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Büro am Strand will in die Charts

Seit kurzem ist es ja auch in Deutschland möglich, rein online vertriebene Musiktitel in den TOP 100-Charts zu platzieren. In England z.B. ging das schon länger. Bisher gab es hierzulande allerdings noch keinen Song, der allein durch Download-Käufe in die Singlecharts gekommen wäre. Büro am Strand, die Band mit Blogger MC Winkel, will es nun schaffen. Ihre Single "Heiße Stadt" ist poppiger norddeutscher Hip Hop für den leider schon ausfadenden Party-Sommer und soll noch innerhalb dieser Woche 300 bis 400 Mal über den virtuellen Ladentisch gehen, um damit unter den ersten 100 Plätzen zu landen. Ein Video gibt es auch schon, das Cover hat René von Nerdcore gestaltet, und bei Erfolg ist auch ein physikalischer Release (sprich: CD) geplant. Wo ihr den Song käuflich erwerben könnt, steht im Blogeintrag von MC Winkel. Leider ist da kein Shop dabei, den ich benutzen mag, von daher müssen diese Zeilen hier von meiner Seite als Unterstützung ausreichen. Aber da mischen so viele A-Blogger mit, dass das mit den Charts schon klappen wird.

Groove Attack Web Shop

Mein Lieblingsplattenladen in Köln ist wegen Größe, Location und Auswahl Groove Attack (na gut, und weil ich noch in keinem anderen war). Da ich meistens aber nur am Wochenende in Köln bin und dann schon Freitagnacht mit den Freunden durch die Clubs ziehe, schaffen wir es immer erst kurz vor Ladenschluss dorthin, nachdem wir ausgeschlafen, ausgiebig gefrühstückt und gemütlich gechillt haben. Das wird dann wiederum sehr hektisch, und wir können das besondere Plattenladenfeeling nicht so richtig auskosten. Damit könnte jetzt Schluss sein. Zumindest ist es nicht mehr so schlimm, falls es doch mal später wird, denn Groove Attack hat jetzt einen Web Shop eröffnet.

Die deutschen Online-Alternativen, wie etwa HHV, waren bislang eher rar, daher finde ich es gut, dass man nun etwas mehr Auswahl hat und vielleicht auch mal Preise für Vinyl vergleichen kann. Der Shop selbst ist relativ einfach gehalten, es gibt sinnvolle Kategorien und eine Suche, die offenbar den Volltext aller Datenbankfelder durchsucht. Dementsprechend viele Treffer erhält man unter Umständen, und auch die Listen innerhalb einer Kategorie können ziemlich lang werden. Die Soundclips zum Reinhören kommen mit 128 Kbps in guter Qualität daher, nur die Beschreibungen fallen, so vorhanden, etwas kurz aus. Mir fehlt außerdem noch ein RSS-Feed resp. Newsletter mit Neuerscheinungen im Shop ... und wie wäre es mit einem Groove Attack-Blog? Aber vielleicht kommt das alles ja noch, der erste Schritt ins Internet ist jedenfalls gelungen. Ich werde mich jetzt mal durch die virtuellen Plattenkisten wühlen, die Auswahl ist nämlich wie erwartet sehr erlesen. Meine arme Geldbörse! [via]

Musikdownloads rechnen sich für Künstler nicht!?

Sollte die folgende Grafik stimmen und das aussagen, wonach es aussieht, dann bringt online vertriebene und downloadbare Musik den Künstlern weniger ein als Musik auf CDs. Große Gewinner sind die Plattenfirmen, die einen noch größeren Teil des Kuchens für sich behalten.

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Allerdings wurde die Studie offenbar von der MCPS-PRS, der britischen GEMA quasi, in Auftrag gegeben mit dem Ziel, die Frage nach einer Verlängerung der Urheberrechte von Musik von 50 auf über 90 Jahre zu klären. Die Frage wurde mittlerweile vom Parlament abschlägig beantwortet, nicht zuletzt auf der im so genannten Gowers-Bericht dargelegten Fakten. Der Zusammenhang, in dem die Daten, die im Übrigen von der MCPS-PRS selbst geliefert wurden, verwendet werden, ist folglich ein anderer. So wird in dem Bericht auch darauf hingewiesen, dass Künstlern je nach Bekanntheit durchaus andere Einnahmequellen zur Verfügung stehen, etwa Auftritte in Werbekampagnen oder Livekonzerte. Und überhaupt: copyright is essential for protecting the investment that UK creative industries make in artists, performers and designers. Es geht also nur indirekt um die Künstler.

Da in Großbritannien, und auch das steht im Bericht, mittlerweile ca. 80 Prozent aller Singles per Download verkauft werden, ist das Thema sowieso von der Realität überholt worden. Dennoch steht es der weit verbreiteten und oft von Künstlern selbst geäußerten Ansicht, Downloads seien gerechter, etwas entgegen. Wem soll man glauben? [via 1, 2, 3]

Internetradio 2.0

last.fm und Pandora stellen anhand von Ähnlichkeiten zwischen Musikstücken radio-ähnliche Streams zusammen, die den Benutzerwünschen mehr oder weniger genau entsprechen. Während last.fm Informationen darüber sammelt und auswertet, was tausende User auf ihrem Rechner hören, werkelt im Hintergrund von Pandora eine ausgeklügeltes Software, die Abhängigkeiten von Musikstücken feststellt. Seit Anfang des Jahres schießen ähnliche Dienste wie Pilze aus dem Boden. Sie heißen Finetune (nicht zu verwechseln mit Finetunes), Seeqpod oder Beatport Player (nicht zu verwechseln mit dem Traktor Beatport Player) und verfolgen durchaus unterschiedliche Ansätze.

Finetune arbeitet ähnlich wie Pandora: Man gibt den Namen eines Künstlers oder einer Band ein, und erhält einen entsprechenden Stream zurückgeliefert. Es gibt auch vorgefertigte Stationen, Suchfunktionen und die Möglichkeit, Kommentare abzugeben. Und natürlich können die Musikstücke bei Gefallen auch gleich via iTunes gekauft werden, ansonsten ist der Dienst kostenlos. Ein erster Test verlief eher ernüchternd. Zwar wird mit fast zwei Millionen Tracks geworben, diese stammen aber größtenteils von den Majors. Neuentdeckungen wird man auf diese Weise kaum machen können.

Seeqpod ist irgendwie nicht so richtig auskunftsfreudig, scheint aber ähnlich zu arbeiten wir The Hype Machine oder elbo.ws. Weltweit werden offenbar Podcasts und Musikblogs abgegrast und die dort geposteten Tracks in der eigenen Datenbank abgelegt. Diese lässt sich nun durchsuchen, Treffer können gleich angehört oder an eine Playlist angehängt werden. Zusatznutzen sind Artistinfos oder Links zu Videos und Klingeltönen. Der Dienst ist als beta gekennzeichnet, und das merkt man auch deutlich. Die Suchergebnisse sind nicht gerade zahlreich und führen öfter mal zu toten Links.

Der Beatport Player ist ein direktes Marketinginstrument für den in Kreisen elektronischer Musik bekannten und beliebten Downloadshop Beatport. Playlisten können nach Genre, Label oder Künstler zusammengeklickt werden und speisen sich natürlich aus dem Shopangebot. In diesem Rahmen klappt das auch gut, vorausgesetzt der Flashplayer ist installiert. Für einen MP3-Shop und dessen Kunden ein äußerst interessantes Feature, für alle anderen eine nette Spielerei.

Noch mehr Online-Musik-Anwendungen beschreibt Dan Taylor in seinem Blog. Vielleicht sind da ja noch ein paar Perlen zu finden.

Steve Jobs will die Musik befreien

Hier über die aktuellen Vorschläge von Apple-CEP Steve Jobs zur Abschaffung des Digital Restriction Management (DRM) von digitaler Musik zu bloggen heißt vermutlich offene Türen einzurennen. Nach Jobs' Ansicht ist ein Großteil aller Musikdateien sowieso nicht durch DRM verkrüppelt, also sei der Aufwand, den Apple zur Wahrung seiner Verträge mit den Musikkonzernen treibt, eigentlich umsonst. Zumal die Musikindustrie angeblich immer noch 90 Prozent ihrer Musik ohne DRM verkauft, d.h. hauptsächlich auf CD. Nun mag Jobs zwar ein guter Mensch sein, vor allem aber dürfte ihn das Wohl seiner Firma interessieren. Und aus dieser Perspektive wird klar, was Jobs vermutlich wirklich stört: Apple muss große Summen in sein DRM-System investieren; die meiste Musik wird aber illegal aus den Netz geladen, anstatt im iTMS gekauft - denn dann lässt sie sich überall ohne Einschränkung abspielen. Also wäre es doch viel besser, Apple könnte sich die Entwicklungsarbeit und damit bares Geld sparen, die Leute würden trotzdem und noch viel öfter im iTMS einkaufen, und die Konkurrenz in Form von Microsoft und Sony gerät ins Hintertreffen. Aber kann Apple nicht das gleich passieren? Immerhin hat Wal-Mart bei den Video-Downloads schon schneller reagiert (allerdings ein offensichtlicher Schnellschuss: Öffnet mal diese Seite im Firefox). Und DRM-freie Downloadshops verkaufen zwar nicht die Musik der Big Four, aber die DRM-freie Musik der Indies, die gerade dabei sind, als "virtueller fünfter Major" ihre Position zu stärken. Andere, wie etwa Amazon und Limewire, ziehen demnächst nach. Daher mag der Wunsch von Steve Jobs bald Notwendigkeit werden, radikal ist er indes nicht. Fest steht jedenfalls: Es tut sich was auf dem digitalen Musikmarkt.

Update 08.02.07: Die Debatte nimmt Fahrt auf.

Beyondjazz Vol. 3 ist raus!

Der heißersehnte Sampler mit aus der Future Jazz-Community Beyondjazz.net hervorgegangener Musik ist seit einer Woche endlich erhältlich. In diesem bereits dritten Teil der Serie werden 13 äußerst geschmeidige Tracks von Musikern und Producern aus der ganzen Welt, die sich bei Beyondjazz austauschen und engagieren, in knapp hochwertigen 70 Minuten präsentiert. Das Teil ist nur als Download (hohe MP3-Qualität von 320kb/s) für 9 Euro erhältlich, die per Paypal bezahlt werden. Exzellente Arbeit geleistet haben die Initiatoren und wirklich durchweg hochklassige Songs ausgewählt. Zusätzlich werden Artist-Infos und Covers zum Ausdrucken mitgeliefert. Hiermit ergeht natürlich ein klarer Kaufbefehl! Und nun anstelle einer Einzelkritik der Einfachheit halber etwas Name- bzw. MySpace-Dropping: Oracle (A [1, 2]), Jonny Miller (UK), Aroop Roy (JP), Yosaku (US), Spektator (CA), Nemoy (CH), Inverse Cinematics (Stuttgart), Lava Musique Ensemble (AUS), Masoul (UK), Flowriders (NL), Mixed Moods (Berlin), Joash (UK). Und natürlich Lensco (BE).

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