäußerten Ansicht, Downloads seien gerechter, etwas entgegen. Wem soll man glauben? [via 1, 2, 3]

Mangel an Dynamik

Nein, die Überschrift bezieht sich nicht auf meine Blogfrequenz in letzter Zeit (es gibt einfach zu viel anderes zu tun), sondern auf ein Phänomen, das in der Popmusik in den vergangenen 10-20 Jahren immer mehr Veröffentlichungen zu einem matschigen Brei zermalmt. Man kennt das bereits aus den Best-of-80s-90s-und-von-heute-Radiosendern, die jeden Musiktitel so brutal laut ausstrahlen, dass alle sich völlig gleich anhören. Abgesehen davon laufen da rund um die Uhr sowieso nur die gleichen Stücke, und die herkömmliche Radioübertragung unterliegt gewissen technischen Beschränkungen. Aber warum Veröffentlichungen auf CD, vor allem die von Rock-Bands, immer "gleicher" klingen? Kommt das nur mir so vor, oder ist das objektiv so und gar ein Auslöser der Krise der Popkritik?

Diese Fragen lassen sich vielleicht mit einem Blick auf den ausufernden Einsatz von Dynamikkompression klären. Die Einebnung des Dynamikverlaufs macht hörbare Unterschiede zwischen Instrumenten weitgehend zunichte. Die Musik klingt zwar lauter, bisweilen brachialer, aber die "Seele" geht verloren. Bei elektronischer Musik mag das weniger ins Gewicht fallen, sind die Klänge selbst ja schon elektronisch bzw. digital erzeugt und daher "künstlich", so dass die Kompression hier sogar als Stilmittel eingesetzt werden kann. Aber dass ein cleaner Sound bei vielen Aufnahmen der bessere Weg wäre, zeigt dieses kurze Video (thx, CDM):

Video at YouTube

Let's do the "Gude Laune" again

In Mannheim ist mal wieder Time Warp. Das ist der Techno-Großtanztag, der uns im letzten Jahr die legendäre "Gude Laune" bescherte. Was ich bisher nicht wusste und nur per Zufall erfahren habe: Neben den DJ-Veranstaltungen auf dem Maimarkt-Gelände gibt es auch ein durchaus sehenswertes Rahmenprogramm. Auf die RBMA-Infosession mit Underground Resistance habe ich ja schon hingewiesen; gleichzeit findet am Donnerstag Abend auch ein Workshop mit dem Wir nennen es Arbeit-Duo Friebe/Lobo statt. Vor allem am Samstag bietet sich eine Vielzahl von Seminaren, Panels, Workshops und Lesungen, die hauptsächlich für Musikschaffende gedacht sind. Die Themen weisen eine große Bandbreite auf: Grundlagen der Label- und Vertriebsarbeit in Theorie & Praxis, Tonträger Herstellung, Producing, Mastering, Videoclipproduktion und Visualisierung von Musik. Und mein persönlicher Favorit (aus Sicht eines Musikbloggers eben): "Web 2.0 rocken" mit Moritz Sauer, Martin Stiksel, Sebastian Redenz und Sascha Kösch. Da ich am Wochende sowieso einen alten Freund im Rhein-Neckar-Delta besuchen will, könnte ich dort sogar reinschauen. Beginn 19 Uhr verträgt sich zwar nicht mit der Sportschau, dafür aber mit sonstiger Abendgestaltung. Zur Anmeldung.

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